Abenteuer Orient

Max von Oppenheim und seine Entdeckung des Tell Halaf

30. April bis 10. August 2014

1899 entdeckte der Kölner Bankierssohn, Diplomat und Forschungsreisende Max Freiherr von Oppenheim (1860–1946) auf dem Tell Halaf im heutigen Syrien einen aramäischen Fürstensitz aus dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. – eine archäologische Sensation ersten Ranges. Oppenheim hatte auf dem Tell Halaf die Überreste der biblischen Stadt Guzana gefunden. Der berühmte West-Palast war mit monumentalen Steinskulpturen und fantastischen Steinreliefs ausgestattet, in einer Gruftanlage fanden sich zudem überlebensgroße Grabfiguren wie die „thronende Göttin“ und kostbare Grabbeigaben.

«Ein Archäologie-Krimi aus 1001 Nacht»dpa, 30.04.2014

Von Köln nach Kairo – Max von Oppenheim als Attaché, Orientforscher und Ausgräber

Leitfaden der Ausstellung ist Max von Oppenheims wechselvolle Biografie und seine lebenslange Liebe zum Orient. Sie spricht aus jedem einzelnen der luxuriösen orientalischen Gewänder und Accessoires, die Oppenheim privat gesammelt hat. Nach seinem Jurastudium in Deutschland zog es Oppenheim nach Kairo, wo er Arabisch lernte und genussvoll in das orientalische Leben eintauchte. Als Diplomat nur minder erfolgreich, katapultierte seine Entdeckung des Tell Halaf im Jahr 1899 den „interessierten Laien“ Oppenheim an die Spitze der deutschen Archäologie im Vorderen Orient, wo zeitgleich namhafte deutsche Fachleute in Babylon und Assur gruben. Als Kenner der Region geriet auch Oppenheim – wie auf britischer Gegenseite T. E. Lawrence – in der Zeit des Ersten Weltkrieges mitten in die politischen Auseinandersetzungen.

Das 1943 zerstörte Berliner Tell Halaf-Museum – Die Restaurierung der Funde 2001–2010

1929 brachte Max von Oppenheim zahlreiche Funde vom Tell Halaf nach Berlin, wo er 1930 ein eigenes Museum eröffnete. Das Gästebuch des Tell Halaf-Museums verzeichnet so illustre Besucher wie Samuel Beckett, Agatha Christie, Emil Nolde und Max Beckmann. Die Funde vom Tell Halaf, die in einer Berliner Bombennacht des Jahres 1943 zerstört und rund 60 Jahre später auf spektakuläre Weise restauriert werden konnten, erzählen nicht nur von einer 3000 Jahre alten Kultur, sondern sind auch zu einem bewegenden Zeugnis deutscher Zeitgeschichte geworden.

Der Tell Halaf – Ein aramäischer Fürstensitz im Schatten des Assyrischen Imperiums

Der zentrale Bereich der Ausstellung lässt die lang vergangene Welt der Aramäer wiederauferstehen und präsentiert die einzigartigen archäologischen Funde vom Tell Halaf, die den Reichtum dieses aramäischen Palasthügels im heutigen Syrien belegen. In der Ausstellung wird zum ersten Mal die berühmte, fast 6 Meter hohe Eingangsfassade des West-Palastes mit den originalen Skulpturen nachgestellt, ergänzt durch eine virtuelle Rekonstruktion des gesamten Stadtareals von Guzana, so der antike Name des Tell Halaf. Eine Nachbildung von Oppenheims ikonischer Fassadenrekonstruktion aus den 1930er-Jahren ziert heute den Eingang des Nationalmuseums im syrischen Aleppo. Die dortigen Funde vom Tell Halaf und andere herausragende Kulturgüter Syriens sind heute einmal mehr von Zerstörung bedroht.

Der Hauptleihgeber dieser Ausstellung, die 1929 von Oppenheim selbst gegründete Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung, unterstützt diese Ausstellung mit rund 450 Leihgaben, die im Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln, und im Vorderasiatischen Museum, Berlin, bewahrt werden. Beide Häuser haben selbst bereits große Ausstellungen zu Max von Oppenheim präsentiert: „Faszination Orient“ 2001 in Köln und „Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“ 2011 in Berlin. Die Bonner Ausstellung präsentiert die kostbaren, von Oppenheim gesammelten Orientalika aus Köln und die eindrucksvollen archäologischen Funde vom Tell Halaf aus Berlin jetzt in einer großangelegten Gesamtschau, ergänzt durch herausragende Leihgaben aus dem Musée du Louvre und dem British Museum.

Filme zur Ausstellung

Virtuelle Rekonstruktion des TELL HALAF

Clip zur virtuellen Rekonstruktion in der Ausstellung

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Abbildungen
  1. AusstellungsansichtFoto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

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Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
T +49 228 9171–200

Ansichten des Dachgartens

Für alle Abbildungen gilt:
Parkomanie. Die Gartenlandschaft der Bundeskunsthalle, 2016 (Aufnahme: 2016-04-21)
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