Die dreidimensionale Computertechnologie (CAD)

Vierzig Bauherren und vierzig Baumeister - eine Bauaufgabe St. Peter in Rom

Die Frage, ob man das Bauwerk in allen seinen Details und Abfolgen verstehen muss, das da doch so scheinbar geschlossen und folgerichtig seit nunmehr 400 Jahren als Symbol der Christenheit steht, ist genauso zu beantworten als ob man 2000 Jahre Christenheit und Geschichte verstehen muss, den Wandel und die Konstanten der Gesellschaft des christlichen Abendlandes. Der Petersdom ist wie alle Bauwerke, aber „Er“ im besonderen ist ein Seismograph in der Geschichte. Er ist gebaute Weltanschauung. Im Rahmen eines Wissenschaftsateliers an der Technischen Universität Darmstadt am Fachgebiet Informations- und Kommunikationstechnologie in der Architektur wurden unter Leitung von Prof. Manfred Koob die wichtigsten Bauphasen des Petersdoms dreidimensional mittels Computer aus Plänen, Modellen und Beschreibungen „rekonstruiert“.

Ziel dieses in seiner Geschlossenheit einmaligen Projektes mit seiner Laufzeit von bisher 3 Jahren ist, dem Besucher der Ausstellung eine Orientierung und Hilfe für das Verständnis des komplexen Bauablaufs von St. Peter zu geben, der im Barock seinen vorläufigen Abschluss findet. Das soll die Originale und Dokumente unterstützen, meist Grundrisse, Schnitte und Ansichten, die eine Reduktion der Gedanken des Entwerfers und für den Nichtfachmann schwer lesbar sind. Für den Experten bietet die Dreidimensionalität, seine Herleitung und die permanente dreidimensionale virtuelle Überlagerung der Zustände neue Einblicke bzw. Gewissheiten, aber auch manche Überraschung.

An drei Stellen innerhalb der Ausstellung werden in unterschiedlichsten Präsentationen Auswertungen der digitalen Bau- und Entwurfsgeschichte gezeigt:

Ein Cicerone (Kunsthistorischer Führer) wird in einem in die Ausstellung integrierten Raum ca. 100 Besucher in einer teilinteraktiven Führung durch die komplexe Geschichte der Entstehung des Petersdoms führen. Dabei werden bisher nicht „gesehene“ Bilder und Zusammenhänge in Simulationen zu sehen sein, wie die dreidimensionale virtuelle Überlagerung des Entwurfs von Bramante mit der Gedenkmünze zur Grundsteinlegung, die dreidimensionale Begehung der Baustelle wie sie aus der zweidimensionalen Zeichnung von Heemskerck entwickelt wurde oder den möglichen Bau der Kuppel des Entwurfs von Michelangelo, wie ihn sich Letarouilly vorstellte. Der wird die Erstbebauung des Vatikanischen Hügels, den Zirkus von Nero, sehen und dessen Überbauung von Alt St. Peter, ebenso die Fundamente von Nikolaus V. und deren Weiterverwendung für Neu St. Peter. Er wird die Gegenüberstellungen und Überlagerungen des grandiosen Entwurfs von Bramante und dessen strategische Festlegungen mit Entwürfen von Raffael über Sangallo, Perruzi, Michelangelo und Maderno sehen. Der Cicerone, eine fassbare greifbare Person, wird auf Wünsche derer, die die Zeitreise mitmachen eingehen. Er wird die Rolle des Architekten übernehmen, der seinen Entwurf erläutert, aber auch die des Bauherren, der seine Wünsche darlegt.

Eine Besonderheit sind die aus den digitalen dreidimensionalen Datensätzen mittels modernster Fertigungstechnik erstellten physischen Schnittmodelle von den Entwürfen Bramantes, Sangallos, Michelangelos, Madernos und Berninis, die ein längeres Studium des dreidimensionalen Raumes der Entwürfe erlauben und im wahrsten Sinne des Wortes neue Einblicke geben.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Originalzeichnungen und Abbildern des Petersdoms werden untertitelte Simulationen zu den wichtigsten 5 Bauphasen von Neu St. Peter gezeigt.

Bau- und Entwurfsphasen in der Ausstellung

  • Die Landschaft, die Stadt Rom, der Vatikanische Hügel
  • Der Zirkus von Nero 64 n.Chr.
  • Alt St. Peter von Kaiser Konstantin und Silvester I. 319-324
  • Alberti und Nikolaus V. 1451-1453
  • Bramante, Donato und Julius II. 1505-1514
  • Die Baustellenzeichnung von Heemskerck, Mitte 30er des 16 Jhd.
  • Raffael und Leo X. 1514-1520
  • Peruzzi, Baldasare und Leo X. 1521
  • Sangallo, Antonio und Paul III. 1536-1546
  • Michelangelo und Paul III., Julius III., Paul IV., Pius IV. 1547-1564
  • Maderno, Carlo und Paul V. 1603-1629
  • Bernini, Gian Lorenzo und Alexander VII. 1656-1666
  • Die Achse von Mussolini unter Pius XI., Pius XII. 1937-1950
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