ECHORAUM

sechs minus

10. Februar bis 20. Mai 2012

In der sechsten und letzten Präsentation im Rahmen der zweijährigen Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien in Köln und dem von Prof. Mischa Kuball ins Leben gerufenen Experimentallabor -1/MinusEins werden Werke von 20 Künstlerinnen und Künstlern im Ausstellungsbereich des Untergeschosses ausgestellt. Erstmals innerhalb dieser Zusammenarbeit wurden zwei Liveperformances realisiert, die sich unmittelbar mit der Bundeskunsthalle befassen:

Vera Drebusch erkundet in Beamerspaziergang mit einem Beamerprojektor das Umfeld der Bundeskunsthalle und macht die Architektur und Oberfläche im urbanen Raum sichtbar.
Evamaria Schaller verknotet in der Performance MI2 (Mission Impossible 2) die 16 Säulen vor dem Gebäude, die symbolisch für die Bundesländer stehen, mit einem Seil und versucht durch eine Form von „Säulenziehen“ die Säulen aus ihrer Verankerung zu heben.
Zu einer anderen Form des Spazierganges lädt Alexander Basile ein. Sein Film begleitet eine junge Frau auf einer Zugfahrt von Köln nach Bonn, die auf der Eisbahn vor der Bundeskunsthalle endet. Er lotet in emerging sculpture #4 die Grenzen zwischen Dokument und Fiktion aus und reflektiert damit den Prozess, der Fotografie zum bewegten Bild werden lässt.
Dem Wesen der Fotografie und der Abbildung der Realität geht Changje Hong mit View the scenes # 668 Space Itself nach. Räume werden mit sehr starker Beleuchtung fotografiert, wodurch sie zu einer Art Stillleben werden, in denen eine illusorische Transformation stattfindet.
Als Echo auf die Kooperation und die Institution führt Michael Schmitt in Bundeskunsthalle 2012 mit einer Kamerafahrt durch die anderen im Haus stattfindenden Ausstellungen.
Allan Gretzki, der die vom Obergeschoss zum ECHORAUM führende Wand zum dritten Mal bespielt, gibt dem Besucher mit ABC Pixacao, einer individuellen Interpretation der aus Brasilien stammenden Grafitti, die Gelegenheit am Entstehungsprozess der Arbeit teilzunehmen.
Carolina Redondo besetzt zum zweiten Mal den Durchgang zum Studio und dehnt mit ihrer Arbeit die Wahrnehmung und Grenzen der Architektur dieses Zwischenraumes aus.
Im Pyramidenraum verändert die kinetische, raumgreifende Skulptur Marcel von Christoph Kilian durch die permanente Bewegung das Raumgefühl. Auf ein Stativ montiert, wird ein Parallelogrammscheibenwischer zweckentfremdet und neu definiert. Der Name „Marcel“ weist auf zahlreiche Vorgänger dieser künstlerischen Praxis hin, etwa Duchamp oder Broodthaers, aber auch auf den Pantomimen Marceau.
Einen realen architektonischen Eingriff vollzieht Johannes Jensen in den sanitären Anlagen für Herren. Wohnklo verwandelt eine der Toilettenanlagen in einen Wohnraum.
Durch eine Installation im Forum der Bundeskunsthalle transformiert Nicolas Pelzer mit Private Cinema öffentlichen in privaten Raum. Auf einer Kinoleinwand wird eine Animation bestehend aus im Internet gefundenen Bildern und 3D Objekten projiziert, die sich mit privaten Kinoräumen und medial ausgestatteten Wohnzimmern befassen.
Der Kölner Nachkriegsarchitektur widmet sich Nico Joana Weber in den Filmen Porträt, und den dazugehörigen Zeichnungen Nachkriegskomposition,  eine abstrahierte formale Reflektion zu graphischen Elementen der Fassaden im Stadtbild und der Innenräume der Gebäude.
In ihrer Videoarbeit Nearby zeichnet Lena Ditte Nissen eine urbane Anti-Utopie. Aus überwachungsähnlichen Aufnahmen montiert, ergeben sich konstruktivistische Raster, in denen sich anonyme Gestalten im öffentlichen Raum bewegen, architektonische und soziale Strukturen verbinden sich. Die formale Ästhetik markiert und diszipliniert die sich bewegenden Menschen, sie erlaubt kein Auskommen aus den geometrischen Netzen.
Die Architektur des Erweiterungsbaus der Kunstakademie in München von Coop Himmelb(l)au wird in dem  Film  Und das Schiff fährt von Clea Stracke und Verena Seibt zu einem Schiff auf hoher See – als Metapher für die Kunst und ihre Institution.
Verena Friedrich erkundet bereits seit mehreren Jahren das Spannungsfeld zwischen Kunst und Biowissenschaften. Cellular Performance – Microcontact Prints zeigt mit mikroskopisch kleinen Textfragmenten versehene Silikonstempel – basierend auf Begrifflichkeiten aus der Werbesprache der Kosmetik- und Pflegemittelindustrie. In diesen vorgegegebenen Text-Strukturen lässt die Künstlerin menschliche Hautzellen wachsen, die von ihr im Labor gezüchtet und manipuliert wurden.
In Innerspace odissey geht es um die Wechselwirkung zwischen Forschung und Technik. Elisa Balmaceda bezieht sich auf die im 19. Jahrhundert populär gewordene „Wissenschaft“, den technischen Fortschritt für die Erkundung der Seele und der Gedankenwelt zu nutzen. Wissenschaftler entwickelten einen Apparat mit dem Gedanken und Träume ohne Hilfe einer Kamera direkt auf eine fotografische Platte übertragen wurden. Diese Technik, die sich nur kurzer Beliebtheit erfreute, erfuhr kürzlich auf andere Art und Weise ihre Wiederauferstehung. Im August 2011 gelang es einer Gruppe von Wissenschaftlern mithilfe eines Scanners und Computers die inneren Bilder des Gehirns in einem Video festzuhalten.
Eine Form von Eigenleben erhält der Computer in EnTroPI von Jan Goldfuß. Es handelt sich um 3-D-Animationen, die das Medium selbst und die digitale Ästhetik thematisieren.  Dabei wird der Computer als äquivalenter Partner wahrgenommen und bestimmt die Formgebung mit. Es wurden lediglich Parameter gesetzt, die vom Algorithmus des Programms weiterentwickelt wurden. Die Arbeit erinnert damit entfernt an die surrealistische Praxis der écriture automatique, die auch eine Untersuchung des Unterbewusstseins der Maschine sein könnte.
Julia Weißenberg projiziert und filmt in Landschaft mit Staub und Dinosaurier Wasser auf verschiedenen Untergründen. Durch die Verfremdung des Ausgangsmaterials erschafft sie eine neue poetische Landschaft.
Mia Boysen entwickelte für den ECHORAUM einen Geruch - eine unsichtbare Arbeit, deren Präsenz sich unbemerkt in das Gedächtnis  des Besuchers einschreibt und dort neue Assoziationen und Emotionen hervorrufen kann.
Die Ausmaße der digitalen Netzwerke führt uns Heidi Pfohl in ASN (analogue social network) vor Augen. Die Fotoarbeit bildet ein analoges, soziales Netzwerk als inszenierten Raum ab: Handschriftlich auf Zetteln hinterlassene Telefonnummern realer Personen, die die Künstlerin über mehrere Monate ihrem persönlichen Netzwerk hinzugefügt hat, hinterfragen den Stellenwert von Freundschaften im Zeitalter des Web 2.0.

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Abbildungen
  1. AusstellungsansichtFoto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

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