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Ménage à trois

Warhol, Basquiat, Clemente

10. Februar bis 20. Mai 2012

Die New Yorker Kunstszene der 1980er Jahre ist legendär. Vital, kreativ und medial offener denn je, bietet sie gerade jungen Künstlern eine Spielfläche voller Möglichkeiten. Sie holen mit ihren Graffitis die Kunst auf die Straße, und Alltägliches hält Einzug in ihre Kunst, Traditionen werden hinterfragt auf der Suche nach Innovation. Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente – drei der Hauptprotagonisten dieser Zeit – werden nun in dieser umfangreichen Schau vorgestellt. Besonders die Gemeinschaftsarbeiten, Collaborations, der drei Künstler stehen im Mittelpunkt. Um jedoch das unterschiedliche künstlerische Temperament herauszustellen, werden auch Einzelwerke gezeigt. Während Andy Warhol, als wichtiger Vertreter der Pop-Art, das Grafische und Serielle in der Kunst in einem klaren, oft kühl wirkenden Stil ausführte, wirkt das Werk des jungen Jean-Michel Basquiat mit seiner wütend ausdrucksvollen Geste, einer Mischung aus Symbolen, Piktogrammen und Buchstaben, die aus den Graffitis kommen, wie ein temperamentvoller Gegenpol zu Warhol. Die Gemälde Francesco Clementes, einem Vertreter der Transavanguardia, wirken wiederum traumhaft, mystisch und fast surreal.

Warhol, der 1983 bereits 55 Jahre alt ist und schon auf eine fulminante Karriere zurückblickt – man denke nur an die legendäre Factory, das Interview-Magazin, Velvet Underground, Studio 54 ..., – ist malerisch klar definiert, er nutzt das kollektive Bildgedächtnis, Ikonen der Kunstgeschichte und Medien für seine Werke.

Basquiat, damals 23 Jahre alt, steht am Anfang seiner dynamischen Malerei, nachdem er sich bis 1979 als SAMO durch seine Graffitis (gemeinsam mit Al Diaz) einen Namen gemacht hatte. Er überträgt, samplet direkt und ungefiltert Bestehendes seiner Generation in eine neue Ästhetik.

Clemente, damals 31-jährig, kommt aus einer anderen Tradition. Er zieht erst 1981 nach New York und hat unter anderem während seiner längeren Indienaufenthalte gemeinschaftliches Arbeiten als Verschmelzung geistiger Haltungen für sich entdeckt. Seine Themen sind Fragen nach Innen und Außen, dem Selbst und den Anderen, dem Körperlichen und Psychischen. Auch die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Schriftstellern, von der in der Ausstellung zwei Werke zu sehen sind, zeigt einen anderes Verständnis der Kollaboration.

Das Künstlerische impliziert Einmaligkeit und vor allem Individualität – die eigene Handschrift. Die Gemeinschaftswerke der drei Künstler brechen spielerisch mit dem Begriff der Individualität, ohne die Autorenschaft zu leugnen und beziehen ihre Spannung aus den konträren malerischen Gesten. Sie spiegeln die Zeit, die (Pop-)Starrolle und das neue Selbstverständnis der Künstler, ihren Ursprung, ihre Mythen und ihre gegenseitige Faszination.

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