Narren. Künstler. Heilige.

Lob der Torheit

31. August bis 2. Dezember 2012

In allen menschlichen Gesellschaften gibt es die Figur des Exzentrikers, der am Rande steht, als Außenseiter gilt, und einerseits verachtet, aber andererseits als besonders und herausgehoben wahrgenommen wird. Die Ausstellung Narren. Künstler. Heilige. Lob der Torheit mit ihren ca. 250 Exponaten verfolgt die unterschiedlichsten Ausprägungen dieser universalen Figur und spürt ihr in allen Weltkulturen und Epochen nach. Zeitlich schlägt sie einen Bogen von altägyptischen Zeugnissen bis zu jüngsten Werken des 21. Jahrhunderts und beweist, dass trotz aller oberflächlichen Verschiedenheit des Ausdrucks die archetypische Figur und ihre Funktion seit 3000 Jahren Menschheitsgeschichte unverändert aktuell sind.

Es werden überraschende Ähnlichkeiten und Kontinuitäten aufgedeckt: Narren, Schmiede, Propheten, Dichter, Schamanen, Priester, Künstler gehören allesamt zu diesen Grenzgängern, leben in einer besonderen Sphäre und bringen Menschliches mit Übermenschlichem in Verbindung. Fremd wirkende Bilder, spirituelle Zeichen, Figuren u. a. aus dem antiken Griechenland, dem Fernen Osten, Ozeanien, Afrika, Sibirien und Südamerika treten neben europäische barocke, moderne und zeitgenössische Werke.

Ausgestellt werden neben den Bildern und Darstellungen der exzentrischen Figuren, auch deren magische Werkzeuge und Hilfsmittel wie Kostüme, Masken, Zauberstäbe, Musikinstrumente, Fetische und Medikamente. Die Schaustücke stammen aus zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen und Museen in Frankreich, Belgien, den USA, Deutschland, den Niederlanden, Brasilien, Dänemark, Russland und der Schweiz.

Tatsächlich erfüllen die exzentrischen Figuren eine essentielle Rolle. So wie es ohne Tod kein Leben gibt, kann es auch ohne Chaos und Exzess, ohne Unverständliches, Mystisches, Außergewöhnliches weder Ordnung noch Normalität geben. Der Lauf der Welt wäre in höchster Gefahr, wenn es keine "Meister der Unordnung", keine Zauberer, Künstler oder Heilige gäbe, wenn nicht der Karneval die Verhältnisse auf den Kopf stellte oder die Narren in christo nachts beteten.

Während die absolute Notwendigkeit des Andersseins für das Funktionieren menschlichen Lebens in der alltäglichen Betrachtung häufig aus dem Blickfeld gerät, rückt die Ausstellung Narren. Künstler. Heilige. Lob der Torheit die Randfiguren ins Licht und unterstreicht die vitale Bedeutung ihrer Aufgabe. Dabei wird sie selbst zu einem besonderen Ort: Ein aktivierter Voodoo-Altar gehört zum Ensemble der Exponate.

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Abbildungen
  1. AusstellungsansichtFoto: Dr. Mark Brandenburgh © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

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