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AUSSTELLUNGEN
  AFGHANISTAN. GERETTETE SCHÄTZE

Afghanistan. Gerettete Schätze
Die Sammlung des Nationalmuseums in Kabul
11. Juni bis 3. Oktober 2010

Kollier aus Tillya Tepe
Zoom Kollier vom Halsausschnitt der
Kleidung. Afghanistan, Tillya Tepe,
2. Viertel 1. Jh. n. Chr. Gold, Türkis,
Almandin-Granat, Pyrit. Länge 29,1 cm.
Afghanisches Nationalmuseum
Foto: Thierry Ollivier
© Musée Guimet/Réunion des musées
nationaux (RMN), Paris

Video Sendungsbeitrag west.artexterner Link in neuem Browserfenster

Erstmals in Deutschland präsentiert die Kunst- und Ausstellungshalle den legendären Nationalschatz Afghanistans, der wie durch ein Wunder Jahre des Bürgerkriegs und der Zerstörung überdauerte.

Die spektakulären Gold-, Silber- und Elfenbeingegenstände sind Zeugen des Königreichs Baktrien, einer Zivilisation, die sich im antiken Afghanistan an den Schnittstellen der Kulturen entlang der Seidenstraße entfaltete und so zum Schmelztiegel der unterschiedlichsten kulturellen Strömungen aus Ost und West wurde. Infolge des Alexanderfeldzugs um 330 v. Chr. zogen mehr und mehr Griechen und Makedonier in die antike Kulturlandschaft, wo sie die baktrische Hochkultur mitbegründeten. In der Ausstellung ist die Synthese der Kulturen sofort erkennbar. Bei den gezeigten Exponaten verschmelzen griechische, persische und indische Motive. So findet sich z. B. eine detailreich gearbeitete Aphrodite mit Engelsflügeln und indischem Bindi (Stirnpunkt) neben einem auf einem Delphin reitenden Eros.

Stehender Widder, Afghanistan, Tillya-Tepe, Gold, Afghanisches Na tionalmuseum, Kabul
Zoom Stehendes Mufflon
Afghanistan, Tillya Tepe, Gold
Afghanisches Nationalmuseum, Kabul
Foto: Thierry Ollivier
© Musée Guimet/Réunion des musées
nationaux (RMN), Paris

„Flussgöttin“ auf einem Makara stehend, Afghanistan, Begram
Zoom „Flussgöttin“ auf einem Makara
stehend, Afghanistan, Begram,
1. Jh. n. Chr., Elfenbein, Höhe 45,6 cm
Afghanisches Nationalmuseum
Foto: Thierry Ollivier
© Musée Guimet/Réunion des musées
nationaux (RMN), Paris
Die Highlights der Präsentation sind Funde aus vier bedeutenden archäologischen Stätten des Landes.
Aus dem bronzezeitlichen Tepe Fullol im antiken Baktrien (ca. 2000 v. Chr.) stammen filigran gearbeitete Gold- und Silberobjekte – die ältesten Stücke der Ausstellung. Die Goldvasen zeigen eine raffinierte Ästhetik und unterstreichen die fundamentale Bedeutung, die Baktrien im Austausch zwischen dem Nahen Osten und Indien spielte.

Aus Ai Khanum, einer von Alexander dem Großen gegründeten Stadt, werden Zeugnisse der griechisch-hellenistischen Einflüsse am Rande der Steppe präsentiert. Die griechische Präsenz in Zentralasien war ein Grundstein der Entwicklung der Kunst und Geschichte im Süden des Hindukusch. Die Fundstücke zeigen die Reinheit der griechischen Tradition, aber auch die Symbiose, die mit den orientalischen Stilelementen eingegangen wurde.

„Aphrodite von Baktrien“, Afghanistan, Tillya-Tepe
Zoom „Aphrodite von Baktrien“
Afghanistan, Tillya Tepe, Grab VI,
2. Viertel 1. Jh. n. Chr., Gold, Türkis
Afghanisches Nationalmuseum
Foto: Thierry Ollivier
© Musée Guimet/Réunion des musées
nationaux (RMN), Paris
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die imposanten Goldfunde aus den 6 Gräbern in Tillya Tepe (1. Jh. n. Chr.) Der „Goldhügel“ trägt seinen Namen wohl zu Recht. Die Vielfalt und die außerordentliche Raffinesse des Schmuckes mit seinen gefassten Edelsteinen und den offensichtlich griechisch-römischen, indischen und sogar chinesischen Einflüssen liefert einen Beweis für den Kontakt mit den großen Kaiserreichen der sesshaften Welt.

Den Abschluss bilden die großartigen Funde von Begram, dem früheren „Alexandria des Kaukasus“. Der gezeigte Schatz stammt aus zwei vermauerten Kammern im ehemaligen Königspalast. Die kunstvoll gearbeiteten Elfenbeinobjekte (1. Jh. n. Chr.) zeugen vom indischen Einfluss in dieser Region. Zudem finden sich zahlreiche Glasgefäße, Bronzen und Stuckmedaillons, die die Bindung an Alexandria und die römischen Welt verdeutlichen.

Gerettete Schätze
Der Afghanische Nationalschatz ist von unschätzbarem kunst- und kulturhistorischen Wert. Lange Zeit galten die in der Ausstellung gezeigten Objekte allgemein als gestohlen oder von den Taliban zerstört. Angesichts der instabilen Sicherheitslage zum Ende der sowjetischen Besatzung Afghanistans versteckten mutige Mitarbeiter des Kabuler Nationalmuseums Ende der 80er Jahre die wichtigsten Objekte. Es folgten Jahrzehnte von Unruhen und bewaffneten Konflikten. Erst nach dem Ende der Taliban-Herrschaft 2004 konnte der Schatz nach der Öffnung der Tresore im Präsidentenpalast in Kabul der Öffentlichkeit erneut präsentiert werden.
230 der wertvollsten Stücke können nun in Bonn gezeigt werden. Der vertrauensvolle Dialog zwischen den Zivilisationen ist für die Welt von heute zu einer unabdingbaren Notwendigkeit geworden. Diese einzigartige Ausstellung soll ein weiterer Schritt auf dem Weg der Verständigung zwischen den Kulturen sein.

Öffnung des Safes, der das Gold von Tillya-tepe beinhaltete. Afghanisches Nationalmuseum, Kabul.
Zoom Öffnung des Safes, der das Gold von Tillya Tepe
beinhaltete. Afghanisches Nationalmuseum, Kabul,
Afghanistan
Foto: Kenneth Garrett
© National Geographic
Afghanisches Nationalmuseum Kabul, Afghanistan
Zoom Afghanisches Nationalmuseum, Kabul, Afghanistan
© Pierre Cambon


Medienecho
  • Afghanistans gerettete Schätze – Eine spektakuläre Ausstellung in Bonn
    (ZDF aspekte, 11. Juni 2010)

  • „Jetzt machen Afghanistans gerettete Schätze bis Mitte Oktober Station in der Bonner Bundeskunsthalle. Ein Highlight unter den europäischen Ausstellungen – so prachtvoll wie der 'Schatz des Priamos'. Von einer weisen Ausstellung, einer Geschichtslektion spricht [der Kabuler] Museumsdirektor Massoudi.“
    (ZDF aspekte, 11. Juni 2010)

  • „Nach gründlicher Restaurierung in Paris traten sie ihre Reise in prominente Museen der westlichen Welt an. In Bonn treffen die Kunstwerke jetzt auf eine didaktisch und ästhetisch eindrucksvolle Inszenierung.“
    (General-Anzeiger, 11. Juni 2010)

  • „Die gezeigten Objekte sind nicht nur umwerfend schön, sondern vergegenwärtigen zudem die überraschende kulturelle Vielfalt in der Region des heutigen Afghanistan.“
    (DAMALS – Das Magazin für Geschichte, Juni 2010)

  • „Dass diese kostbaren Augenblicke eines idyllischen, unbeschwerten Daseins ausgerechnet aus Afghanistan stammen, dass sie überdies – von Afghanen – vor dem fanatischen Frauen- und Freiheitshass der Taliban gerettet werden konnten, mutet fast wie ein Märchen an. Ein wirklich schönes.“
    (Frankfurter Rundschau, 21. Juni 2010)

  • „Die Architektur ist meisterhaft: Acht Räume durchschreitet der Besucher der Ausstellung 'Afghanistan. Gerettete Schätze' [, die die Bundeskunsthalle in Bonn noch bis zum 3. Oktober zeigt]. Vier davon sind hell gestaltet und voller Informationen über das Land und seine Geschichte. Vier sind dunkel und voller teils atemberaubender durch Punktstrahler ins rechte Licht gerückter Kostbarkeiten.“
    (dpa Deutsche Presseagentur, 11. Juni 2010)


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