Georg Baselitz:
Bilder, die den Kopf verdrehen
Eine Retrospektive. Bilder und Skulpturen von 1959 bis 2004
Verlängerung! 2. April bis 5.
September 2004
"Die Bilder hängen fest am Haken,
was herunterhängt, zeugt von Schwerkraft. Was drauf ist auf dem
Bild, das an der Wand hängt, und wenn es noch dazu verkehrt herum
drauf ist, fällt nicht runter, es fällt nur mehr auf und
springt mehr ins Auge."
In Folge der großen monographischen
Ausstellungen deutscher Maler, wie Gerhard Richter 1993/94 und Sigmar
Polke 1997, präsentiert die Kunst- und Ausstellungshalle der
Bundesrepublik Deutschland in Bonn auf 2000 qm nun eine umfangreiche
Retrospektive zum Werk von Georg Baselitz. Die Ausstellung zeigt eine
repräsentative Auswahl von 130 Arbeiten eines der bedeutendsten
zeitgenössischen deutschen Künstler.
Auf den Kopf gestellte Motive, also „Bilder, die den Kopf verdrehen“,
sind es, die sein Werk seit 1969 unverwechselbar machen. Auf diesen
Wiedererkennungswert allein lässt sich Georg Baselitz allerdings
nicht reduzieren. Wie facettenreich sich der 1938 in Deutschbaselitz/Sachsen
geborene Künstler im Laufe der vergangenen 40 Jahre entwickelt
hat, zeigt die umfassende Schau in Bonn.
Sie schlägt den Bogen von frühen,
selten zu sehenden Werken über die zeitgeschichtlich aussagekräftigen
"Heldenbilder" Mitte der 60er Jahre, die Fraktur-Bilder,
die ersten "Kopfstand"-Bilder, die ihm bis heute malerische
und kompositorische Freiheit geben, bis hin zu den Fingermalereien
Mitte der 70er Jahre.
Es folgen die Orangenesser Anfang der 80er Jahre, als Reaktion auf
die wieder allgemein akzeptierte expressive Gegenständlichkeit,
die Motiv-Bilder, die im großen Malerbild gipfeln, die großformatigen
Bildübereins- und folgende Gemälde sowie die romantischen
Arbeiten der Auseinandersetzung mit Caspar David Friedrich, die seit
1999 auch im Reichstag in Berlin Furore gemacht haben.
Clown, 1981
Öl auf Leinwand
Sammlung Sanders, Amsterdam Bildvergrößerung
Öffentliche Führungen
von Georg Baselitz am 5. Juni um 15 Uhr mit Anke Engelke 6. Juni um 12 Uhr mit Bazon Brock 13. Juni um 11 Uhr mit Carla Schulz-Hoffmann
Neue Arbeiten aus den Jahren 2002 bis
2004, die den Blick zurück im künstlerischen Œuvre
erlauben, runden den retrospektiven Charakter der Ausstellung ab.
Foto von gestern, 2002
Öl auf Leinwand
Foto: Lothar Schnepf, Köln Bildvergrößerung
Ergänzt durch seine ungeschönten
Holz-Skulpturen, deren Bearbeitungsspuren auch nicht durch Farbe verdeckt
werden, präsentiert die Schau einen Künstler, der sich sowohl
durch großes handwerkliches Können und Komprimierung im
Ausdruck als auch durch motivische Wandlungsfähigkeit auszeichnet.
Es wird die Bedeutung von Georg Baselitz in seinem zielgerichteten
Bemühen um die Malerei belegt: Sowohl sein malerischer Gestus
als auch sein biographisch geprägtes ikonographisches Repertoire
werden deutlich.
Begleitet wird die Ausstellung von einem etwa 320 Seiten starken Katalog,
der neben den Abbildungen aller Exponate Beiträge von renommierten
Autoren enthält.
Ein eigens für die Ausstellung
produzierter, 50-minütiger Film von Heinz Peter Schwerfel soll
zeigen, "wie der Künstler in den letzten zehn, zwölf
Jahren seine früher unversöhnliche Haltung bezüglich
der eigenen Arbeit und der Lage von Kunst und Malerei verändert
hat."
Auf zwei Schwerpunkte konzentriert
sich das Porträt: Es konfrontiert den Künstler mit seinen
früheren Aussagen und fordert ein aktuelles Zwiegespräch,
und es stellt Baselitz als Sammler außergewöhnlicher Kunstwerke
vor, wie beispielsweise afrikanischer Objekte, die im Hinblick auf
sein Œuvre eine neue Sicht eröffnen.