Vortrag in der Lounge
Die Herzöge - Die DDR - Der Respirateur
Prof. Dr. Kornelia von Berswordt-Wallrabe
Der Vortrag stellt das Staatliche Museum Schwerin mit seinen Residenzen
in Güstrow, Ludwigslust und Schwerin vor und gibt einen Einblick in
die umfangreichen, historisch gewachsenen Kunstsammlungen seiner
Gemäldegalerie. Hierbei werden Streifzüge in historische Sammlungsteile
unternommen, um an ihnen die Notwendigkeit für besondere zeitgenössische
Erwerbungen zu zeigen. Dabei wird deutlich, welches Gewicht
den schon vorhandenen Sammlungen zukommt bzw. inwieweit Neuerwerbungen
auf ein rein zeitgenössisches Angebot konzentriert bleiben
können. Zudem werden Fragen spezifischer Arbeitsbedingungen in einem
ostdeutschen Museum seit 1990 erörtert.
Kornelia von Berswordt-Wallrabe ist Direktorin am Staatlichen Museum
Schwerin und Kuratorin zahlreicher Ausstellungen (»Marcel Duchamp –
Der Respirateur«, »Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts«, »Carel
Fabritius.
Das Werk«).
Vortrag in der Lounge
Johann Sebastian Bach - musikalischer Kosmopolit aus der barocken Provinz
Prof. Dr. Christoph Wolff
Aus heutiger Perspektive ist Johann Sebastian Bach eine zentrale Gestalt
in der Geschichte europäischer Musikkultur. Im 18. Jahrhundert war
die Situation eine andere. Dennoch: Es läßt sich nicht nur zeigen,
welch
wesentliche Rolle die thüringisch-sächsische Provinzlage auf die
musikalische
Entwicklung ausübt, sondern auch welch ungewöhnlichen
intellektuellen Spielraum sich Bach trotz seines klar begrenzten mitteldeutschen
Horizontes verschafft. Auch die nach 1800 zunehmend
globale Wirkungsgeschichte Bachs erweist, wie wenig Bachs Kunst unter
der Prämisse eines provinziellen Barock verstanden wird. Die Wechselwirkung
von Herkunft und Ausstrahlung ist bei Bach ein besonders
bemerkenswertes Phänomen.
Christoph Wolff ist Professor der Musikwissenschaften an der Harvard
University in Cambridge (Massachusetts), Direktor des Bach-Archivs
Leipzig und Honorarprofessor der Universität Freiburg (Breisgau). Bach-Archiv
Leipzig
Tanztheater im Forum
alla tedesca
tanz.film.theater
Sebastian Weber kombiniert in seiner aktuellen Produktion Steptanz, zeitgenössischen
Tanz, Videofilm und Musik zu einer künstlerischen Begegnung mit dem eigenen
Heimatland. Episoden aus verschiedenen Orten und Situationen verdichten sich
zu einem eigenwilligen und humorvollen Deutschlandportrait - tiefenscharf, humorvoll, überraschend.
Weber inszeniert einen Reigen sensibler Tanz- und Klangbilder, die zwar Gartenzwergen
und Beamtenhumor nicht aus dem Weg gehen, aber in pointierter Tanzsprache viel
tiefer blicken. Es werden Volkstänze erfunden und Bewegungen nach DIN-Norm
choreographiert, deutsche Gemütslandschaften durchtanzt, deutsche Klänge
abgehört. Tänzer und Musiker aus der ganzen Republik erscheinen in
den Video- und Audioeinspielungen der Produktion.
Sebastian Weber genießt einen internationalen Ruf als innovativer Choreograph
und musikalisch virtuoser Stepptanz-Solist. Solide verwurzelt in der Tradition
des Jazz Tap, die er aus erster Hand von Legenden wie Chuck Green und Buster
Brown kennen lernte, führten ihn seine unkonventionellen Tanzideen und musikalische
Abenteuerlust in die Gefilde zeitgenössischer Bühnenkunst, wo er in
Zusammenarbeit mit ethnischen und zeitgenössischen Tänzern, Choreographen,
Komponisten, Performancekünstlern und Filmemachern die Möglichkeiten
des klingenden Tanzes auslotet.
Vortrag in der Lounge
Die Kunst des Ausstellens.
Aktuelle Betrachtungen zu den Gemäldegalerien des 18. Jahrhunderts
Tristan Weddigen
Das Wahrnehmen und Verstehen von Kunstwerken hängt wesentlich von
der Art und Weise ihrer Präsentation ab. Die Geschichte europäischer
Sammlungen zeigt, dass sich die Vorstellung, wie Kunst zu präsentieren
und vermitteln sei, stark gewandelt hat. Die Veränderung des Ausstellens
entspricht einer Entwicklungsgeschichte des Sehens. Um den Blick für
heutige Präsentationsweisen zu schärfen und um das Interesse für
historische
Hängungen zu wecken, werden moderne Ausstellungskonzepte
und retrospektiv historische Hängungen in Deutschland vorgestellt, insbesondere
der Dresdner Gemäldegalerie im 18. und 19. Jahrhundert.
Tristan Weddigen ist Kunsthistoriker und arbeitet als Assistent am
Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern.
Vortrag in der Lounge
Das Weltkulturerbe Gartenreich Dessau Wörlitz
Ideengut - Gestaltungsweisen - Restaurierung
Dr. Ludwig Trauzettel
Das heute als Welterbe gewürdigte Dessau-Wörlitzer Gartenreich entstand
als großräumige Landesverschönerung zwischen 1760 und 1817 und
verwandelte das kleine Land Anhalt-Dessau in eine große Gartenlandschaft.
Die Veränderungen, die den Ideen der Aufklärung und des Humanismus
verpflichtet waren, wurden von dem jungen Fürsten Leopold
Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und dessen Freund und Berater
Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff initiiert. Neben den gärtnerischen
Umgestaltungen strebten sie auch ökonomische und gesellschaftliche
Veränderungen an. Erstmalig wurde dabei der aus England stammende
frühe Landschaftsgarten auf dem europäischen Kontinent verwirklicht.
Ludwig Trauzettel ist Landschaftsarchitekt und leitet seit 1981 die
Gartendenkmalpflege für die Gärten der Stiftung DessauWörlitz.
Vortrag in der Lounge
Die Weimarer Bibliothek und ihre Öffentlichkeit.
Ein Streifzug durch die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Dr. Michael Knoche
Als Gründungsakt der Weimarer Bibliothek gilt die Anweisung des
Herzogs Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar aus dem Jahr 1691, die
fürstliche Büchersammlung neu zu ordnen und zu verzeichnen. Von
1797 bis 1832 stand sie unter Goethes Oberleitung, der ihr eine moderne
Bibliotheksordnung gab und für den systematischen Ausbau der Bestände
sorgte. Damals zählte sie mit 80 000 Bänden zu den bedeutendsten
Sammlungen in Deutschland. Heute versteht sich die Herzogin Anna
Amalia Bibliothek als Forschungsbibliothek, die trotz des verheerenden
Bibliotheksbrandes im September 2004 ihre Aufgabe mit einem Bestand
von mehr als 900.000 Bänden weiterhin erfüllt.
Michael Knoche ist Direktor der Herzogin Amalia Bibliothek und
Herausgeber verschiedener Fachzeitschriften (u.a. Beiträge zum Buchund
Bibliothekswesen).
Vortrag im Forum
Winckelmann in Dresden oder:
Die Erneuerung der Kunstbetrachtung Dr. Wolfgang von Wangenheim
Angeregt durch den Besuch der Dresdner Gemäldegalerie schrieb Johann
Joachim Winckelmann seinen Essay »Gedancken über die Nachahmung
der Griechischen Wercke in der Mahlerey und der Bildhauer-Kunst«.
Er geht darin der Frage nach, was an Kunstwerken »schön« sei.
Inspiriert
durch die neuartige Präsentation der Bilder und Skulpturen in Dresden,
formulierte er seine Ideen zum Verhältnis von Malerei und Skulptur, von
Antike und Neuzeit, von Tradition und Fortschritt. Winckelmann hat
sich mit dieser Schrift den Ruf eines Erneuerers der literarischen Kunstbetrachtung
erworben. Der Text wurde bald in verschiedene Sprachen
übersetzt und machte den Autor in Europa berühmt.
Wolfgang von Wangenheim ist Kunsthistoriker und freier Schriftsteller. Im Herbst
2005 erscheint seine Biographie über Johann Joachim Winckelmann.
Vortrag in der Lounge
Das Bauhaus heute Prof. Dr. Omar Akbar
Die Stiftung Bauhaus Dessau ist ein Ort der experimentellen Gestaltung,
Forschung und Lehre. Neben der Pflege, Erforschung und Vermittlung
des Bauhauserbes beschäftigt sich die Stiftung insbesondere mit der Stadt,
ihren Widersprüchen und ihrer kulturellen Kraft im Spannungsfeld
zwischen Bevölkerungsentwicklung, Globalisierung und technologischer
Revolution. Das neue Bauhaus stellt sich damit den urbanen Herausforderungen
der Zeit, lotet Optionen für die Zukunft aus und entwickelt
Entwürfe in Architektur, Design, darstellender und bildender Kunst.
Es versteht sich als Werkstatt, in der Mitarbeiter aller Fachbereiche Projekte
entwickeln und erarbeiten können.
Omar Akbar ist Architekt und Urbanist und seit 1998 Direktor der
Stiftung Bauhaus Dessau.