Künstlerinnen und Künstler
der BUNDESKUNSTHALL OF FAME

Aïda Gómez • Aris • Boris Tellegen • Felipe Pantone • Fuzi Uvtpk • Gigo Propaganda • Honet • Hyuro • Il-Jin Atem Choi • Jeanspezial • Jeroen Erosie • Just–Boris Niehaus • Lucy McLauchlan • Mudwig–Daniel Sparkes • Moses & Taps™ • Tika–Maja Hürst • Oz

Aïda Gómez

*1986 Madrid
Die Straßen von Madrid und Berlin bilden die Spielfläche für Aïda Gómez. Sie platziert verschiedenste kleine „Störer“, wie z.B. Poster mit Wortspielen, Kreuzworträtsel, Schriftzüge oder geometrische Formen im öffentlichen Raum und lädt die Passanten auf diese Weise zum spielerischen Austausch ein. Soziale Codes werden subversiv durchkreuzt und das tägliche Umfeld mit einfachen Mitteln und nach eigenen Regeln umgestaltet. 

Felipe Pantone

*1986, Buenos Aires, Argentinien
Lebt und arbeitet in Valencia, Spanien
Felipe Pantone ist einer der prominentesten Vertreter einer neuen Richtung, die man augenzwinkernd als 'Corel-Draw-Graffiti' bezeichnen könnte, da sie die Ästhetik früher Computergrafik mit Wandmalerei verbindet. Ausgehend von der Praxis des 'Masterpiece', der möglichst eindrucksvollen Gestaltung von Buchstaben und Schriftzügen, nutzt Pantone eine Technik des Re-Mix, mit der er erstaunliche Effekte erzielt. So kombiniert er etwa Regenbogen-Farbverläufe mit Op-Art-Mustern in scharfem Schwarz-Weiß-Kontrast, mittlerweile auch ohne die Verwendung von Buchstaben. Mit dem Stil seiner Wandmalereien, Interventionen und Installationen liefert er auch einen Kommentar auf eine immer wieder aufkeimende Begeisterung für Retro-Stile und deren Vervielfältigung durch die visuellen Kanäle sozialer Netzwerke und Medien.

http://www.felipepantone.com/

Honet

*1972, Paris
Honet begann 1988 mit Graffiti und hinterließ seine Spuren zuerst entlang der Pariser Bahnlinien und auf Zügen, erweiterte sein Terrain jedoch bald auf weitere Städte in Europa und weltweit. Wenn er nicht gerade Kollektionen und Motive für Prada oder Lacoste entwirft, ist er wahrscheinlich wieder auf Reisen, um unentdeckte Orte  zu erforschen. Dazu gehören verlassene und verwahrloste Gebäude auf der ganzen Welt genauso wie die heimischen Katakomben von Paris. Nach Honets Auffassung ist Graffiti eine künstlerische Praxis, bei der es eher um den Prozess als um das fertige Ergebnis geht. Die Graffiti sind das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ort, an dem er bewusste Spuren hinterlässt.   

Jeanspezial

Jeanspezial ist ein Kollektiv aus 9 Künstlern, das seit 2005 aktiv ist und aus dem Großraum Paris kommt. Die Gründungsidee der Gruppe war es, eine einzigartige Identität für eine fiktive Figur zu erfinden: Jeanspezial. Die Mitglieder kommen teilweise aus der Graffiti-Subkultur, sehen ihre Arbeit aber eher im breiter gefassten Kunstbereich angesiedelt. Jeanspezial liebt das Experiment und sucht immer wieder die Zusammenarbeit mit neuen Partnern und Komplizen. 

jeanspezial.tumblr.com

Lucy McLauchlan

Als Teil des "Beat 13" Kollektivs kombiniert die Künstlerin Lucy McLauchlan stilistische Elemente des Art Deco sowie psychedelische und kindliche Motive zu einer avancierten Folk Art. Sie arbeitet mit Markern, Stift oder Farbe, meist in Schwarz-Weiß, auf Papier, Gegenständen, Wänden und Gebäuden, wie etwa dem Leuchtturm von Obrestad in Norwegen, dessen Außenfassade sie neu gestaltete. Ihre Arbeiten sind häufig von wiederkehrenden Motiven wie Vögeln oder Gesichtern gekennzeichnet, in jüngster Zeit auch von abstrakterer Qualität. Die Werke von Lucy McLauchlan sind sowohl im öffentlichen Raum als auch in internationalen Museen und Galerien zu sehen. 

lucy.beat13.co.uk

Tika/Maja Hürst

*1978 Zürich, Schweiz
Die Schweizerin Tika, alias Maja Hürst, sieht sich nicht zu Unrecht eher als Weltbürgerin. Aufgewachsen in Kairo und Köln, wechselt Tika ihre Wohnorte schneller als andere Künstler den Pinsel und arbeitet in Berlin, Bangkok, Rio, Zürich, Wien und Kapstadt. Es passt ins Bild, dass sie als DJ Chiri Moya eine ebenso eklektische, globale Bassmusik auflegt. Ihr Stil ist folgerichtig international, beeinflusst durch südamerikaische Folk-Art ebenso wie durch indische Mythen und die eigenen Anfänge mit Filzstiften in der Zürcher Heimat. Totemhafte Masken und Tierdarstellungen verschmelzen mit geometrischen und abstrakten Formen und füllen dabei häufig ganze Hausfassaden. Tika arbeitet meist im Außenraum auf Wänden, fertigt aber auch Holzschnitte und andere grafische Werke an, die wechselseitig Einfluss aufeinander üben.

http://tikathek.com/

Aris

*Datum/Wohnort unbekannt
Der italienische Graffiti-Künstler Aris ist für seine ungewöhnlichen Werke auf Güterzügen bekannt. Schon früh verabschiedete er sich von der klassischen Form des Namens-Schriftzugs und begann mit figurativen und abstrakten Motiven zu arbeiten, die sich an Stilen der klassischen Moderne orientieren. Aus diesem Ansatz entwickelte sich eine eigenständige Bildsprache, die im Graffiti-Kontext einzigartig ist. Mittlerweile überträgt Aris seine Arbeitsweise auch auf andere Materialien und arbeitet sowohl großflächig auf Wänden als auch mit kleinformatigen Werken auf Papier. 

FUZI-UVTPK

Mitte der 1990er Jahre wurde FUZI-UVTPK als Pionier des Ignorant Style bekannt, einer Form des Graffiti, die an Comic-Zeichnungen und mitunter auch an Naive Malerei erinnert. Der Ignorant Style bewegt sich bewusst auf dem schmalen Grat zwischen Graffiti und Vandalismus, vor allem was die Nutzung von Zügen als Sprühfläche betrifft: In Paris gab es eine Zeit lang kaum einen Bahnwaggon ohne den Schriftzug FUZI, UV oder TPK. Seit 2005 setzt er seinen Ignorant Style auch in Tattoos um und hat in diesem Bereich – auch bei einigen prominenten Fans – großen Erfolg.  FUZI-UVTPK ist international gefragt und nimmt an Ausstellungen und Veranstaltungen rund um den Globus teil. 

Hyuro

*1974 Argentinien
Lebt und arbeitet in Valencia, Spanien
Hyuro realisiert vorwiegend Zeichnungen und Wandmalereien, arbeitet aber auch mit Animationen und größeren Installationen. Ihr malerischer Stil ist eher klassisch figurativ, sie verzichtet auf Comic-Elemente und pflegt einen farblich und formal vergleichsweise zurückhaltenden Stil. Eine Besonderheit sind die narrativen Sequenzen ihrer Bilder, mit denen sie entlang der Wand einen Prozess beschreibt oder eine Geschichte erzählt. Huros Wandgemälde muten häufig surreal und traumhaft-fantastisch an, thematisieren aber dennoch sehr konkrete und reale gesellschaftliche Themen, wie etwa die Position der Frau innerhalb eines männlich dominierten politischen Machtgefüges.

http://www.hyuro.es/

Jeroen Erosie

Das Werk von Jeroen Erosie scheint eine sich ständig verändernde Visualisierung von Denkprozessen zu sein. Hier entsteht eine Reibung zwischen intuitiven Ansätzen und komplexen Konzepten, die immer wieder zu neuen Formen und Techniken führt, von Graffiti und Mural Art bis hin zu Illustration und Typografie. Für seine Vielseitigkeit in den verschiedenen Disziplinen ist Jeroen Erosie seit Mitte der 90er Jahre in den Niederlanden, ganz Europa und mittlerweile weltweit bekannt. 

Daniel Sparkes aka Mudwig

*1980, Stroud, England
Daniel Sparkes bewegt sich mit seinen Cartoon-Szenarios zwischen Realität und Illusion, zwischen Populärkultur und pseudowissenschaftlicher Untersuchung. In seinen Bildwelten wird alles zerlegt, gedehnt, getrennt, und im selben Moment wieder zu einer Einheit verbunden. Ob Landschaften, ein Gesicht oder ein Tier – von jedem Motiv, das er auf Werbe- und Plakatwänden findet, wird eine Schicht abgetragen und eine neue Ebene freigelegt. Mit dieser Technik ist Sparkes bereits seit den frühen 2000er Jahren aktiv und gehört zu den wichtigsten Repräsentanten der britischen Street Art Szene.

www.danielsparkes.com

OZ

* 1950 in Heidelberg; † 2014 in Hamburg
Der weltweit bekannte Sprayer OZ gilt als einer der Pioniere der deutschen Graffiti-Szene. Bereits 1977 begann er auf den Straßen von Hamburg mit Schrift, Zeichen und bunten Wandmalereien die grauen Fassaden zu bearbeiten. Bis zu seinem tragischen Tod im Jahr 2014, als er beim Sprayen von einer S-Bahn erfasst wurde, konnte sein typischer Namens-Schriftzug OZ etwa 120.000 Mal in Hamburg gezählt werden. Mehrfach wurde OZ wegen seiner unerlaubten Graffiti vor Gericht gestellt und einige Male zu Haft- und Geldstrafen verurteilt. Nicht zuletzt durch seine Arbeiten, die in Hamburg allgegenwärtig und mittlerweile fast zu städtischen Maskottchen geworden sind, wurde eine Debatte darüber ausgelöst, ob Graffiti als Kunst oder Sachbeschädigung zu werten sei. Nach seinem Tod gab eine Petition den Anstoß, einige seiner Werke offiziell als Kunstwerke anzuerkennen und zu erhalten, was bei der Hamburger Kulturbehörde Unterstützung fand. In der Graffiti-Szene trifft diese Entwicklung wiederum auf ambivalente Haltungen, da nach Ansicht einiger Verfechter die Illegalität zum Wesensmerkmal der Street Art gehöre. 
Die Konzeption und Zusammenstellung der gezeigten Werke und Fotos von OZ hat der Hamburger Verleger und Künstler Lars Klingenberg übernommen.

Boris Tellegen

Mit seinem Pseudonym Delta wurde der niederländische Künstler Boris Tellegen in den 80er Jahren in den Straßen von Amsterdam bekannt. Durch die plastische Darstellung seiner Graffiti-Buchstaben avancierte er zum Pionier des 3D-Graffiti. Im Laufe seiner Karriere löste er sich von den Buchstaben und entwickelte einen eigenen, geometrischen Stil, der auch in plastische Objekten und raumgreifenden Installationen Anwendung findet. Mittlerweile wird Tellegen auch offiziell mit der Gestaltung von Häuserfassaden und anderen Architekturprojekten beauftragt. Trotzdem kehrt er von Zeit zu Zeit zu seinen künstlerischen Wurzeln zurück auf die Straße und arbeitet dort mit Graffiti-Buchstaben.

Gigo Propaganda

*1979 Mostar, Bosnien-Herzegovina
Die Graffiti von Gigo Propaganda zeichnen sich durch ihre besondere Verbindung von Schrift und Bild aus. Seine Murals, die großflächigen Wandgestaltungen, zählen zu den provokativsten und stilistisch originellsten des Ruhrgebietes. Aufgewachsen im damaligen Jugoslawien, bis die Familie vor dem Krieg floh, lebt und arbeitet Gigo Propaganda heute in Essen, wo er der Graffiti-Szene – zu Beginn noch unter einem anderen Namen – neue Impulse verpasste. Zum Missfallen manches Graffiti-Traditionalisten überarbeitet Gigo Propaganda mitunter bestehende Werke anderer Künstler und verleibt sie sich auf diese Weise ein. 

Il-Jin Atem Choi

Il-Jin Atem Choi ist sowohl als Künstler wie auch in der Graffiti-Szene aktiv. Als Jugendlicher begann er, sich mit seinem Künstlernamen „Atem“ auf den Wänden und Fassaden seiner Heimatstadt im Ruhrgebiet zu verewigen; heute studiert er an der Frankfurter Städelschule Bildende Kunst bei Tobias Rehberger. Sein Interesse liegt vor allem im gestalterischen Potential der Zeichnung. Ausgehend von einer Linie untersucht Il-Jin Atem Choi die Frage, wie diese zu Mustern und Motiven wird, Bewegung darstellen oder sogar Raum definieren kann. 

Just/Boris Niehaus

*1982
Lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland
Der Fotograf Boris Niehaus ist unter seinem Pseudonym „Just“ nicht nur künstlerischer Komplize, sondern auch dokumentierender Begleiter der Graffiti-Bewegung. Er folgt den illegalen Malern in die Abstellanlagen der U-Bahntunnel und unternimmt gemeinsam mit ihnen schwindelerregende Ausflüge auf die Dächer der Stadt, von wo aus die Graffiti-Künstler kopfüber per Teleskop-Roller ihre Bilder und Schrift an die Wände setzen.  Mitunter begleitet er die Künstler auch in ihre Studios und dokumentiert ihre Ausstellungen und andere künstlerische Projekte. In der Arbeit von Boris Niehaus verbinden sich journalistische Erfahrung und Kennerschaft der künstlerischen Praxis,  sodass seine Fotografien zwar die nötige dokumentarische Distanz, aber auch Empathie für das Medium aufweisen.

http://1just.de/

Moses & Taps™

MOSES, *1983 in Hamburg
TAPS, *1982 in Dortmund
Die Graffiti-Writer MOSES und TAPS treten seit 2007 als Duo in Erscheinung. Ihre ungenehmigte Malerei platzieren die beiden langjährig aktiven Sprayer vorwiegend auf Nahverkehrszügen. Zur Marke Moses & Taps™ stilisiert und als „(International) Topsprayer“ unterwegs, verweist das Künstlerkollektiv humorvoll auf Vermarktungsstrategien und die Kommerzialisierung des Genres. Das Duo machte vor allem durch seine neuartigen Konzept-Graffiti und durch ungewöhnliche Interventionen auf sich aufmerksam: So malten sie beispielsweise eine täuschend echte Tür auf einen Zugwaggon und machten die tatsächliche Tür im Gegenzug unkenntlich. In Hamburg vermauerten die beiden gar die Tür einer S-Bahn und landeten damit prompt in den Medien, die sie im Übrigen geschickt zu instrumentalisieren wissen. 

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Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
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