Tony Cragg – Signs of Life 23. Mai – 5. Oktober 2003
Tony Cragg zeigt ab dem 23. Mai 20 große
Skulpturen auf dem Dachgarten der Kunst- und Ausstellungshalle. Mit
dieser Präsentation wird eine Bilanz aus dreißig Jahren
bildhauerischer Tätigkeit gezogen, die Craggs Rang nachdrücklich
unterstreicht. Sein bildhauerisches Werk ist äußerst vielseitig
und lässt sich weder auf ein „Signaturmaterial“ noch
auf einen „Signaturstil“ beschränken. Die Kontinuität
und Gültigkeit seines Werkes verdankt sich grundlegenden Fragen
zum Verhältnis von Körper, Materie und Objekt, mit denen
sich Tony Cragg seit Jahren kontinuierlich auseinandersetzt.
Seine Skulpturen faszinieren
durch ihre Zugänglichkeit und Lebendigkeit, niemals sind sie
statisch. Indem sie mit vertrauten Formen und Gegenständen operieren,
sind sie auf den ersten Blick zugänglich. Sie vermitteln jedoch
niemals eine einzige Sichtweise oder ein einziges gültiges Bild,
sondern sie wachsen im Prozess der Anschauung zu komplexen Phänomenen,
deren Wirkungen unterschiedliche Ebenen unseres Verständnisses
berühren.
Wie in seinen jüngsten Säulen
aus der Serie der Rational Beings Gesichter im Wahrnehmungsprozess
erscheinen und wieder verschwinden, so tauchen in den Early Forms
Gefäßformen auf, die in eine Bewegung versetzt wurden,
dank derer sie umgeformt wurden oder zur Gänze verschwinden.
Oberflächen haben bei Cragg eine ambivalente Funktion –
sie können die Materialität einer Skulptur genauso verstärken
wie sie sie auflösen. Folglich changieren seine Skulpturen zwischen
Illusionismus und konkreter Realität. Nichts ist sicher. Das
Wesen von Tony Craggs Skulpturen ist der Wandel. Entstehung und Wahrnehmung
sind prozesshaft, und als solche sind sie lebendige Vorgänge.
Vor allem deshalb sind die Skulpturen von Tony Cragg „Zeichen
des Lebens.“
Diese Lebendigkeit der
Skulpturen Craggs ist für jeden Betrachter unmittelbar zu erleben.
Indem sie mit Bildern arbeiten, stellt sich ein Bezug zum Menschen
her, der gegenstandslosen Skulpturen zumeist fehlt und viele abstrakte
Skulpturen im öffentlichen Raum zu bloßer Stadtmöblierung
verkommen ließ. Craggs Skulpturen beziehen sich unmittelbar
auf menschliche Erfahrungen, an denen jeder teilhaben kann und deren
Erkenntnis Spaß macht. Sie lassen niemanden unberührt.
Die Skulpturen
von Tony Cragg stehen dem Betrachter mit einer Selbstverständlichkeit
gegenüber, die es erstaunlich scheinen lässt, dass diese
Lösungen nicht schon früher gefunden wurden. Bei aller Komplexität
ist die Wirkung einer Skulptur von Tony Cragg zunächst sehr direkt
– sie kann sich über ein vertrautes, attraktives Material
ebenso erschließen wie über ein bekanntes Bild oder Motiv,
das in der Skulptur als neu Gesehenes und Verändertes anschaulich
wird. Die Präzision seiner Skulpturen erschließt sich über
die nachvollziehbare Machart – der Betrachter kann erkennen,
wie eine Skulptur aus Schichtungen gesammelten Materials zusammengefügt
wurde, wie ein Bild in der Skulptur erscheinen oder verschwinden kann.
Er kann ein direktes Verhältnis zum Maßstab einer Skulptur
finden, Verkleinerung oder Vergrößerung erleben und sich
selbst ins Verhältnis zur Skulptur setzen. Die zwanzig großen
Skulpturen auf dem Dachgarten der Kunst- und Ausstellungshalle veranschaulichen
die ganze Vielseitigkeit von Craggs bildhauerischem Werk.
Die Präsentation
auf dem Dachgarten wird durch eine Auswahl von Papierarbeiten und
kleinformatigen Skulpturen im Zentralkabinett der Kunst- und Ausstellungshalle
ergänzt, die einen Einblick in die Entstehungsweise der Arbeiten
von Tony Cragg eröffnen.
Parallel zur Ausstellung erscheint im Richter Verlag Düsseldorf
eine umfangreiche Monographie mit ca. 500 Abbildungen und zahlreichen
Aufsätzen seit 1981, die das Werk des Künstlers und seine
Entwicklung in 8 Abschnitten schlüssig dokumentieren.
Links
Tony
Cragg Auszug aus der Künstlerdatenbank
des Institutes für Auslands-
beziehungen e.V.
Porträt
Tony Cragg Dokumentation des WDR-Fernsehens
in der Reihe "Nachtkultur"