Die Zeit der Orden 1200 – 1500
Das 12. Jahrhundert war in Europa eine Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher,
gesellschaftlicher und religiöser Umbrüche. Das bisherige Nebeneinander
relativ frei geregelter monastischer Lebensformen wurde abgelöst von neuen,
hierarchisch organisierten Orden. Innerhalb dieses Wandels traten nun auch Frauen
verstärkt in Erscheinung.
Im 12. und 13. Jahrhundert kam es daher zur Gründung zahlreicher Frauenklöster,
die sich teilweise an bestehende Männerkonvente, insbesondere die der Benediktiner
und Zisterzienser, anlehnten. In den Städten fanden die in selbstgewählter
Armut lebenden und dem Gebot aktiver Nächstenliebe folgenden Bettelorden,
in erster Linie Franziskaner und Dominikaner, auch seitens der weiblichen Bevölkerung
großen Zulauf.
Zum spätmittelalterlichen Spektrum religiöser Frauengemeinschaften
zählten neben den Benediktinerinnen, Zisterzienserinnen, Augustiner-Chorfrauen,
Karmelitinnen, Dominikanerinnen und Klarissen auch kleinere Gruppierungen wie
die Reuerinnen, nach ihrer Schutzpatronin auch Magdalenerinnen oder –
nach ihrer Tracht – Weißfrauen genannt. Die große Mystikerin
Birgitta von Schweden (1302/1303–1373) rief nach dem Modell der Doppelklöster
die nach ihr so bezeichneten Birgittinnen und Birgittiner ins Leben.
Männer und Frauen, die nicht in ein Kloster eintreten und dennoch mildtätig
wirken wollten, schlossen sich vor allem in Italien zum so genannten Dritten
Orden zusammen. In Nordwest- und Mitteleuropa fanden die Tertiarinnen und Tertiaren
ihr Pendant in der – in erste Linie weiblichen – Laienbewegung der
Beginen. Diese legten kein Gelübde ab, lebten nicht in Klausur, waren jedoch
im Umfeld der Klöster tätig, pflegten und versorgten Arme, Alte und
Kranke und übernahmen die Bestattung der Toten. Hinzu kamen schließlich
vielfach adelige Frauenstifte, deren Mitglieder ebenfalls nicht an Klausur und
Gelübde gebunden waren, jedoch an einem gemeinsamen religiösen Leben
festhielten.
Der Eintritt in ein Kloster oder der Anschluss an eine religiöse Gemeinschaft
bot Frauen im Spätmittelalter spirituelle und geistige Freiräume und,
mit der Übernahme von Klosterämtern, gewisse »Aufstiegschancen«.
Grundsätzlich teilten die Nonnen jedoch den Status ihrer weltlichen Geschlechtsgenossinnen,
die in der Regel männlicher Obhut und Herrschaft unterstellt waren.