Die Zellen: Alltag, Andacht und Vision
Die Klosterzelle ist eine Neuerung des späten Mittelalters. Ursprünglich und idealerweise sollten Mönche wie Nonnen gemeinsame Dormitorien (Schlafsäle) benutzen. Eine eigene Zelle stand in Konflikt mit der traditionellen Vorstellung von der klösterlichen »vita communis«, dem Leben in der Gemeinschaft. Doch gerade indem die Zelle individuellen Rückzug und ein gewisses »Privatleben« ermöglichte, gewährte sie den Klosterfrauen Momente einer verstärkten Kontemplation und inneren Einkehr, bis hin zu visionären Erlebnissen. In ihren Zellen bewahrten die Nonnen oftmals private Andachtsbilder auf. Bei den Zeichnungen, Drucken, Kleinplastiken oder Papierreliefs handelte es sich häufig um Reproduktionen von monumentalen Werken, die der ganzen Gemeinschaft zugänglich waren und die man auch außerhalb der Gottesdienste und Gebetszeiten nicht missen wollte. Diese kleinen Bildwerke unterschiedlichster Art und Qualität stellten die Frauen oft selbst her, wie sie auch Gegenständen verzierten, die sie als Geschenke erhalten hatten. Christkindfiguren mit zugehörigen Kleidchen und Umhängen, manche von ihnen mit Wiegen, waren als Objekte der persönlichen Betrachtung besonders beliebt.