Kapitelsaal und Refektorium: Unterweisung und Fürbitte
Der zumeist im Ostflügel der Klosteranlage gelegene Kapitelsaal übernahm verschiedene wichtige Funktionen. Hier fanden die täglichen Zusammenkünften statt, bei denen aus den Ordensregeln und Heiligenviten gelesen und Segenssprüche für die Tagesarbeit ausgegeben wurden. Außerdem wählten die Klosterfrauen hier ihre Äbtissin. Wie der angrenzende Kreuzgang wurde auch der Kapitelsaal häufig für Bestattungen genutzt. Das verstorbene Mitglied der Gemeinschaft konnte sich an diesem durch die Mitschwestern häufig frequentierten Ort der Erlangung seines Seelenheils durch eine Vielzahl von Gebeten gewiss sein. Der Kapitelsaal fungierte gelegentlich auch als Schulstube, in der Grammatik, Gesang und grundlegende theologische Kenntnisse gelehrt wurden. Wenn der Raum beheizbar war, konnten hier auch alle Arten von Schreib- und Handarbeiten verrichtet werden. Auch Bußriten wurden im Kapitelsaal durchgeführt, z.B. Geißelungen, die von der Äbtissin und den »circatrices« (wörtlich: diejenigen, die zirkulierten, um Regelverstöße zu ahnden) überwacht wurden. Alle genannten Tätigkeiten konnten sich auch im Refektorium, dem zumeist beheizbaren Speisesaal im Südflügel des Kreuzgangs, abspielen. Die Funktionen von Kreuzgang, Kapitelsaal und Refektorium waren eng miteinander verwandt und bis zu einem gewissen Grad austauschbar.