Gästehaus und Abtei: Die Öffnung zur Welt
Trotz der grundsätzlichen Abgeschlossenheit des klösterlichen Lebens gab es für die Nonnen vielfältige Berührungspunkte mit der Außenwelt. Diese Kontakte fanden in bestimmten Räumlichkeiten (der »Äußeren Kirche«, der Klosterpforte, der Abtei und dem Gästehaus) oder zu bestimmten Gelegenheiten und Anlässen (Klosterverwaltung, Feste) statt. Nicht zuletzt waren Kunstwerke ein wichtiges Medium des Austausches mit der Welt außerhalb der Klostermauern. Die im Westen der Klosteranlage, in der Nähe von Pforte und Abtei gelegenen Gästehäuser boten Platz für weltliche und geistliche Besucher, die von der Äbtissin empfangen wurden. Hier wurden auch die Familien der Klosterfrauen untergebracht, die trotz anderslautender Vorschriften nicht bereit waren, die Verbindung zu ihrer weiblichen Verwandtschaft aufzugeben. Der Eintritt eines Mädchens oder einer jungen Frau in einen Konvent war oftmals mit einem Fest – einer Hochzeit im Sinne der geistlichen Vermählung mit dem himmlischen Bräutigam Christus – verbunden, bei dem auch die Angehörigen anwesend waren. Bei solchen Anlässen gelangten kostbare Teppiche und Textilien, Gegenstände aus seltenen Materialien wie Alabaster, Elfenbein oder Perlmutt, Goldschmiedearbeiten oder gar profane Schmuckstücke in den Besitz der Klosterfrauen. Sie dienten der Zierde der gemeinschaftlich genutzten Räume oder konnten zu privaten Andachtsobjekten »umgewidmet« werden.