Das »Werkhus«: Leserinnen, Schreiberinnen, Künstlerinnen

Buchbesitz, Buchnutzung und Buchherstellung waren in Frauenkonventen von zentraler Bedeutung. Die Schaffung einer kostbaren Handschrift umfasste verschiedenste finanzielle, konzeptuelle und manuelle Tätigkeiten und war Teil des klösterlichen Gotteslobes. Alle Frauenkonvente benötigten einen Grundstock an Handschriften zum Vollzug des Gottesdienstes, eine kleine Handbibliothek mit biblischen und erbaulichen Texten sowie Psalter und Gebetbücher, die oft sogar im Besitz einzelner Schwestern waren und manchmal schon beim Eintritt mitgebracht wurden. Handschriften gelangten als Geschenke ins Kloster, sie wurden auswärts in Auftrag gegeben, im eigenen Skriptorium (Schreibstube) produziert oder in verschiedenen Formen der Zusammenarbeit mit auswärtigen Künstlern hergestellt. Eine ebenso wichtige Rolle spielte die Textilproduktion: Weißstickereien, gewebte und gestickte Wandbehänge und Banklaken wurden für den Eigenbedarf hergestellt und waren auch für den Verkauf bestimmt. Die Textilien entstanden zumeist als Gemeinschaftsarbeiten mehrerer Klosterschwestern. Die komplexen Bildprogramme der Textilien belegen das Selbstbewusstsein und den teilweise sehr hohen Bildungsgrad der Frauen. Vorbild für die Klosterschwestern war die Gottesmutter Maria, die der Überlieferung nach als Tempeljungfrau am Webstuhl oder Stickrahmen tätig war und in idealer Weise intensive Frömmigkeit mit handwerklicher Arbeit verband.

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