Der Nonnenchor: Die »Innere Kirche«

In allen Klosterkirchen, sowohl von Männer- als auch von Frauengemeinschaften, wurde ein Bereich für die Feier des Stundengebetes der Konventsmitglieder abgegrenzt. Da die Nonnen von der Messfeier am Hauptaltar ausgeschlossen waren, existierte in Frauenklöstern ein als »Nonnenchor« bezeichneter Raum, der zur Klausur gehörte und allein den Klosterschwestern zugänglich war. Auch ein Priester hatte nur ausnahmsweise Zutritt. Hier wurde gesungen und meditiert, die Weihnachts- und Osterliturgie, aber auch die Festtage der Ordensheiligen und Altarpatrone begangen. Durch Vorhänge, Schranken oder Gitter war der Nonnenchor von der »Äußeren Kirche« abgeschirmt. Frauen blieben hohe kirchliche Ämter verwehrt, sie waren bei der Profess (der Aufnahme ins Kloster), der Weihe, der Kommunion, der Beichte, bei Prozessionen und natürlich bei den Sterberiten auf die Betreuung durch den männlichen Klerus angewiesen. Angesichts dieser liturgischen Erfordernisse war die Architektur und Ausstattung von Nonnenchören komplex und vielfältig. In den deutschsprachigen Gebieten befand sich im Spätmittelalter der Nonnenchor häufig auf einer Empore im Westen des Kirchenschiffes. Er konnte aber auch im Osten der Kirche liegen, zuweilen auch im Mittelschiff oder in einem Querhausarm. Vom Nonnenchor des 1868 aufgehobenen Dominikanerinnenkloster St. Katharinenthal in der Nordostschweiz hat sich ein Großteil der herausragenden mittelalterlichen Ausstattung erhalten, wenn auch auf Museen in der ganzen Welt zerstreut. Einige dieser Stücke können für die Dauer der Ausstellung erstmals wiedervereint werden.

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