Die Sakristei und Schatzkammer: Irdische und himmlische Schätze
Sakristei und Schatzkammer enthielten die kostbarsten materiellen
Besitztümer eines Frauenkonvents: neben den Gerätschaften für
die Messfeier – Kelch, Patene (Hostienteller) und Messkännchen –
auch die priesterlichen Gewänder sowie zahlreiche aufwendig geschmückte
Behältnissen mit den Reliquien der Heiligen. Der Reichtum und die Pracht
des Klosterschatzes konnten durchaus in Widerspruch zum Armutsideal einer Ordensgemeinschaft
stehen.
Die Klostervorsteherinnen, Äbtissinnen und Priorinnen, übernahmen
eine zentrale Rolle bei der Ausstattung ihrer Häuser mit liturgischen Geräten.
Die Anschaffung und Behandlung der so genannten heiligen Gefäße (»vasa
sacra«) wurde genau dokumentiert und geregelt. Gegenüber den sie
betreuenden männlichen Geistlichen bestanden die Nonnen häufig darauf,
selbst die Aufsicht über Sakristei und Schatzkammer zu führen –
eine Pflicht, die der Sakristanin oder Küsterin zufiel. Aus diesem Grund
lag die Sakristei, in ihrer Funktion als Vorbereitungsraum für das Hochamt,
abweichend von den Männerkonventen häufig innerhalb der Klausur.