Juergen Teller

Enjoy Your Life!

20. April bis 3. Juli 2017 im Martin-Gropius-Bau, Berlin

Juergen Teller zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart, und seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien, werden in Büchern, Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Ab 1986 in London lebend, begann er dort für Musik-, Zeitgeist- und Modemagazine zu fotografieren und wurde 1991 bekannt, als er die Band Nirvana fotografierte und seine Fotos von Kurt Cobain veröffentlicht wurden.
Juergen Tellers Arbeiten bewegen sich seitdem permanent an der Schnittstelle zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie, und sein Stilmittel ist das Porträt: In den Bereichen Musik, Fashion, VIPs, Alltag und Landschaft gelingt es ihm, mit einem sehr eigenen Gespür für Personen, Situationen, Milieus und Klischees unmittelbare, manchmal scheinbar einfache Bildkompositionen zu schaffen. Sie vermitteln eine gewisse Beiläufigkeit, die sich aber bei näherer Betrachtung als ausgewogene Bildkomposition und bewusste künstlerische Konzeption erweist. 

«Was mich letztlich einzig und allein interessiert, ist die Interaktion zwischen zwei Menschen. Einer von denen bin ich, der Fotograf. Und wenn mich diese Begegnungen berühren, dann ist es gut.»Juergen Teller

Gezielte Brüche von Sehgewohnheiten und Erwartungen sind einigen Arbeiten implizit und idealisierende, schönende oder verklärende Bildstrategien liegen ihm fern. Seine Bilder scheinen an die Substanz des Motivs zu reichen und die Visualisierung einer nicht perfekten Schönheit steht im Vordergrund.

In bewusster Distanz zum immerwährenden Glamour im Bereich Mode- und People-Fotografie hat Juergen Teller eine exponierte Stellung: In Modekampagnen für namhafte Label versetzt er Schauspieler, Supermodels, Popstars oder andere Prominente in neue, oft irritierende visuelle Zusammenhänge, gestattet ihnen ihre Individualität zu zeigen, und enthebt damit die Darstellung dem gängigen Abbildungskodex. Die Abgebildeten werden gewissermaßen entmystifiziert, indem Teller private, intime Momente scheinbar am Rande des öffentlichen Geschehens festhält.
Dieses künstlerische Prinzip überträgt er auch auf die nicht kommerziellen Arbeiten; die bildnerischen Ergebnisse sind – heute mehr denn je – verblüffend, unerwartet, Klischees verneinend, intim, scheinbar grenzüberschreitend und distanzlos, aber nie bloßstellend, da große Empathie und Sensibilität seine Gradmesser sind.
Manche Werkgruppen sind stark autobiografisch geprägt, wie Irene im Wald, 2012 oder Bilder und Texte, 2011 (eine Kombination aus Fotos und eigenen Texten) und zeigen als subjektive Dokumentationen die Auseinandersetzung mit seiner Jugend und Heimat – sie sind direkt, ehrlich, manchmal humorvoll und immer berührend. Seine Familie und seine Mutter Irene spielen dabei eine große Rolle, sie bilden die Basis, von der aus er agieren kann, und in der Überkreuzung von kommerzieller und nicht kommerzieller Fotografie. Mit großer Selbstverständlichkeit vereint Teller zudem Dinge/Motive, die scheinbar nicht zusammengehören. So gibt es Aufnahmen von Modellen im heimatlichen Haus oder von Tante Gisela und Catherine Deneuve, die in Paris gemeinsam vor der Tür eine Zigarette rauchen.
Aber auch ungeschönte Selbstinszenierungen wie in The Clinic, 2015 gehören zum Konzept des Fotografen; er gibt viel von sich preis, öffnet den Blick auf seine privatesten Momente und zeigt seine Kinder, die Ehefrau, seine Mutter und sich selbst – nackt, auf dem Grab seines Vaters oder nackt auf einem Esel.
Juergen Teller verlangt seinen Modellen einiges ab, fordert die Bereitschaft zum Unverfälschten und Ungeschönten, so, wie sein unermüdlicher, ehrlicher, neugieriger, offener und unverstellter Blick auf das Motiv auch beim Betrachter Toleranz und Neugier voraussetzt – er selbst gibt sich dem Prozess gleichermaßen hin. Er agiert wie ein Regisseur mit seiner Kamera, mit dem Set, den Requisiten und vor allem den Protagonisten seiner Bilder. So ist nachzuvollziehen, dass auch andere Personen den Auslöser der Kamera betätigen, wenn er selbst zum Modell seiner Inszenierungen wird. Damit integriert er in seine Bildidee einen Perspektivwechsel, einen weiteren Blick, den des Betrachters, und erlaubt eine direkte Teilhabe am ‚Spiel‘ des Künstlers – er macht uns zu Verbündeten.
Die große Anziehungskraft seiner Aufnahmen und seiner großartigen Kombinationen mehrerer Motive liegt in der direkten Ansprache des Betrachters: ohne Schnörkel, schonungslos, offen, humorvoll, mit Augenzwinkern und manchmal grenzüberschreitend spiegeln die Bilder eine Intensität, der man sich nicht entziehen kann – sie betreffen uns ganz direkt.

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