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Buchungscode: ARTBNJ SP 01
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem
Staatlichen kulturhistorischen Museum „Moskauer Kreml“
und mit freundlicher Unterstützung von:
Kulturen im Dialog. Deutsch-Russische Kulturbegegnungen 2003/2004
„Über Moskau geht nur der Kreml, und über dem Kreml
ist nur noch Gott“, wusste der Volksmund früher zu berichten.
In seiner Doppelfunktion als Zentrum der politischen und religiösen
Macht wurde der Moskauer Kreml von den Russen stets als identitätsstiftender
Mittelpunkt des Reiches empfunden und als solcher auch weit über
die Staatsgrenzen hinaus wahrgenommen. Bewundert und gefürchtet,
konnte sich der Kreml in seiner bald 800-jährigen wechselvollen
Geschichte zum Symbol des russischen Staatswesens, des orthodoxen
Glaubens und der russischen Kultur entwickeln.
Dem vielschichtigen Mythos Kreml näher zu kommen, ihn aus der
heutigen Perspektive zu betrachten und in einen breiteren kulturellen
Kontext zu stellen, dazu soll diese Ausstellung beitragen.
Vor dem Hintergrund markanter Ereignisse
aus der russischen Geschichte und mit dieser auf das Engste verwoben,
werden dem Besucher Höhepunkte der kulturellen Entwicklung rund
um den Moskauer Kreml vom 12. bis zum 19. Jahrhundert vor Augen geführt,
darunter die Entstehung dieses einzigartigen Architekturensembles,
das Kunstschaffen der berühmten Kreml-Werkstätten und die
Herausbildung einer eigenständigen Ästhetik innerhalb der
russisch-orthodoxen Sakralkunst.
Im ausgehenden 12. Jahrhundert
begann der unaufhaltsame Aufstieg Moskaus von einem bescheidenen Marktflecken
im russischen Nordosten zum machtbewussten Zentrum „der gesamten
Rus“. Der im 15. und 16. Jahrhundert unter der Mitwirkung italienischer
Renaissancearchitekten umgestaltete Kreml bot den dort residierenden
Großfürsten und Metropoliten einen würdigen Rahmen
für ihre Herrschaft.
Die Krönung Iwans
IV. des Schrecklichen zum Zaren 1547 drückte ein neues Selbstverständnis
des Moskauer Staates aus: Er trat jetzt als legitimer Erbe des byzantinischen
Kaisertums – als das „Dritte Rom“ – in Erscheinung
und schickte sich an, seine Großmachtträume zu verwirklichen.
Damit rückte Moskau wieder zunehmend ins Blickfeld der internationalen
Politik- und Handelsinteressen: Kostbare Geschenke der Könige
von England, Schweden oder Polen, des türkischen Sultans wie
des persischen Schahs zeugen von intensiven Bemühungen um die
Gunst der Kreml-Fürsten.
Mit einem prachtvollen Feuerwerk zum Jahreswechsel
1699/1700 ließ Peter I. in Moskau den Eintritt Russlands in
ein neues Zeitalter feiern. Die Einführung des Julianischen Kalenders
sollte das beispiellose Reformwerk des Herrschers einleiten. Den imperialen
Ansprüchen seines Reiches entsprach er schließlich mit
der eigenen Krönung zum Kaiser 1721 in der Moskauer Himmelfahrts-Kathedrale
(sie blieb bis zum Ende der Monarchie 1917 die Krönungskirche
der russischen Herrscher). Es war der Tag seines größten
Triumphes. Ein anderer Kaiser, Napoleon I., erlebte hier 1812 seine
bitterste Stunde, als er von der Terrasse des verlassenen Kreml auf
das menschenleere, brennende Moskau herabblicken musste.
Zu sehen sind gut 300 hochkarätige
Werke aus den Bereichen Ikonen- und Porträtmalerei, liturgische
Geräte, Geschmeide und Textilien, Rüstungen und Waffen,
Bücher und historische Karten sowie kostbare Geschenke ausländischer
Gesandtschaften an die Zaren. Sie sollen die Bedeutung Russlands innerhalb
der europäischen Kulturgeschichte, das Schaffen der berühmten
Kreml-Werkstätten und die eigenständige Ästhetik der
russischorthodoxen Kunst dokumentieren.
Aus der
Filmreihe des SWR
'Schätze der Welt - Erben der Menschheit'
Der Mythos Kreml ist gleichzeitig untrennbar
mit seiner eindrucksvollen Architektur verbunden. Hinter den nacheinander
aus Eichenstämmen, weißem Kalkstein und rotem Ziegelmauerwerk
errichteten Schutzmauern ließen die russischen Herrscher und
Kirchenfürsten die Festung stets erweitern und imposante Repräsentationsbauten
errichten. Die wichtigsten Phasen dieser Entwicklung vom frühen
Mittelalter bis in unsere Zeit werden in der Ausstellung mit Hilfe
einer aufwändigen CAD-Rekonstruktion anschaulich gemacht.
Das Ausstellungsprojekt
entsteht in enger Kooperation mit dem Staatlichen kulturhistorischen
Museum „Moskauer Kreml“, aus dessen legendären Sammlungen
die Ausstellung bestückt wird. Einige ergänzende Objekte
aus namhaften russischen und europäischen Museen sollen die Einzigartigkeit
des historischen und kulturellen „Standorts Kreml“ zusätzlich
unterstreichen.
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Katalog mit Abbildungen
aller ausgestellten Objekte sowie mit Textbeiträgen russischer
und deutscher Autoren begleitet. Ein Rahmenprogramm mit Filmen,
Musik- und Literaturdarbietungen wird die Präsentation um zusätzliche
Aspekte bereichern.