Deckelvase
China, Qing-Dynastie
Hartporzellan mit craquelierter Seladonglasur, vergoldete Bronzemontierung

Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts war es den Europäern gelungen, direkte Handelsbeziehungen zum Fernen Osten aufzubauen. Im 17. Jahrhundert wurden diese vereinzelten Beziehungen in verschiedenen Ost-Indien-Kompanien organisiert, zunächst in niederländischen, dann in englischen, französischen, schwedischen etc. Da die Passage schwierig und kostspielig war, mußte sich der Handel im wesentlichen auf Luxusgüter beschränken: Gewürze, Tee, Lackarbeiten, Porzellan. Letzteres diente als Beiladung zu leichteren Produkten; durch sein Gewicht konnte es als eine Art Ballast verwendet werden, der die Schiffe auf ihrer Rückreise nach Europa stabilisierte. Obwohl Porzellan zerbrechlich war und ein hoher Anteil der Ware bei der Überfahrt zu Bruch ging, sicherte das Prestige, das mit ihm verbunden war, eine so hohe Nachfrage, daß beträchtliche Gewinne erzielt werden konnten.

Die wohlhabenden Schichten in Europa entwickelten in der Tat eine ausgeprägte Vorliebe für chinesisches Porzellan. Das abendländische Steingut, das im Dekor oft von China inspiriert war, konnte mit dem zugleich fragilen und widerstandsfähigen Porzellan, das außerdem durchscheinend war und ideale Bedingungen für die Dekoration bot, nicht wirklich konkurrieren. Die Fürsten sammelten es mit Leidenschaft.

Die blaue Pulverglasur gehört zu den monochromen Dekoren chinesischer Vasen, die vom Anfang bis zur Mitte der Qing-Dynastie (17.-20. Jahrhundert) vorherrschend waren. Das Verfahren gelangte kurz vor der Wende zum 18. Jahrhundert zur Reife und bestand darin, Kobaltpigment mit Hilfe eines Blasrohrs aus Bambus aufzutragen, dessen vorderes Ende mit Gaze bedeckt war. Die ungleichmäßige Verteilung auf der Oberfläche gab dem Fond nach Aufbringung der Glasur und dem Brennen Tiefe und eine schöne Nuancierung.


© Petit Palais. Musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris,
Photo: Pierrain

 
zurück