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GEIST UND GALANTERIE -
MUSÈE DU PETIT PALAIS |
Texte aus der Ausstellung
1. Das Denken und die Wissenschaften -
Die Salons -
Die Salons waren keine Schöpfung des 18. Jahrhunderts. Nach Anfängen
im 16. Jahrhundert gelangten sie im 17. Jahrhundert zu größerer
Verbreitung, vor allem unter Ludwig XIII., als gleichzeitig auch die
Gründung der Akademien erfolgte.
Im übrigen waren an beiden Orten häufig dieselben
Persönlichkeiten aus den Künsten und Wissenschaften
anzutreffen. Dies war auch im 18. Jahrhundert noch der Fall. In der
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts versammelten sich die geistvollsten
Köpfe der Pariser Gesellschaft
in dem berühmten "blauen Zimmer"
der Marquise de Rambouillet. Später versuchte Madame de
Sablé diesen Erfolg zu wiederholen; den geistigen Mittelpunkt
ihres Zirkels bildete La Rochefoucauld,
der dort das erste Mal aus seinen Maximen vortrug. Der Salon
der Mademoiselle de Scudéry ist vor allem durch den
dort gepflegten Manierismus in Sprache
und Lebensgewohnheiten in Erinnerung geblieben. Molière
machte sich über diese Preziositäten in seinen Komödien
lustig. |
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Jean-Michel
Moreau, gen. le Jeune
Die schlafende Philosophie (Madame Greuze)
zum Bild |
Zu Zeiten einer größeren religiösen
Toleranz gab es sogar protestantische Salons,
wie jenen der Madame de Loges, über den Richelieu aufmerksam
wachte. Später im 17. Jahrhundert versammelte der Salon der Madame
de La Fayette eine Reihe von berühmten Gelehrten und Schriftstellern
– Pascal, La Fontaine, Boileau und Racine
verkehrten dort.
Im 18. Jahrhundert wurde der Salon – auch "Bureau d’esprit"
genannt – in Frankreich zur gesellschaftlichen Institution:
In den Salons erwarb man Ruhm und Anerkennung
– und konnte beides verlieren; in den Salons wurden Intrigen
gesponnen, um in die Akademien gewählt zu werden; in den Salons
wurde bestimmt, was Mode war –
außer vielleicht in Kleidungsfragen, wo der Hof in Versailles
noch den Ton angab. In den Pariser Salons wurde über Kunst,
Literatur, Philosophie und Wissenschaft diskutiert; dort wurden
Gedichte, Theaterstücke und Romane
vorgelesen, bevor sie in der Druckfassung erschienen.
Auch physikalische oder chemische Experimente
wurden vor den Gästen durchgeführt. In den Salons
trat allerdings auch so mancher Scharlatan
auf und machte dort Karriere, wie etwa der Magnetiseur Franz Anton
Mesmer, der alchimistische Hochstapler Cagliostro oder der falsche
Graf von Saint-Germain, der sich als Medium bei spiritistischen
Sitzungen zur Verfügung stellte.
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Die Salons waren die Domäne
der Frauen. Während die Männer außer Haus ihren
Verpflichtungen nachgingen – ihre Geschäfte betrieben,
in den Krieg zogen, vor Gericht auftraten –, blieb es den Frauen
überlassen, für den gesellschaftlichen Ruf zu sorgen.
Die französische Gesellschaft des 18. Jahrhunderts stellte ein
Beziehungsgeflecht von Konversations- und Diskussionszirkeln,
von persönlichen Bekanntschaften und Einflussnahmen dar. Ob es
sich um die Gelehrtenwelt der Akademien, den Geheimbund der Freimaurer
oder die mondäne Pariser Salonkultur handelte – alles gehorchte
dem gleichen Prinzip einer eng geknüpften sozialen Beziehungsstruktur.
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Nicolas-Bernard
Lepicie
Die Lektüre
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