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GEIST UND GALANTERIE -
MUSÈE DU PETIT PALAIS |
Texte aus der Ausstellung
3. Exotismus und Orientalismus im 18. Jahrhundert
- Chinamode und Amerika -
Die Verwendung eines Formen- und Ornament-Kanons, auf den sich die
orientalistische Strömung gegründet hatte, war ohne jeden
weiteren Zusammenhang erfolgt. Der Symbolgehalt
der Formen und Ornamente entging den Europäern
vollkommen. Der Erfolg der "drei Freunde des Winters" beispielsweise
- Kiefer, Bambus und Pflaumenbaum -, die in der konfuzianischen Betrachtungsweise
Beständigkeit, Freundschaft und langes Leben verkörpern,
beruhte nur auf der koketten Nebeneinanderstellung
dieser drei Pflanzen. Man nahm auch nicht zur Kenntnis, dass die Figuren
aus Episoden von chinesischen oder japanischen Romanen stammten. Die
Begeisterung für China konnte demnach nur eine auf
rein formale Aspekte beschränkte Modeerscheinung
sein.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
wuchs die Kritik am Bild des Orients.
Charles de Constant schrieb, dass es ein Land sei, wo der Despotismus
alles vermag, und wo die Gesetze keine Bedeutung haben. Auch vom künstlerischen
Standpunkt aus verwarfen die Anhänger des englischen Neopalladianismus
die Chinoiserie. Mrs. Montagu prangerte "jenen grellen und barbarischen
Geschmack" an und ließ sich gleichzeitig ein chinesisches
Zimmer in ihrer Hill-Street-Residenz einrichten.
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China, Qing-Dynastie
Deckelvase
zum
Bild |
In Ermangelung alter Orientkulturen wandte man sich
den zeitgenössischen Gesellschaften der
Wilden Amerikas und Polynesiens zu. Man hielt sie für
reiner und noch unbefleckter als die komplexeren Gesellschaften. Ihr
Vorbild ermöglichte Betrachtungen über die weit zurückliegenden
Ursprünge der Menschheit und über
ihre Fortschritte. Amerika blieb die Zufluchtsstätte der primitiven
Unschuld.
Bougainville entdeckte Tahiti
neu – das neue Kythera – und pries 1771 seine schönen
und friedlichen Bewohner, deren große
Sittenfreiheit einer seit Beginn der Welt bestehenden Reinheit keinerlei
Abbruch tat. Die Konsequenzen, die der Mythos des 'edlen Wilden' für
die Kunst mit sich brachte, waren im Vergleich zu den Auswirkungen
auf die Literatur sehr gering. Bilder, die Franz Post (1612-1680)
und Albert Eeckhout in Holländisch-Brasilien gemalt hatten und
die Ludwig XIV. als Geschenk überreicht wurden, dienten als Anregung
für eine achtteilige Tapisserieserie Tenture
des Indes, die zwischen 1687 und 1730 in der Manufaktur von
Les Gobelins gewebt wurde. François Desportes (1661-1743) restaurierte
zwischen 1737 und 1741 die Kartons mit einigen Änderungen und
so entstand die Serie Tenture des Nouvelles Indes, die bis
nach St. Petersburg kopiert wurde. |
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