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AUSSTELLUNGEN
  GEIST UND GALANTERIE - MUSÈE DU PETIT PALAIS
Texte aus der Ausstellung

3. Exotismus und Orientalismus im 18. Jahrhundert

Das Stichwort 'exotisme' war in der Encyclopédie von Diderot und d'Alembert nicht vorhanden, aber die damit verbundene Vorstellung existierte bereits, seit sich die Menschen auf die Suche nach einer fernen und zwangsläufig besseren Welt begeben hatten. Räumliche Entfernung belebte den Mythos des Goldenen Zeitalters neu.

Sosehr die weit entfernten Welten auch mit Sympathie betrachtet wurden, so stellten sie doch ein recht unwahrscheinliches Universum dar, eine Mischung aus Reiseberichten und Phantasie, eine Welt des Vergnügens und der Sorglosigkeit.

Die exotischen Welten bildeten ein recht undifferenziertes Ganzes mit Anleihen bei allen Kontinenten und Völkern, vor allem bei den Chinesen, Indern, Persern und Türken. Das 18. Jahrhundert vermischte Bilder aus der mittelalterlichen Weltbeschreibung mit den literarischen Phantasien von Defoe und Swift - Robinson Crusoe und Gulliver - und den ersten wirklich wissenschaftlichen Studienreisen.

Einführung zur Ausstellung
Ausstellungsplan



Daniel Foe, gen. Defoe
Das Leben und die Abenteuer [...] von Robinson Crusoe. Band I
zum Bild

Etwa ab 1680 kam in Europa eine neue Vision von der Welt auf. Bis dahin glaubte man im Osten einerseits durch das osmanische Reich und das davon abhängige Khanat der Krim begrenzt zu sein, andererseits durch Russland, von dem man - ebenso wie Voltaire - nicht wusste, ob man es zu Europa rechnen sollte. Um die Jahrhundertwende kamen nach dem Zurückweichen der Türken ein Teil der alten orientalischen Christenheit und die Mehrheit der Donauregionen wieder zum Kontinent zurück. Eine Reihe charakterstarker Herrscherinnen begann nach Peter dem Großen damit, Russland in den Kontext der europäischen Aufklärung einzubinden, die berühmteste unter ihnen, Katharina II., war deutschen Ursprungs. So entstanden ein europäischer Kosmopolitismus und ein wachsendes Interesse an einem Orient, der von nun an weniger bedrohlich war.

Die Welt erschien auf Grund der damaligen Gegebenheiten für Reisen wesentlich gewaltiger. Eine Seereise in den Fernen Osten dauerte durchschnittlich 21 Monate. Für die Durchquerung Europas brauchte man drei bis vier Monate und die Randgebiete wirkten auf den Reisenden bereits exotisch. Nachdem die Eliten lange Zeit im Süden ausgebildet wurden, in Italien und in Spanien, wandten sie sich nun in Richtung England, Niederlande, Deutschland, Frankreich und sogar nach Russland.
Texte aus der Ausstellung
1. Das Denken und die Wissenschaften
2. Die Historie, das Theater und die Fabel
3. Exotismus und Orientalismus im 18. Jh.
  - Anderswo
  - Bildteppiche
  - Chinamode und Amerika
4. Das Naturgefühl im 18. Jh.
5. Die Wiederentdeckung des 18. Jh. im 19. Jh.
6. Das 18. Jh. als Inspirationsquelle für das späte 19. und frühe 20. Jh.

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