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AUSSTELLUNGEN
  GEIST UND GALANTERIE - MUSÈE DU PETIT PALAIS
Texte aus der Ausstellung

4. Das Naturgefühl im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert, heißt es, habe sich erstmals ein wahres Gefühl für die Natur und eine rationale Kenntnis über sie entwickelt. Zu Beginn des Jahrhunderts fand das "Spectacle de la Nature" (Das Schauspiel der Natur) des Abbé Pluche begeisterte Aufnahme beim Publikum, gegen Ende war es die "Histoire naturelle" (Naturgeschichte) von Buffon. In der Literatur verkörperte Jean Jacques Rousseau diese neue Sensibilität. Bei Bernardin de Saint-Pierre spielte die Natur 1788 in dem exotischeren Kontext seines berühmten Romans "Paul und Virginie" die gleiche Rolle. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, daß Rousseau weniger Zeit auf die Beschreibung der Landschaft verwendete, als auf die Gefühle, die sie bei seinen Figuren erweckte.

Einführung zur Ausstellung
Ausstellungsplan



Jean-Honoré Fragonard
Schattige Allee
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Auch der Optimismus bzw. der wohlwollende Blick trug dazu bei, daß das 18. Jahrhundert die Natur zwar entdeckte, aber sich ihrer noch nicht vollständig bemächtigte. Obwohl die dünn besiedelten Berge und Wälder den Menschen auch weiterhin Schrecken einflößten, ging von ihnen nun auch eine gewisse Faszination aus und weckte Gefühle, durch die sich die moralischen Gesetze entdecken ließen, die sie regierten.

Die Kunst scheint sich der Sorge um die Natur erst spät bewußt geworden zu sein; die Landschaft kommt zunächst wesentlich seltener in der Malerei vor als noch im 17. Jahrhundert.

Im Bereich der Innendekoration, die im 18. Jahrhundert ihr Goldenes Zeitalter erlebte, wurde die Darstellung der Natur immer beliebter. Dennoch erfreute sich dieses Genre im Vergleich zur Historien- oder Portraitmalerei einer wesentlich geringeren Wertschätzung, da diese Gattung eher das Gefühl als den Verstand des Betrachters anspricht.

Texte aus der Ausstellung
1. Das Denken und die Wissenschaften
2. Die Historie, das Theater und die Fabel
3. Exotismus und Orientalismus im 18. Jh.
4. Das Naturgefühl im 18. Jh.
5. Die Wiederentdeckung des 18. Jh. im 19. Jh.
6. Das 18. Jh. als Inspirationsquelle für das späte 19. und frühe 20. Jh.
Manufaktur von Beauvais
Die Vogeljagd. Tapisserie Russische Spiele nach J.-B. Le Prince
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Hinzu kam eine Empfindsamkeit, die auf einer emotionalen, wenn man so will vorromantischen Intensität beruhte, bei der es sich laut Diderot um das Erhabene handelte. Das Erhabene manifestierte sich im Wüten einer entfesselten Natur, was mittlerweile von mehreren Malern in Szene gesetzt wurde. Gewitter, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und Feuersbrünste waren feste Bestandteile dieser Bilder.
Simon-Mathurin Lantarat, gen. Lantara
Das Gewitter
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Außerdem entstanden Ansichten antiker Ruinen, bei denen die sichtbaren Spuren der von der Zeit angerichteten Verheerungen etwas völlig anderes bedeuteten als auf den Gemälden eines Poussin oder eines Lorrain, in denen es um die Wiederherstellung der Antike ging. In ihrer ursprünglichen Form galt die Natur auch weiterhin als zu trivial, als daß sie es verdient hätte, von einem Pinsel gewürdigt zu werden. Es ging daher vielmehr darum, aus sorgfältig ausgewählten einzelnen Elementen eine ideale Natur zu erschaffen.

Das 18. Jahrhundert war weniger eine Epoche der Landschaftsdarstellung als die Zeit davor und danach. Aus dem 17. Jahrhundert hatte es die Sehnsucht nach einer idealen Natur und einer stillen, doch kraftvoll strahlenden Poesie übernommen. Der Zeit danach vermachte es die Vision einer vom Hell-Dunkel zerrissenen, sich der Sprache der Leidenschaften befleißigenden Natur.

 
Hubert Robert
Antiker Tempel
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