5. Die Wiederentdeckung des 18. Jahrhunderts im
19. Jahrhundert
- Der „Style Goncourt“ -
Wirklich anerkennenswert bei den Brüdern
Goncourt ist die Tatsache, dass sie als erste eine systematische
Publikation über die Werke der wichtigsten Maler des 18.
Jahrhunderts erstellt haben. Die 13 Bände der zwischen 1859 und
1875 veröffentlichten Kunst des 18. Jahrhunderts sind auch heute
noch als seriöse Dokumentation bemerkenswert. Edmond und Jules
Goncourt waren begeisterte Kunstsammler,
aber auch und vor allem Sammler von Quellenmaterial.
Sie werteten Verkaufskataloge aus und recherchierten
in Manuskripten und Archiven. Unter anderem fanden sie die
Taufurkunde von Boucher im Personenstandsregister, sie hatten Zugang
zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Zeit, erwarben selbst alte Schriftstücke
und Manuskripte, die sie in ihren Werken sorgfältig veröffentlichten.
Noch wichtiger aber war es, dass kaum ein Jahrhundert zwischen ihnen
und der Epoche lag, für die sie sich interessierten, und so trugen
sie direkte Erinnerungen der Kinder oder Enkel der Maler und ihrer
Angehörigen zusammen.
Die Brüder Goncourt haben eine sehr eigenartige
Selektion vorgenommen. Man kann nicht sagen, dass das Genre
der Portraits fehlt, da Latour vorhanden ist, aber bei ihm scheint
es sich um die berühmte Ausnahme zu handeln, die die Regel bestätigt.
Bedauerlicherweise fehlen Nattier, Perroneau, Tocqué und Drouais.
Kein Landschaftsmaler ist vertreten
- während Moreau der Ältere in dem Artikel über seinen
Bruder, Moreau den Jüngeren, durchaus erwähnt ist, lobend
sogar, aber in Maßen. Vernet wird ebenso wie Hubert Robert ausgelassen.
Kein Tiermaler, weder Oudry noch Desportes
werden genannt.
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