5. Die Wiederentdeckung des 18. Jahrhunderts im
19. Jahrhundert
- Das 18. Jahrhundert in der Sammlung Dutuit -
Gerechterweise muss man zugeben, dass das französische 18. Jahrhundert
bei den Dutuits in ihrer sonst so vollständigen
Sammlung nur unbedeutend vertreten war.
Die Auswahl der Werke für diese Ausstellung stammt auch aus anderen
Sammlungen, insbesondere aus der Sammlung Tuck,
und zahlreichen weiteren, die seit einem Jahrhundert dazugekommen
sind.
Jedoch sind darunter bedeutende Werke: die ausgewählten Zeichnungen
von Watteau (Kat.Nr.: 39/40), Greuze
(Kat.Nr.: 205), Fragonard (Kat.Nr.:
162/163) und Prud'hon (Kat.Nr.: 210)
sind wichtige Arbeiten. Der enzyklopädische
Denkansatz der Dutuits führte dazu, dass sie von jedem
Künstler lieber ein repräsentatives Werk als mehrere weniger
bedeutende Arbeiten kauften.
Es waren gesicherte Werke: Da ihre finanziellen Mittel es ihnen gestatteten,
kauften die Dutuits bei großen Versteigerungen ein - oft recht
teuer - und hatten so jegliche Garantie hinsichtlich der Authentizität.
Für das 18. Jahrhundert haben sie sich erst ziemlich spät
interessiert, etwa ab 1860. Ihre wichtigsten
Käufe fanden sogar erst gegen Ende
des Jahrhunderts statt: kurz vor Eugènes Tod (1886)
und manche auch danach. Die Zeichnung von Greuze kauften sie 1862;
das Blatt von Watteau 1879 - vielleicht nach der Ausstellung in der
Ecole des Beaux-Arts, wo es zusammen mit der Sammlung Reutter gezeigt
wurde -, die Landschaften von Fragonard erwarben sie 1882 und 1889.
Die Sammlung Dutuit hatte eine weitere Stärke: die Seltenheit
der Werke. Der Kauf der Zeichnungen von Vien für die "Mascarade
de 1748" zusammen mit den dazugehörigen Stichen ging wahrscheinlich
- wenn dies auch noch nicht endgültig bewiesen ist - auf Eugènes
Initiative zurück, denn von den beiden Brüdern war er der
wahre Graphikliebhaber. Diese Zeichnungen waren lange Zeit vollkommen
unbekannt und erregten erst sehr spät (um 1960!) das Interesse
der Spezialisten. Für die Dutuits handelte es sich um eine interessante
Kuriosität, selbst wenn ihr Wissen noch nicht ausreichte, um
die Bedeutung ganz abzuschätzen.
Die Dutuits sammelten wahrscheinlich das französische 18. Jahrhundert
nicht mit all der Leidenschaft der Goncourts, doch sie sammelten
ohne Vorbehalte, über die französische Schule und
über eine einzige Epoche hinaus mit einem enzyklopädischen
und universellen Ehrgeiz, der in seiner Geisteshaltung an einen
der liebenswertesten Charakterzüge des französischen 18.
Jahrhunderts erinnert.
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