|
|
|
  |
 |
 |
| |
GEIST UND GALANTERIE -
MUSÈE DU PETIT PALAIS |
Texte aus der Ausstellung
5. Die Wiederentdeckung des 18. Jahrhunderts im
19. Jahrhundert
Das große Werk der Brüder Edmond (1822 - 1896) und Jules
Goncourt (1830 - 1870), "Die
Kunst des 18. Jahrhunderts", erschien in 13 Bänden
zwischen 1859 und 1875 und stellte die wahrhaftige Wiedergeburt
des Stils des bis dahin verpönten 18. Jahrhunderts dar. Der Legende
nach war die Reaktion auf die Kunst der vorangegangenen Generation
so stark, dass ein Bild wie Watteaus "Einschiffung nach Kythera"
in der Akademie den Schülern als Zielscheibe für Brotkügelchen
diente. Die Urheber dieser Legende sind Edmond und Jules de Goncourt
selbst. An mehreren Stellen in ihrem Werk scheuen sie sich nicht vor
einer karikierenden Übertreibung, um ihre Wiederentdeckung noch
spektakulärer hervorzuheben.
Es ist eine Tatsache, dass die Kunst des 18. Jahrhunderts zur
Zeit des Klassizismus aus der Mode gekommen war, aber ist es
nicht ganz natürlich, dass jede aufstrebende Generation den Ruhm
der vorhergehenden etwas schmälert? Zur Erklärung, warum
das Andenken an die großen Maler des 18. Jahrhunderts aufrechterhalten
wird, sei daran erinnert, dass viele erstrangige Künstler die
Revolution überlebten. Greuze starb
1805, Fragonard 1806, Hubert Robert 1808, Moreau le Jeune 1814 und
Elisabeth Vigée-Lebrun 1842 u.s.w. Fragonard und Robert wurden
von der Verwaltung der Revolution unterstützt
und hatten im Museum Central (im Louvre) eine Stellung als Konservator.
|
 |
 |
Francois
Boucher
Der Tanz des Hündchens
zum
Bild |
Ein wichtiger Aspekt war, dass eine bestimmte Kunstrichtung
des 18. Jahrhunderts, d.h. die Pastoralen und liebenswerten Szenen
des täglichen Lebens, also die von der holländischen Kunst
des 17. Jahrhunderts beeinflussten Genreszenen,
in denen sich Fragonard, Greuze, Lépicié, Moreau, Lavreince
und Baudouïn ausgezeichnet hatten, während der Revolution
erhalten blieben, indem sie sich leicht dem
aktuellen Geschmack anpassten, was im Werk von Boilly, Drolling
oder Marguerite Gérard, der jüngeren, hübschen Schwester
von Fragonard, deutlich wird.
Der Realismus, eine von der Romantik
abgeleitete, 1848 einsetzende Bewegung, rechtfertigte auf eine anscheinend
sehr paradoxe Art und Weise die Vorliebe für die Meister des
18. Jahrhunderts.
Die Tatsache, dass der Realismus erneut die Kunst
des 18. Jahrhunderts anerkannt hat, ist nicht überraschend,
wenn man bedenkt, dass die Brüder Goncourt,
diesmal als Schriftsteller und nicht als Kunsthistoriker, sich ganz
offen der naturalistischen Schule, dem
literarischen Äquivalent des Realismus in der Malerei, angeschlossen
haben. |
 |
|
 |
 |
| |
  |
|