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GEIST UND GALANTERIE -
MUSÈE DU PETIT PALAIS |
Texte aus der Ausstellung
6. Das 18. Jahrhundert als Inspirationsquelle
für das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert
- Georges Deraisme -
Es war das Paris der Feste und der Vergnügungen, des Luxus und
des Raffinements, und es faszinierte die Reichen in der ganzen Welt.
Im Paris des Zweiten Kaiserreichs verliehen
Kaiser Napoleon II. und Kaiserin
Eugénie dem französischen Hof nach der trübseligen
Zeit unter Louis-Philippe neuen Glanz. Der Adel schätzte die
Rückkehr zum Stil des Ancien Régime.
Das Bürgertum schätzte seinerseits den Zugang zu Dingen,
die in Verbindung mit einer Welt standen, die ihm bis dahin verschlossen
geblieben war. Niemand wollte oder konnte einem neuen Stil kreieren.
Die Gesellschaft zehrte von den Rückgriffen auf die Vergangenheit:
Eklektizismus in reinster Form!
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Georges Deraisme
Gürtelschnalle mit floralen Motiven
zum Bild
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In diesem Paris wurde am 24. Mai 1859
Pierre Georges Deraisme geboren. Er
fühlte sich zu einer künstlerischen Laufbahn berufen und
nahm bis 1877 Unterricht bei dem Ziseleur und Goldschmied Eugène
Michaut. 1889 ließ sich Georges Deraisme nieder; sein Ladenschild
wies ihn als Modelleur und Ziseleur aus. In diesen Jahren begann die
Zusammenarbeit zwischen Georges Deraisme
und René Lalique, der in der
Schmuckherstellung neue Wege beschritt.
Für bestimmte Phasen des Herstellungsprozesses nahm René
Lalique externe Werkstätten in Anspruch und so wurde Georges
Deraisme das Ziselieren anvertraut. Georges arbeitete zwar auf Anweisung
Laliques, doch zwischen den beiden Handwerkern kam es auch zum Dialog,
wie Zeichnungen und Fotografien belegen.
Deraisme arbeitete in zwei Bereichen: Accessoires
und Schmuck. Seine ersten weiß, in Gouache auf grauem
Grund gemalten Entwürfe lassen sich dabei in die historisierenden
Strömungen der Zeit einordnen. Der Ziseleur ließ
sich von der Renaissance und dem Rokoko
anregen. Auf die Leidenschaft für das 18. Jahrhundert, die einen
Teil der französischen Gesellschaft erfaßt hatte, reagierte
Georges Deraisme, indem er seinen Zeitgenossen ländliche Szenen
anbot, die unmittelbar von den Malern und Zeichnern der Aufklärung
inspiriert waren.
Aus Laliques Frühwerk sind auch einige Werke erhalten, die dem
Rokoko verpflichtet sind. Es bleibt aber festzuhalten, daß sich
Georges Deraisme in seiner Interpretation des 18. Jahrhunderts vollkommen
von Lalique unterscheidet und in keiner Weise von ihm beeinflusst
war. Nach 1900 erkundete René
Lalique ein neues Feld: das Glas. Er
schuf Flakons für die Parfums von
François Coty. Diese greifbaren Verkörperungen luxuriöser
Düfte waren mit hübschen ziselierten Etiketten in vergoldetem
Metall versehen. So trug auch Deraisme zum Erfolg bei.
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