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GEIST UND GALANTERIE -
MUSÈE DU PETIT PALAIS |
Texte aus der Ausstellung
6. Das 18. Jahrhundert als Inspirationsquelle
für das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert
- Charles Jacqueau -
Charles Jacqueau, 1885 in Paris geboren,
belegte im Jahre 1900 an der Ecole Bernard Palissy Kurse in Porzellanmalerei,
ein erster Kontakt mit der Ästhetik des 18. Jahrhunderts. Im
Studienjahr 1901/02 besuchte er an der Kunstgewerbeschule
die Klasse für Anatomie und Malerei sowie für Ornamentzeichnen.
Die handwerkliche Ausbildung im Zeichnen dekorativer
Elemente weckte bei ihm eine geschärfte Beobachtungsgabe.
Von nun an trug er in seinem Skizzenbuch zusammen, was er finden konnte.
1909 trat er auf Vermittlung eines Freundes bei
Cartier ein, wo er sein ganzes weiteres
Berufsleben bis 1954 verbrachte.
Louis Cartier befaßte sich mit
der Vergangenheit, um etwas vom Raffinement des 18. Jahrhunderts aufzunehmen
und in der Sprache der eigenen Zeit einen klassischen Stil zu schaffen:
den 'Style guirlande', der bis zum Krieg
von 1914 den Hauptteil der Produktion des Hauses ausmachte und ihm
internationale Berühmtheit verlieh. |
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Charles Jacqueau
Osterei als Anhänger
zum Bild
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Jacqueau, der für
Entwürfe kostbarer Gegenstände eingestellt worden
war, arbeitete also Anfang des 20. Jahrhunderts an den 'Urenkeln'
jener hübschen Kleinigkeiten, die unter Louis XV. so begehrt
waren. Bedeutende alte Techniken wurden
wieder aufgenommen und aktualisiert: die Arbeit mit verschiedenen
Goldlegierungen, die Emailkunst, das Hervorheben von Edelsteinen durch
einen Netzüberzug. Die Arbeiten des 24jährigen Künstlers
lassen Seele, Sensibilität und die Liebe zur Perfektion erkennen.
Mit der Einstellung von Charles Jacqueau lernte Louis Cartier den
Mann kennen, mit dem er in seiner Firma die meisten Vorlieben teilen
sollte. Sehr schnell entwickelte sich ihre Beziehung zu einer tiefen
Verbundenheit, die von großem gegenseitigem Respekt geprägt
war. Im Auftrag Louis Cartiers unterbreitete Jacqueau 1911
Vorschläge, die "dem Stil des Hauses
genau entgegengesetzt“ waren. Er verabschiedete sich
von dem "weißen Schmuck mit einigen Farbtupfen", um
eine "große Farbphantasie mit einigen weißen Tupfen"
zu schaffen und reagierte damit auch auf seine Zeit, ein Jahrzehnt,
das die Farben hatte explodieren lassen. Louis Cartier war von den
Entwürfen begeistert, die alle ausgeführt wurden, und bat
Jacqueau, das Zeichenatelier zu leiten und die Herstellung der Gesamtkollektion
zu sichern, in der sich der Stil des Hauses manifestierte.
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