Biografie
Marcus Annius Verus (121–180 n. Chr.) entstammte einer einflussreichen römischen Senatorenfamilie, die mit Kaiser Antoninus Pius verwandt war. Auf den Kaiserthron gelangte Mark Aurel 161 n. Chr. als letzter in der Reihe der so genannten Adoptivkaiser: Kinderlose Herrscher wollten durch die Adoption eines geeigneten Kandidaten ihre Nachfolge regeln. Mit Mark Aurels knapp 19 Jahre währenden Regentschaft ging das so genannte Goldene Zeitalter des Römischen Reiches zu Ende. Im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen mit den Parthern im Osten und den Markomannen im Donauraum (Markomannenkriege 166–180 n. Chr.) verbrachte der Imperator sein letztes Lebensjahrzehnt vorwiegend im Feldlager. Doch seinen Ruhm begründete Mark Aurel nicht als erfolgreicher Feldherr, sondern als Philosoph auf dem Kaiserthron: Mit seinen
Selbstbetrachtungen, einer Sammlung von Aphorismen in Tagebuchform, erwies er sich als der letzte große Vertreter der stoischen Philosophie.
Zum Exponat
Die Büste des Kaisers Marc Aurel wurde in Avenches (Schweiz) entdeckt. Zur Römerzeit war das damalige Aventicum eine blühende Handelsstadt mit einer großen Tempelanlage. Hier stieß man während einer Grabungskampagne im Jahr 1939 auf die goldene Büste des Marc Aurel.
In römischer Kaiserzeit waren Porträtbüsten sehr verbreitet. Doch während die Verwendung von Gold allein den Darstellungen der Götter und der Kaiser sowie ihrer Familienmitglieder vorbehalten war, mussten auch vornehme Bürger mit Silber und vergoldeter Bronze Vorlieb nehmen.
Über die Funktion der Büste wird seit ihrer Auffindung gerätselt: Diente sie als ein so genanntes
imago, d.h. ein Feldzeichen einer Legion, oder hatte sie kultische Funktion? Diese Frage muss vorerst offen bleiben. Unbestritten dagegen ist die historische Leistung des Philosophenkaisers Mark Aurel. Sein Name lebt bis im Gedächtnis der Nachwelt fort, auch wenn er selbst jeglichem Nachruhm mit Skepsis begegnete: “Einst gebräuchliche Worte sind jetzt unverständliche Ausdrücke. So geht es auch mit den Namen ehemals hochgepriesener Männer (...) und in kurzer Zeit wird das auch mit einem Scipio und Cato, nachher mit Augustus und dann mit Hadrian und Antoninus der Fall sein. Alles vergeht und wird bald zum Märchen und sinkt rasch in völlige Vergessenheit...“ (
Selbstbetrachtungen IV, 33)