
ROM UND DIE BARBAREN
Kunstexponat der Woche
Woche 2: 1. - 7.September 2008
Augsburger Siegesaltar
260 n.Chr.
© Kunstsammlungen und Museen Augsburg,
Römisches Museum
Der 1992 bei Bauarbeiten entdeckte Altar ist der Siegesgöttin Victoria geweiht. Die Inschrift auf der Vorderseite überliefert einen römischen Sieg über den germanischen Stamm der Juthungen im Jahr 260 n. Chr. Das Juthungenheer kehrte damals von einem Plünderungszug aus Italien zurück und wurde am Lech vor den Toren der raetischen Hauptstadt Augusta Vindelicum (Augsburg) vernichtend geschlagen. Passend zur Inschrift sind auf den Schmalseiten des Altars der Kriegsgott Mars und die geflügelte Siegesgöttin Victoria, die über einen besiegten Barbaren triumphiert, dargestellt. Mit der Aufstellung und Weihung des Altars erfüllte der raetische Statthalter Marcus Simplicinius Genialis sein zuvor der Siegesgöttin Victoria gegebenes Gelübte.
Auf dem Altar wurden einige Zeilen der Inschrift getilgt. Dort waren ursprünglich der Name des raetischen Statthalters, sein Amtstitel, die Bezeichnung seines Heeres sowie die Namen der beiden Konsuln Postumus Augustus und Honorianus zu lesen. Die Tilgung der Namen war die Folge der so genannten damnatio memoriae, der Auslöschung des Andenkens. Die Provinz Raetia wechselte unter dem Statthalter Marcus Simplicinius Genialis zu dem vom Gegenkaiser Postumus 260 n. Chr. ausgerufenen Gallischen Sonderreich. Nachdem Raetia wieder unter die Herrschaft des eigentlichen Kaisers Gallienus gelangt war, wurden die Namen aller „Abtrünnigen“ gelöscht.
Der Augsburger Siegesaltar ist ein beredtes Zeugnis für die Krisen in der Provinz Raetia, dem „Tor Italiens“, die sich südlich der Donau vom Bodensee bis zum Inn erstreckte: Er belegt sowohl das Durchbrechen der Grenzen und die Plünderungszüge der Juthungen als auch die wechselnden politischen Verhältnisse in der Provinz.

