ROM UND DIE BARBAREN
Kunstexponat der Woche
Woche 5: 22. - 28.September 2008
Prunkfibeln aus dem germanischen Fürstinnengrab in Haßleben
2. Hälfte 3. Jahrhundert
Tutulusfibel
Silber, Goldpressblech, Bernstein |
Grab 8, Haßleben
Kastenschildfibel
Silber, Blattgold, Goldpressblech, Glasseinlagen |
Grab 21, Haßleben
Goldene Zweirollenfibel
Gold, Goldperldraht, Goldgranulation |
Grab 8, Haßleben
© Museum für Ur-und Frühgeschichte Thüringens, Weimar
Hören Sie in Ergänzung zum Text den Beitrag aus unserer
Audioführung (mp3-Datei) zur Ausstellung.
Mit dem Begriff Fibel (lat.
fibula, die Nadel) bezeichnet man Gewandspangen, die nach dem Prinzip moderner Sicherheitsnadeln funktionieren und zum Zusammenhalten von Kleidungsstücken benutzt wurden. Als Trachtzubehör von Frauen und Männern entwickelten sich die Fibeln bereits in der Bronzezeit zur wichtigsten Gattung des persönlichen Schmucks und blieben im europäischen Raum über die römische Zeit hinaus bis ins hohe Mittelalter im Gebrauch. Sie kamen erst mit der allgemeinen Verbreitung des Knopfes im 14. Jahrhundert aus der Mode. Da sich die stilistischen und technischen Merkmale der Fibeln relativ schnell veränderten, stellen die in Gräbern, rituellen Depots und Siedlungen gefundenen Gewandschließen eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Archäologen und Historiker dar. Im letzten Jahrhundert wurden für die meisten europäischen Regionen zuverlässige Fibelchronologien entwickelt, anhand derer Datierungen von Grabkomplexen vorgenommen und die Gruppenzugehörigkeit einzelner Individuen ermittelt werden konnten.
Die sichtbar am Körper getragenen Fibeln (meistens auf den Schultern und auf der Brust) wurden in unterschiedlichen Größen und Materialien hergestellt. Ihre exponierte Tragweise lässt darauf schließen, dass sie über ihre rein praktische Funktion hinaus als gesellschaftliche Statussymbole und als Ausdruck persönlicher Identität galten. Feine Goldschmiedearbeiten aus dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. belegen, dass die germanische Elite dieser Zeit nicht nur exklusive römische Erzeugnisse schätzte und importierte, sondern auch hervorragende einheimische Goldschmiede beschäftigen konnte.
Der gesellschaftliche Rang der germanischen Aristokratie spiegelt sich auch in der Ausstattung ihrer Gräber wider. Das 1913 im thüringischen Haßleben entdeckte so genannte Fürstinnengrab zeigt deutlich, dass die barbarischen Eliten ihren Lebensstandard an dem Niveau der römischen Gesellschaft orientierten. Außer prunkvoller Fibeln trug die Verstorbene ein Kollier aus Glasperlen, goldenen und silbernen Anhängern, römischen Münzen sowie eine Kette aus Bernstein.