Hunnischer Bronzekssel

PlakatROM UND DIE BARBAREN
Kunstexponat der Woche
Woche 6: 29. September - 4. Oktober 2008

Hunnische Bronzekessel

Hunnischer Kessel
5. Jahrhundert n. Chr., Bronze
© Somogy Megyei Múzeumok Igazgatósága, Kaposvár (Ungarn)

Hunnischer Kessel aus dem Höhlengrab Kysyl-Adyr, Orenburg (Russland)
375–450 n. Chr., Bronze
© Staatliche Eremitage, Sankt Petersburg (Russland)

Hören Sie in Ergänzung zum Text den Beitrag aus unserer
Audioführung (mp3-Datei) zur Ausstellung.

Siegesaltar

Der überraschende Einfall der Hunnen, eines nomadischen Reitervolkes aus den asiatischen Steppen, in den nördlichen Schwarzmeerraum im Jahre 375 n. Chr. und die Zerstörung des ostgotischen Reiches im Gebiet der heutigen Ukraine gelten als Auslöser der Völkerwanderung. Die vor den Hunnen flüchtenden Goten baten um Aufnahme ins Römische Reich, andere Völker, wie z. B. Vandalen und Sueben, wanderten in Richtung Westen und weiter nach Afrika. Aufgrund ihrer Ausbreitung und der wechselnden Allianzen wurden die  hunnischen Reiterverbände zu einer unberechenbaren Gefahr für das Römische Reich, das enorme Mengen an Gold an die Hunnen zahlte, um Kriege zu vermeiden.

Hunnischer Bronzekssel

Hunnische Bronzekessel
Die Bronzekessel gehören zu den außergewöhnlichsten kulturellen Zeugnissen der Hunnen. Bisher wurden etwa 30 Kessel bzw. Kesselfragmente gefunden. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Frankreich bis in den Ural und von Polen bis nach Bulgarien und entspricht dem  hunnischen Machtbereich in Asien und Europa. Die Kessel wurden als Einzelfunde entdeckt, man fand sie aber auch in spätrömischen Militärlagern und völkerwanderungszeitlichen Gräbern oder Totenopfern.
Die Kessel wurden in zwei Teilen gegossen und anschließend zusammengeschmiedet. Zu den charakteristischen Verzierungen gehören reliefierte Gefäßwandungen sowie der pilzförmige Henkeldekor. Vorbilder könnten Kessel der Nomaden aus dem innerasiatischen Raum gewesen sein, die in die Jahrhunderte um Christi Geburt datiert werden.
Die Funktion der Hunnenkessel ist bis heute umstritten. In der Forschung werden sie meistens als „Kultgegenstände hunnischer Zeremonien“ bezeichnet. Vielleicht wurden sie im Rahmen von Totenopfern verwendet. Das Totenopfer, bei dem Waffen, Gürtel und Zaumzeug nicht als Beigaben in die Gräber gelegt, sondern in deren Nähe deponiert wurden, gehörte zu den besonderen Ritualen der asiatischen Reiternomaden.