Goldbüste des Kaisers Marc Aurel
PlakatROM UND DIE BARBAREN
Kunstexponat der Woche
Woche 8: 13. - 19. Oktober 2008

Der Helm von Deurne
um 320 n.Chr. | Römischer Helm, Silber, vergoldet
© Rijksmuseum van Oudheden, Leiden/Niederlande

Hören Sie in Ergänzung zum Text den Beitrag aus unserer
Audioführung (mp3-Datei) zur Ausstellung.

Siegesaltar
Römische Kriegspolitik im 3. Jahrhundert n. Chr.
Im 3. Jahrhundert n. Chr. gerieten die Römer an den Grenzen des Imperiums zunehmend in Bedrängnis. Weit abgelegene Gebiete im Osten wurden aus pragmatischen Gründen an die Perser abgetreten, andere nach und nach von den persischen Großkönigen des neu gegründeten Sasanidenreiches erobert. Die nördlichen Grenzen des Imperiums waren durch Einfälle von Franken, Alamannen und Goten bedroht.
Um die römische Vorherrschaft vor allem an Rhein und Donau wieder herzustellen, bedurfte es zu Beginn des 4. Jahrhunderts eines umfassenden Neubefestigungsprogramms unter Kaiser Konstantin dem Großen (reg. 306-337 n. Chr.). Die bereits von Kaiser Diokletian (reg. 284-305 n. Chr.) eingeleiteten Maßnahmen, wie die enorme Aufstockung des Heeres, wurden mit Nachdruck vorangetrieben. Die Legionen unterteilte man in Limitanei, die an den Grenzen stationierten Soldaten, und Comitatenses, die mobilen Truppen im Landesinneren.

Zum Exponat
Der Träger dieses spätrömischen, vergoldeten Silberhelms war kein einfacher Soldat. Eine der beiden Inschriften im Helm weist ihn als Mitglied der » STABLESIA VI«, der 6. Division der equites stablesiani, einer Eliteeinheit der Kavallerie, aus. Spezialeinheiten wie diese wurden oft aus Angehörigen verbündeter Völker (Foederaten) rekrutiert und in das römische Feldheer eingegliedert. Die zweite Inschrift nennt »M.TITVS LVNAMIS LIBRII-L« (Marcus Titus Lunamis) als den Hersteller des Helms und die benötigte Menge Silber (ein Pfund).
Ursprünglich waren die äußeren Platten mit Nieten verbunden und um eine eiserne Schicht im Inneren befestigt. Dieser außergewöhnliche Helmtypus, welcher persische Einflüsse zeigt, wurde unter Kaiser Konstantin eingeführt.
1910 wurde der Helm in der niederländischen Provinz Nordbarant beim Torfstechen entdeckt. Eine Datierung um 319/320 n. Chr. ist deshalb möglich, weil außerdem 39 Münzen aus der Regierungszeit Kaiser Konstantins gefunden wurden. Zudem umfasste der Fund vier Schuhe, einen Sporn, zwei Glocken, die silberne Spitze einer Schwertscheide und eine Fibel. Es stellt sich natürlich die Frage, unter welchen Umständen der Helm in das Moor gelangen und so die Jahrhunderte überdauern konnte. Möglicherweise handelte es sich bei dem Soldaten nicht um einen Römer, sondern um einen Germanen im Offiziersrang, der seine militärische Ausrüstung in einer Art religiösem Brauch, wie er in bei verschiedenen germanischen Stämmen üblich war, zurückgelassen hatte. Nach dem Kriegsdienst von 25 Jahren konnten Foederati mit Steuerfreiheit und der römischen Staatsbürgerschaft rechnen.