Goldbüste des Kaisers Marc Aurel

PlakatROM UND DIE BARBARENKunstexponat der Woche
Woche 9: 20. - 26. Oktober 2008

Die Nekropole von Apahida (Rumänien)
5. Jahrhundert n. Chr. | Bildbeschriftung im Uhrzeigersinn: Adlerförmige Sattelbeschläge, Grab 2 -- Taschenbeschläge, Grab 2 -- Ring mit der Inschrift OMHAR/US, Grab 1 -- Zwiebelknopffibel, Grab 1 -- Gürtelbeschläge, Grab 2
© Muzeul National de Istorie a României, Bukarest

Hören Sie in Ergänzung zum Text die Beiträge aus unserer
Audioführung: Nekropole Apahida (mp3-Datei) und Audioführung: Ring mit Inschrift (mp3-Datei) zur Ausstellung.

Siegesaltar
Im Umkreis des siebenbürgischen Ortes Apahida, der in der Nähe von Cluj (der antiken Stadt Napoca) liegt, wurden mehrere bedeutende Grabkomplexe der Gepiden entdeckt. Der ostgermanische Stamm der Gepiden war nach der Zerschlagung des Hunnenreiches neben den Goten die bestimmende Macht im Karpatenbecken. Nachdem sie die Schlacht am Fluß Nedao gegen die Hunnen gewonnen hatten (454/455), konnten die Gepiden auf die Reichtümer aus den hunnischen Schatzkammern zurückgreifen und die hunnischen Siedlungsgebiete im heutigen Ungarn und Rumänien besetzen. Im Jahr 567 wurden die Gepiden von dem reiternomadischen Volk der Awaren unterworfen.

Die Beigaben des 1889 entdeckten ersten Grabes stellen nur einen Teil des ursprünglichen Inventars dar, auch die Sargreste und das Skelett gingen verloren. Neben zahlreichen Goldobjekten – einer Fibel, einem Armring, drei Fingerringen, Gürtelschnallen und Anhängern – enthielt das Inventar zwei silberne Kannen mit antiken Szenen sowie Beschläge von Gefäßen. Das Grab wird auch als „Omharus-Grab“ bezeichnet, benannt nach dem auf einem der Ringe eingravierten Namen. Die Funde belegen, dass ihr ursprünglicher Besitzer ein Föderat (foederatus) des Römischen Kaiserreiches war. Die Zwiebelknopffibel, ein Statussymbol, wurde nur von einer kleinen Gruppe römischer Beamter getragen, während der  goldene Kolbenarmring die Zugehörigkeit seines Trägers zu einer barbarischen Herrscherelite veranschaulicht. Im Oktober 1968 wurde bei Erdarbeiten das zweite, mit besonders reichen Beigaben ausgestattete Grab entdeckt. Neben prachtvollem, mit Almandinen verziertem Goldschmuck fand man Taschenbeschläge, Spielsteine, Waffenreste und Pferdegeschirr. Aus den Untersuchungen des Grabes konnten wichtige Erkenntnisse über die Art der Bestattung gewonnen werden. Der Tote war in einem Holzsarg beigesetzt worden, neben ihm lagen die mit Beschlägen geschmückten Taschen und die Waffen. Am Fußende des Grabes befand sich eine Holzlade mit dem Zaumzeug. Aus dem dritten, im Jahr 1979 entdeckten Grab konnte schließlich nur noch eine Schnalle geborgen werden.

Ein gemeinsames Merkmal der drei Gräber bilden die in der so genannten Cloisonné-Technik (mosaikartige Almandineinlagen) gearbeiteten Objekte, die vermutlich in einer kaiserlichen Werkstatt in Konstantinopel entstanden sind. Sie dokumentieren die engen Beziehungen zwischen den Gepiden und dem Byzantinischen Reich, die mit einem 70 Jahre währenden Bündnis besiegelt wurden.
Die Dichte der Gräber und die Bedeutung der Funde in der Nekropole von Apahida lassen darauf schließen, dass hier ein gepidischer Herrschaftssitz existierte.