Die hunnische Völkerkonföderation beherrschte fast ein Jahrhundert lang (375 – 453 n. Chr.) weite Teile Mittel- und Osteuropas und setzte das Römische Reich massiv unter Druck. Ihr konsequenter Machtzuwachs gründete nicht zuletzt auf einer gezielten Integrationspolitik gegenüber den Eliten der unterworfenen Völker.
Trotz ihrer herausgehobenen Position innerhalb des hunnischen Verbandes hielt die barbarische Oberschicht an ihren eigenen Bestattungsbräuchen und Repräsentationsformen fest. Kaum ein anderes Grab spiegelt die Vielfalt dieser kulturellen Einflüsse, die im hunnischen Machtbereich bis in die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts wirksam waren, wider als die im heutigen rumänischen Moldavien, östlich des Prut gelegene Bestattung von Conceşti. Der Verstorbene soll in einem mit massiven goldenen Bändern versehenen Holzsarg bestattet worden sein. Innerhalb des Grabinventars sind ein spätrömischer Gardehelm aus Silber und ein mit Silberblech überzogener Klappstuhl (
sella curulis) besonders hervorzuheben. Ergänzt werden sie durch ein Silbergeschirrensemble, zu dem u.a. eine Amphora und ein Eimer mit Darstellungen mythologischer Szenen gehören. Ob diese Objekte als diplomatische Geschenke an einen der barbarischen Herrscher gedacht waren oder ob sie in dessen Auftrag aus Byzanz importiert worden waren, bleibt vorerst offen. Doch zweifelsohne hat hier eine hochrangige Persönlichkeit des hunnischen Reiches ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Die silberne Amphora gehört zu den herausragenden Beispielen frühbyzantinischer Metallarbeiten, die deutliche Bezüge zu den Werkstätten der Hauptstadt Konstantinopel aufweisen. Das um 400 entstandene, 42,5 cm hohe Gefäß ist aus einem Stück Silber geschmiedet und dann auf einen massiv gegossenen Fuß aufgelötet. Die dekorativen Reliefdarstellung sind ziseliert und vergoldet. Die beiden Henkel in Gestalt von Kentauren wurden erst später angebracht.
Die gesamte Oberfläche der Amphora ist mit erhabenem Reliefdekor überzogen. Der mittlere, zentrale Fries zeigt Szenen aus dem Kampf zwischen Griechen und den sagenumwobenen Amazonen, kriegerischen Frauen, die in Kleinasien und im nördlichen Schwarzmeergebiet ansässig waren. Das legendäre Bild der Amazonen, das seinen Ursprung in der antiken Geschichtsschreibung und Kunst hat, ist in der damals üblichen Auffassung wiedergegeben. Im oberen Fries der Amphora sind zwei Jagdszenen dargestellt, der unterste Fries zeigt die Gestalten dreier Nereiden, welche auf Fabeltieren durch die Meere reiten.
Die thematische Anknüpfung an Bildmotive aus der griechischen Antike, die klassische Formgebung sowie die Qualität der künstlerischen Ausführung verweisen auf das Fortleben des griechisch-römischen Kunstschaffens innerhalb der byzantinischen Kunst, die sich auch außerhalb der Grenzen des Römischen Reiches einer hohen Wertschätzung erfreute.