Das Thorsberger Moor in Schleswig-Holstein gehört zu den bedeutendsten archäologischen Fundplätzen aus der römischen Kaiserzeit. In der Zeit vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum späten 4. Jahrhundert n. Chr. wurden hier in mehreren Phasen Gegenstände geopfert. Diese Opfergaben bestanden aus Waffen, Schilden, Zaumzeug, Kleidung, Holzgegenständen, Werkzeug und Trachtschmuck. Die Hauptniederlegung erfolgte in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr.
Bei den Fundstücken aus dem Thorsberger Moor - mit Ausnahme der Ton- und Holzgefäße sowie landwirtschaftlicher Geräte, die einer älteren Niederlegung angehören – handelt es sich um Opfergaben von Kriegsbeutestücken, die im Kontext der so genannten „Kriegsbeuteopfer-moore“ einzuordnen sind. Wahrscheinlich stammen sie aus den Kämpfen zwischen den verschiedenen germanischen Stämmen aus Skandinavien und den Gebieten des „freien“ Germaniens (Germania magna).
Durch Untersuchungen können die einzelnen Ausrüstungsgegenstände verschiedenen militärischen Rängen zugeschrieben werden: den einfachen Fußsoldaten, den „Offizieren“ und den Heerführern. Viele der gefundenen Waffen sind römischer Herkunft. Unklar ist aber, ob es sich dabei um in Kämpfen mit den Römern erbeutete Waffen handelt oder ob sie auf die Beutezüge der Germanen zurückzuführen sind. Zu den herausragenden Stücken des Thorsberger Moorfundes gehören die römische (Reiter-) Gesichtsmaske, römische Helme und Münzen sowie runenbeschriftete Gegenstände und Kleidungsstücke. Die neben den Gebrauchs- und Kampfspuren entdeckten Hinweise auf Zerschlagen, Zerhacken und teilweise auch Verbrennen der Gegenstände lassen vermuten, dass sie vor der Opferung rituell zerstört wurden.
Die Ausgrabungen im Thorsberger Moor fanden bereits im 19. Jahrhundert statt. Im Jahr 1997 wurde das Moor erneut untersucht. Insgesamt konnten etwa 1.800 Funde geborgen werden. Da sich aber die Gegenstände aus Eisen - aus dem die Waffen der einfachen Soldaten gemacht waren – sowie die aus Knochen aufgrund des niedrigen pH-Wertes nicht erhalten haben, wird die Zahl der ursprünglichen Opfergaben (auch im Vergleich mit anderen Opferplätzen) auf ca. 14.000 Objekte geschätzt. Das Thorsberger Moor ist der einzige Kriegsbeuteopferplatz aus der Römischen Kaiserzeit in Deutschland.