Amphore
PlakatROM UND DIE BARBAREN
Kunstexponat der Woche
Woche 13: 17. - 23. November 2008

Schatz von Hildesheim
Augusteisch/1. Jahrhundert n. Chr.
Maskenbecher | Schale mit Emblem (Büste des schlangenwürgenden Herkules) | Efeubecher | Rankenschale mit zwei Henkeln
© Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung, Berlin

Siegesaltar
Am 17. Oktober 1868 entdeckten preußische Soldaten beim Anlegen eines militärischen Schießplatzes in Hildesheim am Fuße des Galgenberges einen großen Silberschatz, der aus kostbaren Ess- und Trinkgefäßen bestand. Zuerst glaubte man, dass es sich bei den Gegenständen um den Bestand eines fürstlichen Haushalts aus der Renaissance handelt. Aber aufgrund einer genauen Untersuchung der stilistischen Merkmale und der römischen Inschriften konnte das Tafelgeschirr in die frühe römische Kaiserzeit datiert werden.
Die Gegenstände wurden in einer Grube entdeckt, in der sie in geordneter Form aufgestellt waren: In drei großen Gefäßen - einem Eimer, einem Krater und einem Kantharos (becherartiges Trinkgefäß) – befanden sich kleinere Gegenstände. Daneben fand man noch zwei Humpen, einen Klappdreifuß, einen Kandelaber sowie eine große rechteckige Schale.

Der Schatz von Hildesheim besteht heute aus über 70 Teilen, jedoch gehen die Wissenschaftler davon aus, dass er ursprünglich die doppelte Anzahl umfasste. Dies lässt sich aus den eingepunzten antiken Nummerierungen und Gewichtsangaben schließen, die darauf hinweisen, dass genau die Hälfte des angegebenen Gesamtbestandes gefunden wurde. Das Geschirr ist aus teilweise vergoldetem Silber gearbeitet und weist starke Nutzungsspuren und sowie die eingravierte Namen der Vorbesitzer auf.

Der Schatz von Hildesheimer galt als Beleg für die Lokalisierung der berühmten Varusschlacht (9 n. Chr.) in der Nähe von Hildesheim. Auf einer Kelle und auf der so genannten Athenaschale gibt es Gravuren, die als die Initialen des Varus gedeutet wurden. Archäologische Grabungen belegen aber mittlerweile, dass die Varusschlacht sehr wahrscheinlich bei Kalkriese in der Nähe von Osnabrück stattgefunden hat. Außerdem ist es kaum vorstellbar, dass der wohlhabende und mit dem Kaiserhaus verwandte Varus Geschirr benutzte, das mehrere Vorbesitzer hatte und offensichtlich aus anderen Tafelgeschirren zusammengestellt wurde.
Aufgrund der Datierung könnte es sich beim dem Schatz von Hildesheim um das Tafelgeschirr eines Offiziers aus der augusteischen Armee handeln. Die geordnete Fundsituation spricht für eine Opferung oder ein sorgfältiges Verstecken. Vielleicht handelte es sich um Siegesbeutegut, das vergraben wurde, um in Sicherheit gebracht zu werden.