Elfenbeinreliefs in Form von Diptychen gehören zu den charakteristischen bildnerischen Arbeiten der Spätantike. Sie zeugen von hoher Kunstfertigkeit der spätrömischen und byzantinischen Elfenbeinschnitzer. Der Begriff
Diptychon stammt aus dem Griechischen und bedeutet „doppelt gefaltet“. Seit der Antike bezeichnet man damit zweiflügelige, zusammenklappbare Schreibtafeln aus Holz, Metall oder Elfenbein. Die beiden Flügel solcher Diptychen wurden mit Schnüren oder Scharnieren verbunden. Geschrieben wurde auf einer Wachsschicht, mit der die Innenseiten der Diptychen überzogen wurden. Diptychen aus Elfenbein wurden aufgrund ihres Materials auch
libri elephantini (Elephantenbücher) genannt.
Seit dem ausgehenden 4. Jahrhundert wurden elfenbeinerne Prunkdiptychen unter anderem zu Geschenkzwecken hergestellt. Hohe kaiserliche Beamte und Konsuln verteilten nach ihrer Ernennung solche Elfenbeine an Freunde und hochrangige Persönlichkeiten. Die Konsulardiptychen stellen eine wichtige historische Quelle dar, weil sie sich aufgrund ihrer Inschriften (für gewöhnlich Namen und Titeln der Konsuln) genau datieren lassen.
Auf der hier ausgestellten Nachbildung eines Konsulardiptychons aus Elfenbein (das Original wird im Domschatz von Monza/Italien aufbewahrt) ist der Reichsfeldherr Stilicho mit seiner Gemahlin Serena und ihrem gemeinsamen Sohn Eucherius dargestellt. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er präsentiert sich in gestickter Tunika und Feldherrnmantel mit Schwert, Lanze und Schild. Auf dem Schild sind die Brustbilder der beiden Kaisersöhne Arcadius und Honorius zu sehen.
Flavius Stilicho (um 359–408 n. Chr. ) wurde als Sohn eines vandalischen Vaters und einer Römerin geboren. Seine Biographie belegt die Integrations- und die Aufstiegsmöglichkeiten der Germanen im Römischen Reich. Nach einer glanzvollen Karriere im römischen Heer führte er 383 eine römische Gesandtschaft nach Persien, wo er einen für Rom günstigen Friedensschluss aushandeln konnte. Daraufhin durfte er eine Nichte des Kaisers Theodosius I., Serena, heiraten. Nach Theodosius’ Tod, 395 n. Chr., übernahm Stilicho die Regentschaft für den minderjährigen Kaiser Honorius und wurde so faktisch zum Herrscher über das Weströmische Reich. Im Jahr 402 n. Chr. besiegte er den Westgotenkönig Alarich I. und zwang ihn zum Abzug aus Italien. Zwei Jahre später verbündete er sich mit Alarich, angeblich, um mit dessen Hilfe den oströmischen Thron für sich zu gewinnen, wurde daraufhin abgesetzt und auf Befehl des Kaisers Honorius hingerichtet.