Die reichsten Bernsteinvorkommen Europas befinden sich an der Ostseeküste. Bereits in der Bronzezeit war der baltische Bernstein ein wertvolles Tauschobjekt und Handelsgut, die Funde belegen, dass schon im mykenischen Griechenland (1600–1050 v. Chr.) importierter Bernsteinschmuck getragen wurde. In römischer Zeit gelangte Bernstein über die Bernsteinstraße – eine bereits in der Urgeschichte bedeutsame Handelsroute – nach Aquileia an der Adria. Nachdem die Bernsteinstraße unter den Kaisern Augustus und Tiberius am Anfang des 1. nachchristlichen Jahrhunderts ausgebaut und an das römische Straßennetz angeschlossen worden war, entwickelte sich dort in den folgenden Jahrhunderten ein schwunghafter Handel mit dem „Gold des Nordens“.
Für die Römer war Bernstein ein kostbarer und magischer Stein. Sie verfielen hoffnungslos dem Zauber des seltsamen „Gesteins“, das zum Inbegriff des Luxus wurde und fürstliche Preise erzielte: Die Kosten für eine kleine Bernsteinfigur überstiegen den Wert eines guten Sklaven. Die römischen Schriftsteller schrieben nicht nur über die Herkunft und den Handel mit Bernstein, sondern berichteten auch über die heilenden Kräfte des
electrum, wie sie den Stein nannten: Laut Plinius d. Ä. sollten auf der Haut getragene Bernsteinamulette vor Fieber schützen. Kaiser Nero (reg. 54–68 n. Chr.) nutzte den neuen Edelstein zu Repräsentationszwecken und richtete Gladiatorenspiele in einem mit Bernstein geschmückten Amphitheater aus.
Das römische Bernsteinkollier aus dem Rheinischen LandesMuseum ist ein prachtvolles und einzigartiges Schmuckstück. Die 169 Einzelteile wurden 1980 in einem römischen Sarkophag im Braunkohlegebiet von Hambach-Niederzier entdeckt. Die genaue Herkunft des Kolliers ist leider nicht bekannt. Besonders in Aquileia wurde der Bernstein zu Schmuck oder kunsthandwerklichen Objekten verarbeitet, aber auch in der römischen Stadt Köln gab es Handwerker, die auf die Verarbeitung von Bernstein spezialisiert waren.