Aelia Galla Placidia
PlakatROM UND DIE BARBAREN
Kunstexponat der Woche
Woche 19: 29. Dezember 2008 - 4. Januar 2009

Büste einer Frau
4./5. Jahrhundert n. Chr.
Chiragan-Villa, Martres-Tolosane, Haute-Garonne
© Musée Saint-Raymond – Musée des Antiques de Toulouse

Siegesaltar
Diese Frauenbüste wird mit der berühmten Aelia Galla Placidia (um 390–450 n. Chr.) in Verbindung gebracht. Sie war eine Tochter des römischen Kaisers Theodosius I., Enkelin von Valentinian I. und Mutter des späteren Kaisers Valentinian III. Nach dem Tod ihres Vaters 395 n. Chr. wurde sie gemeinsam mit ihrem unmündigen Bruder Honorius, dem weströmischen Kaiser, der Obhut des Heermeisters Stilicho übergeben.

Nachdem die Westgoten unter König Alarich 410 n. Chr. die Stadt Rom erobert und geplündert hatten, zogen sie mit Beute und Gefangenen ab. Unter ihnen befand sich auch Galla Placidia, die in den Verhandlungen als Pfand dienen sollte. Doch Alarich verstarb noch im selben Jahr, und sein Nachfolger Athaulf heiratete Galla Placidia 414 n. Chr. Im Rahmen eines 416 geschlossenen Friedensvertrages kehrte Galla Placidia als Witwe nach Rom zurück und ehelichte auf Drängen ihres kaiserlichen Bruders dessen engsten Vertrauten, den Heermeister Flavius Constantius. Nach dem Tod des Kaisers Honorius 423 n. Chr. wurde der erst sechsjährige Sohn von Flavius Constantius und Galla Placidia zum Kaiser Valentinian III. erhoben.

Die in den historischen Quellen als hochintelligent und gebildet beschriebene Galla Placidia übernahm für ihren unmündigen Sohn die Regierungsgeschäfte und leitete 13 Jahre lang die Geschicke des römischen Westreiches. Ihren Lebensabend verbrachte die zweifache Witwe in Rom, wo sie starb und auch beigesetzt wurde – also nicht in dem berühmten, der Überlieferung nach von ihr errichteten Mausoleum in Ravenna.