|
|
|
Die Geschichte der Kaiserlichen Sammlung
 |
 |
Han- bis Sung-Dynastie (206 v.Chr.-1279
n.Chr.)
Ob der erste Kaiser von China, Ch’in Shih-huang-ti, eine
Kunstsammlung besaß, ist nicht überliefert. Kaiser Wu-ti
(reg. 140–87 v.Chr.), in dessen Auftrag Ssu-ma Ch’ien
(ca. 145–86 v. Chr.) das erste umfassende Geschichtswerk (Shih-chi)
verfasste, sammelte Kalligraphien, Gemälde und alte Bronzen,
ließ ihre Echtheit prüfen und eine Ausstellungshalle (Pi-ko)
erbauen. Kaiser Yüan-ti (reg. 49–33 v.Chr.) war einer von
jenen Herrschern, der über seine Sammelleidenschaft die Staatsgeschäfte
vernachlässigt haben soll. Selbst künstlerisch tätig
waren Kaiser Ming-huang (reg. 705-756) und der zweite Herrscher der
Sung-Dynastie (960–1279), Kaiser T’ai-tsung (reg. 976-997).
Letzterer ließ zudem im ganzen Reich nach Gemälden und
Kalligraphien berühmter Meister fahnden, während unter Kaiser
Jen-tsung (reg. 1023–1063) die Sammlung nur zehn antike Bronzen
umfasste.
|
 |
Das National Palace Museums (Taipeh),
Sitz der Kaiserlichen Sammlung heute
|
Nach solchen
ließ Kaiser Hui-tsung (reg. 1101–1125) auch landesweit
suchen. Er dichtete, malte, kalligraphierte und sammelte zudem Kalligraphien
und Gemälde. Die von ihm in Auftrag gegebenen Kataloge von Gemälden,
Kalligraphien und antiken Bronzen sind die älteste erhaltene
systematisch Bestandsaufnahme der kaiserlichen Sammlung z.T. mit exakt
verzeichneten Maßen und Inschriften. Danach enthielt sie über
7.000 Gemälde und Kalligraphien, von denen weniger als 100 Stücke
erhalten sind. Mit der Errichtung einer höfischen Akademie der
Malerei förderte er die zeitgenössische Malerei ebenso die
Keramikproduktion mit der nach seinen Wünschen gebrannten Ju-Ware.
Die Chin-Tataren, die 1127 K’ai-feng überrannten, ihn selbst
verschleppten und den Norden des Reiches einnahmen, schafften seine
Sammlung nach Peking, wo sie ungeachtet ihrer traditionsreichen Geschichte
vorübergehend auf den Kunstmarkt oder in private Hände zerstreut
wurde. |
 |
 |
Südliche Sung-
bis Ming-Dynastie (1127-1644)
Kaiser Kao-tsung (reg. 1127– 62) der Südlichen Sung
ließ nach der verlorenen Sammlung fahnden und wiederentdeckte
Meisterwerke zurückkaufen, andere wurden zurückgeschenkt.
Die Wiedererrichtung einer Akademie der Malerei und einer Keramikmanufaktur
am Hofe förderte die gegenwärtige Kunstszene. Auch Kaiser
Ning-tsung und sein Sohn Li-tsung gingen als Mäzene in die Geschichte
ein. Da die Südlichen Sung sich 1279 den Mongolen ergaben, wurde
die Sammlung unzerstört von Kaiser Shih-tsu (Kublai Khan, reg.
1260–94) an den Yüan-Hof übernommen, wo wenig später
ein Bestand u.a. von über 200 Gemälden verzeichnet wurde.
Kaiser Wen-tsung (reg. 1328–29 und 1330–32), selbst auch
Maler und Kalligraph, erwarb Werke hinzu und ließ 1329 die Ausstellungshalle
K’uei-chang-ko erbauen. Er und seine Schwiegermutter, Prinzessin
Sen-ge (ca. 1283–1331), ließen ihre Rollen von Gelehrten
beurteilen, bevor sie ihre Sammlersiegel aufdrückten.
Mit der Vertreibung der Mongolen ging die höfische Sammlung in
den Besitz der Ming (1368–1644) über, deren erster Herrscher,
Chu Yüan-chang, den Bestand der Rollen mit einem Halbsiegel dokumentieren
ließ. Seine Nachfolger riefen Maler und Kunsthandwerker an den
Hof, ließen Gemälde, Porzellane, Lack, Cloisonné
und religiöse Kunst in großer Anzahl und vorzüglicher
Qualität herstellen. Kaiser Hsüan-tsung (reg. 1426–35)
und Hsien-tsung (reg. 1465–87) schufen eigene Gemälde hinzu.
Gesandten und Landeskinder stifteten dem Thron Kunstwerke zum Dank,
der Thron übereignete sie zum Zeichen der Anerkennung. Kaiser
Hsiao-tsung (reg. 1488–1505) ließ den Bestand sichten,
der jedoch in der Finanzkrise später durch das Einschmelzen von
Bronze zu Münzen und Notverkäufe stark reduzierte. Der Wiederaufbau
und Ausbau der Sammlung vollzog sich unter der Ch’ing-Dynastie
(1644–1911). |
|
|
Ch’ing-Dynastie
Drei große Herrscher der Ch’ing-Dynastie (1644–1911),
die hochgebildet selbst als Maler und Kalligraphen künstlerisch
aktiv waren, erweiterten die kaiserliche Sammlung. Nachdem Kaiser
Shun-chih (regierte 1644–61) viele Gemälde des Tung Ch’i-ch’ang
erwarb, förderte der Herrscher der Ära K’ang-hsi (1662–1722)
antike und zeitgenössische Kunst. Zwischen 1680–96 wurden
in den höfischen Manufakturen traditionelle Preziosen und Neuheiten
z.B. aus Email und Glas hergestellt. Der Kaiser ließ sich von
Missionaren meist aus Frankreich unterrichten und gewann Interesse
an westlicher Malerei, Grafik und Uhren. In den 1681 wiedereröffneten
Öfen von Ching-te-chen entstanden Meisterwerke der Porzellankunst,
besonders unter der Herrschaft seines Sohnes, Kaiser Shih-tsung (reg.
1723–35).
In der Ära Ch’ien-lung (1736–95) erreichte die Sammlung
antiker und zeitgenössischer Werke den Bestand, der heute das
Gesicht der Sammlung prägt. Kaiser Kao-tsung verfasste kunstkritische
Aufschriften, ließ Antiken nachahmen oder mit seinen Gedichten
versehen. Aus Ankäufen, Geschenken, Tributgaben, Auftragsarbeiten
erwuchs ein gewaltiger Bestand, auch an Büchern, Handschriften
und Dokumenten. Unter den 1744 –93 entstandenen Sammlungsverzeichnissen
bildet das Shih-ch’ü pao-chi, benannt nach seiner Bibliothek,
dem „Steinkanal-Schatzhaus“, das umfangreichste erhaltene
Werk dieser Art. Der asketische Herrscher der Chia-ch’ing-Periode
(1796–1820) ließ es 1817 abschließen. Die Sammlung
wuchs danach nur noch bei Konfiszierungen im Sinne von Strafmaßnahmen.
In den politisch unruhigen Folgejahren deportierten 1860 britische
und französische Invasionstruppen Kunstwerke in europäische
Museen. Bis 1900 fielen viele Werke Feuer und Kriegshandlungen zum
Opfer. Nach Gründung der Republik China 1912 wurde die Sammlung
1925 im Palastmuseum der Verbotenen Stadt der Öffentlichkeit
zugänglich. |
 |
|
 |
 |
| |
  |
|