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JAPANS SCHÖNHEIT,
JAPANS SEELE |
Japans Schönheit, Japans Seele
Meisterwerke aus dem Tokyo National Museum
Die Großen Sammlungen
29. August bis 26. Oktober 2003
| Mit einer Auswahl von
117 der bedeutendsten Kunstwerke aus der Sammlung des Tokyo National
Museum wird die Ausstellung die klassische Kunst Japans vorstellen,
wobei der Schwerpunkt nicht nur darauf liegt, weithin bekannte Objekte
Japans zu zeigen.
Der behandelte Zeitraum spannt sich vom Mittelalter bis zur frühen
Moderne. Ziel ist, das klischeehafte Verständnis der japanischen
Kunst und Kultur zu durchbrechen, ja ein neues Japan-Bild zu schaffen.
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Unter den Exponaten befinden sich mehrere Nationalschätze
Japans und zahlreiche "Wichtige Kulturgüter". Eine
Sammlung von solcher Qualität war in der Nachkriegszeit in Deutschland
bisher nicht zu sehen, und auch für Europa insgesamt ist diese
Ausstellung eine seltene Gelegenheit, die Kunst Japans anhand von
Meisterwerken kennen zu lernen.
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Das goldene Mittelalter
und die Shoin-Kultur
Den Ausstellungsbesucher erwartet am Anfang der Ausstellung,
im Themenbereich des shoin, die Statue des ersten Shogun Japans,
des Gründers der Minamoto-Herrschaft, Minamoto no Yoritomo. Die Statue
aus dem 13./14. Jahrhundert ist eines der ältesten Exponate dieser
Ausstellung. Sie beeindruckt nicht nur durch ihre realistische Darstellung
mit den in ihrer Zeit typischen Augen aus Bergkristall, sondern symbolisiert
auch den Beginn des goldenen Mittelalters durch den Aufstieg der neuen
Gesellschaftsschicht der Ritter. Die darauffolgende Muromachi-Periode
(1392-1573) erreichte eine kulturelle Individualität, die es zulässt,
in dieser Zeit nach der Genesis der japanischen Ästhetik zu suchen.
Die Muromachi-Periode ist beispielhaft für eine Hochkultur, die bewusst
Fremdkulturen einlud, diese nach ihrem Geschmack umgestaltete, und
es hervorragend verstand, die eigene wie auch die Fremdkultur gleichermaßen
zu nutzen. Die Salonkultur des shoin begann während der Muromachi-Periode
und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Epochen der japanischen
Kunstgeschichte.
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| „Sitzfigur
des Shoguns Minamoto No Yoritomo“
Kamakura-Periode, 13. - 14. Jahrhundert
Wichtiges Kulturgut, © Tokyo National Museum |
Die Kyoto-Kultur
Die Kyoto-Kultur ist allgemein bekannt als die Kultur der traditionellen
Hofaristokratie: Poesie und Kalligraphie waren stark vertreten. Kyoto
war kaiserliche Hauptstadt für mehr als 1000 Jahre. Poesie, Literatur
und ihre visuelle Form, die Kalligraphie, spielten in den wichtigsten
historischen Epochen Kyotos, wie der Heian- (794-1185) und der Muromachi-Periode,
eine zentrale Rolle. Aristokratische Literatur wie die Geschichte
des Prinzen Genji, der erste Roman der Welt, wird gefeiert. Dennoch
liegt die wahre Bedeutung Kyotos in der Vielschichtigkeit seiner Kultur,
die von Aristokraten, Rittern, Mönchen und Kaufleuten getragen
wurde. Über die Jahrhunderte hinweg war Kyoto die Wiege zahlreicher
neuer Strömungen. Zu diesem Bereich zeigt die Ausstellung zahlreiche
Kalligraphien, die die zwei Hauptströmungen der japanischen Kalligraphiekunst
vorstellen: die aristokratische und die religiöse. Darunter sind
Meisterwerke, die Spiritualität und Kunstfertigkeit der buddhistischen
Kalligraphie verdeutlichen, wie die Einzeilige Schrift des Zen-Mönchs
Ikkyū. Während die Schriften der adeligen Poeten eine romantisch
verspielte Stimmung vermitteln, spiegeln die ausgesuchten Lackschreibkästen
mit Goldverzierung die üppige und gleichzeitig feine Eleganz
des goldenen Mittelalters Japans wider.
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Die Tee-Zeremonie in der Momoyama-Periode
Zu Beginn der Momoyama-Periode (1568/73 - 1616) wurden viele herkömmliche
gesellschaftliche Maßstäbe nicht nur in Frage gestellt,
sondern auch völlig neu formuliert. Alte Hierarchien wurden gestürzt,
ein Mann bäuerlicher Herkunft konnte zum Herrscher Japans aufsteigen.
Die Lebensfreude und Ambitionen der aufsteigenden Gesellschaft, die
sich in ihrem neugewonnenen materiellen Wohlstand einrichtete, der
zu barockem Geschmack und prunkvollem Kulturausdruck neigte, war der
Nährboden für die imposante und dynamische Kunst der Momoyama-Periode
- kenran. Der dritte Themenbereich befasst sich mit der Kultur
der Teezeremonie, die mit dem berühmten Meister Sen no Rikyū
ihren Höhepunkt erlebte.
Im Gegensatz zu den Tee-Salons der Shoin-Kultur kehrte die neue wabi-Teezeremonie
der chinesischen Kunst sowie dem schweren Prunk der kenran-Kunst
den Rücken. Die japanische Zuneigung zu den ungekünstelten, naturnahen
Phänomenen gab es schon immer, als Konzept des wabi ist sie
jedoch eine neue Erscheinung. Die Teezeremonie Cha no yu bevorzugt
einen rustikalen, bewusst naturnahen Geschmack auch inmitten einer
naturfernen, kultivierten Umgebung. Hautnah kann man diese Ästhetik
an abstrakten Keramiken wie der Iga-Vase mit Handgriffen erleben.
Dieses Streben nach natürlicher Einfachheit und Geistigkeit war ein
bewusster Verzicht auf materiellen Wert, der die Üppigkeit der Momoyama-Periode
durch eine neue, geistige ästhetische Qualität zu ersetzen suchte. |

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| Teeschale
„Hashihime“ (Brückenprinzessin), Mino-Ware, Shino
Typ
Momoyama-Periode, 16. – 17. Jahrhundert
© Tokyo National Museum |
Nō-Theater
Das heute bekannte Nō war während der Muromachi-Periode entstanden,
jedoch reichen seine Wurzeln tiefer ins japanische Vormittelalter.
Als die aristokratische Hofkultur den Shogunen weichen musste, gewannen
nicht nur die hochkultivierten Tänze, sondern auch die populären Tänze
an Beliebtheit und leiteten schrittweise eine Fusion verschiedener
Tanzformen ein, die von Zeami Motokiyo (ca. 1363 bis 1443) als No
vollendet wurde.
Die Geschichten, die durch die Jahrhunderte hindurch im Nō erzählt
wurden, basieren auf den ältesten Überlieferungen Japans, nämlich
der Kommunikation zwischen Menschen und Gottheiten, dem Drama des
Schicksals, zwischen Sehnsucht und Ahnung. Hand in Hand mit dem Geist
des Nō geht die Ausdrucksweise der in der Muromachi-Periode entwickelten
Ästhetik des yūgen. Yūgen lässt sich als das Schöne
des Unergründlichen und des Mysteriösen erklären. Eine unaufdringliche
Schönheit, die in der weiteren Entwicklung auch mit dem Konzept der
Vergänglichkeit aus dem Zen-Buddhismus verbunden und im späten 15.
Jahrhundert tief durch die Verzweiflung der andauernden Kriege gefärbt
wurde. Heute beschreibt yugen nicht nur die Welt des Nō für den
modernen Betrachter, sondern faßt die Gesamtheit des mittelalterlichen
Schönheitsideals zusammen. Der Ausstellungsbereich des traditionellen
Nō-Theaters zeigt ausgewählte Masken und Gewänder, deren ausnehmende
Feinheit weltberühmt ist, und veranschaulicht so die Eleganz des mittelalterlichen
Japans.
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Ritterkultur
"Samurai" ist in Europa ein Begriff und gilt als das
Bild des idealen japanischen Ritters. Eigentlich aber kommt der bushi,
der mittelalterliche Ritter Japans, diesem Bild eher nahe als der
"Samurai", der "Gefolgsmann" der Früh-Moderne.
Der Aufstieg dieser Krieger begann mit dem Untergang der kaiserlichen
Macht am Ende des 12. Jahrhunderts. Trotz ihres Kriegerdaseins sind
die bushi auch als wichtige Träger der kulturellen Entwicklung Japans
nicht wegzudenken, denn poetischen Ausdruck, das Auge für die Ästhetik
und anspruchsvolle Literatur hatten sie genauso bewiesen wie ihre
Kampfdisziplin, die oftmals selbst als poetisch und tiefgründig erscheint.
In dieser Ausstellung werden die bushi durch die wichtigsten
Erzeugnisse ihrer Kriegskunst sowie ihrer hochentwickelten Kultur
vertreten, die ersteren durch die Rüstung und das Schwert, die letzteren
durch Malerei, Gegenstände des täglichen Lebens und Kimonos. Das japanische
Schwert ist einzigartig auf der Welt, indem es die Klinge selbst als
Kunstwerk und lebende Seele betrachtet. Unter anderem sind Klingen
wie die "Han'nya Nagamitsu" zu sehen, die als Nationalschatz
nur höchst selten außerhalb Japans zu bewundern ist. Dagegen vertreten
die großen Wandschirme wie der Nationalschatz "Zypresse"
die Ikonographie der Macht in den Regentensälen.
Die Kimonos der Ritter wie der Ritterdamen bevorzugten höchst modern
anmutendes Design und bestimmte poetische, ritterliche und glücksbringende
Motive. Auch die in dieser Ausstellung zu sehenden Kimonos wirken
in ihrer erfrischenden und abstrakten Art so modern, als wären sie
eben neu entworfen worden.
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„Rüstung
des Domaru-Typs“
Edo-Periode, 17. Jahrhundert
© Tokyo National Museum |
Rinpa
Die Schule der Rinpa-Künstler schließt die Ausstellung
mit einer besonders aktuellen Note ab, wobei die vorangegangene Klassik
keinesfalls verblasst. Als typisch japanische Malerei und Ästhetik
basiert sie auf der alten aristokratischen Kunst der Heian-Periode.
Diese "Renaissance" der japanischen Klassik wurde von Künstlern
initiiert, die alte Motive durch neue Formgebung zum Leben erweckten.
Die Anfänge dieser freien Schule liegen im 17. Jahrhundert bei
Hon'ami Kōetsu und Tawaraya Sōtatsu und wurden im frühen
18. Jahrhundert von ihren berühmtesten Nachfolgern Ogata Kōrin
(1658-1716) und Ogata Kenzan (1663-1743) zur höchsten Reife gebracht.
Von beiden Generationen sind hervorragende Stücke, wie der sehr
bekannte Wandschirm "Sturm- und Donnergott" von Ogata Kōrin
und Malereien von Tawaraya Sōtatsu ausgestellt.
Der andere Schwerpunkt der Rinpa-Kunst liegt vor allem aber in ihrer
Vielseitigkeit, in ihrer Natur, die man als früheste Design-Schule
charakterisieren kann. Im Gegensatz zu anderen Schulen der Kunst ihrer
Zeit malten diese Künstler nicht nur, sondern kreierten einen ganzen
Lebensstil, indem sie von Lackkästen, Tischservicen und Schalen der
Tee-Zeremonie bis hin zu Kimonos alles entwarfen, womit man sein Leben
bereichern konnte. Indem sie die Klassik aufgreift, ist die Rinpa-Schule
ein Spiegel der alten japanischen Seele, der auch viele der vorangegangenen
Elemente der Ausstellung reflektiert.
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| „Sturm
und Donnergott“, Von Ogata Korin
Wandschirmpaar, Edo-Periode, 18. Jahrhundert
Wichtiges Kulturgut © Tokyo National Museum |
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