Ausstellungen
 • Ausstellungsübersicht
 • Ausstellungsrückschau
Veranstaltungen
PÄDAGOGIK
Bibliothek
Besucherinfo
Über uns
Kontakt
Artcard
Shopping
Presse
Newsletter
Suche 

Bundeskunsthalle bei facebook
AUSSTELLUNGEN
  TUTANCHAMUN


"Ja, die wundervollsten Dinge"
Howard Carter und die Entdeckung von Tutanchamun

von Gabriele Pieke,
Ägyptologin am Ägyptischen Museum Bonn

Als am 4. November 1922 Howard Carter das Grab des Tutanchamun im Tal der Könige entdeckte, löste dies nicht nur einen Begeisterungssturm in der Archäologenwelt aus, sondern innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich die Nachricht um die Welt und der Fund wurde als die wichtigste Entdeckung des Jahrhunderts gefeiert. Was die nächsten Jahre folgte, waren regelmäßige Schlagzeilen und Exklusivberichte, ein zuvor ungeahntes Interesse an der altägyptische Hochkultur und der 'Ketzerzeit' des Echnaton bis hin zu den nun im großen Maße einsetzenden Besucherströmen im Tal der Könige. Diesem so einzigartigen Fund von Howard Carter vorausgegangen waren Jahre voll harter konzentrierter Arbeit an verschiedenen Orten Ägyptens und auch im Tal der Könige.Dabei war der am 9. Mai 1874 geborene Carter nur durch Zufall nach Ägypten gekommen, nachdem er als Kind der Mittelschicht in England nur eine einfache Ausbildung erfahren hatte. Als Sohn des auf Tierzeichnungen spezialisierten Malers Samuel John Carter, wurde er bereits als Junge von seinem Vater im Zeichnen unterrichtet. Sein offensichtliches Talent und das frühe Interesse an den ägyptischen Altertümern brachten ihm bereits im Alter von nur 17 Jahren einen Vertrag mit dem 'Egypt Exploration Fund', einer archäologischen Gesellschaft zur Erforschung Altägyptens, in London ein. Es folgten die archäologischen Lehrjahre bei einigen der führenden Archäologen seiner Zeit, für die er als Zeichner an so illustren Orten wie Beni Hassan, Amarna und auch im Totentempel der Königin Hatschepsut in Deir el-Bahari tätig war.

Obwohl von Hause aus nur Zeichner und ohne jedes Studium der Ägyptologie wurde er bereits 1899 von der ägyptischen Antikenverwaltung zum Chef-Inspektor der Oberägyptischen Denkmäler berufen. Damit war für ihn der Zeitpunkt gekommen sich nun intensiv mit der einzigartigen Gräberwelt von Theben-West zu beschäftigten. Voll Leidenschaft und großer Hingabe trat er seine Arbeit an dem Ort an, der sein Leben auf so einzigartige Weise prägen sollte. So ließ er als eine der ersten Taten endlich Strom und Licht in den bereits entdeckten Königsgräbern installieren, um einerseits die Arbeit der Archäologen zu erleichtern und gleichzeitig das Tal für den nun verstärkt einsetzenden Tourismus zu erschließen. In den folgenden Jahren arbeitete Carter in den Grabstätten von so bedeutender Herrschern, wie Thutmosis I., Sethos I. und Merenptah, dem Sohn Ramses II. Auch vier ganz neu entdeckte Gräber zählten in dieser Zeit zu seiner stolzen Bilanz, darunter auch das Grab Thutmosis' IV., eines Pharaos der 18. Dyn. Die Finanzierung dieser Kampagnen wurde durch den amerikanischen Geschäftsmann Theodore M. Davis gesichert, der ab 1902 eine eigene Grabungskonzession für das Tal der Könige bekommen und Howard Carter als seinen Grabungsleiter ausgewählte hatte. Jedoch übernahmen schon bald andere Kollegen die Arbeiten für den Finanzier und passionierten Ausgräber. Es war die Zeit der großen Entdeckungen im Tal der Könige und so bedeutende Gräber wie das von Yuya und Tuja, den Schwiegereltern Amenophis' III., die Anlagen des Königs Haremhab, wie auch das bis heute rätselhaften Grab 55 aus den späten Jahren der Amarnazeit, kamen nach Jahrhunderten des Vergessens wieder ans Tageslicht.

Howard Carter war an diesen Entdeckungen nicht beteiligt, er hatte nach einigem Streit seinen Dienst für die Antikenverwaltung quittiert; seine Archäologenkarriere schien damit am Ende. Jedoch sollte sich das Blatt noch einmal wenden. Carter begegnete durch Vermittlung des Antikendienstes dem fünften Earl of Carnarvon. Dieser hielt sich in Ägypten auf, um sich von den Folgen eines schweren Autounfalls zu erholen. Eher aus Langeweile als geplant hatte er eine Grabungskonzession in Theben-West erworben. Der Lord fand zunehmend Gefallen an der Ausgrabungstätigkeit und als sich schließlich 1907 die beiden Männern kennen lernten, sollte dies der Beginn einer 16 Jahre dauernden gemeinsamen Arbeit als Partner und Freunde werden. Nachdem die beiden ihr Glück an verschiedenen Stellen in Theben-West und im Delta versucht hatten, gelang es ihnen endlich 1915 eine Grabungserlaubnis für das Tal der Könige zu erhalten. Theodor Davis hatte wenige Monate zuvor sein Konzession in dem Glauben abgegeben, dass das Tal der Könige nun endgültig ergraben sei und es dort 'gar nichts mehr zu holen gäbe'. Carter hingegen war fest davon überzeugt, dass noch mindestens ein Grab, nämlich das des Kindkönigs Tutanchamun, dort zu finden sei. Schließlich hatte wenige Jahre zuvor Davis selbst ein kleine Kammer mit Stoffresten, Gefäßen und vor allem Siegelabdrücken mit dem Namen des Tutanchamuns entdeckt. Dies war für Carter ein deutliches Indiz, dass auch Tutanchamun mit dem Tal der Könige in Verbindung zu bringen war.

Als man nach den Wirren des 1. Weltkriegs schließlich 1917 mit der Arbeit im Haupttal beginnen konnte, verfolgte Carter voll Akribie sein Ziel. Ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern studierte er genau die Grabungskarten von Davis und anderen, um die wenigen verbliebenen Quadratmeter im Tal zu finden, die noch nicht ausgegraben waren. Die folgenden Jahre verbrachte man damit das Tal bis auf die Felssohle hin freizulegen. Diese harten und äußerst langwierigen Arbeit hatte nur ein Ziel: das Grab des Kindkönigs Tutanchamun zu finden! Doch es sollte noch Jahre dauern, bis der Wunschtraum von Carter in Erfüllung gehen sollte. Denn trotz dem Einsatz von Hunderten von Arbeitern, die Berge von Schutt und Stein bewegten, blieben die Funde aus, so dass Lord Carnarvon im Frühjahr 1922 völlig enttäuscht und frustriert beschloss die kostenträchtigen Arbeiten endgültig einzustellen. Besessen von der Überzeugung, dass noch eine große Entdeckung auf ihn wartete, bot Howard Carter an, die nächste Kampagne aus seinen eigenen Mitteln zu finanzieren. Dieses große Entschlossenheit imponierte dem Lord sehr und er willigte schlussendlich ein, noch eine einzige weitere Saison zu finanzieren.

Die Arbeiten begannen am 1. November 1922. Man hatte sich entschlossen diesmal die antiken Arbeiterhütten vor dem Eingang des Grabes von Ramses VI. abzutragen, die alle vorherigen Ausgräber stehen gelassen hatten, und schon nach drei Tagen taten sich einige sauber in den Fels gehauene Stufen auf. Als man kurz darauf den vermauerten Eingang freilegte und auf die noch ungestörten Siegel der Nekropolenverwaltung traf, war klar, dass man einen einzigartigen Fund vor sich hatte. Carter konnte sein Ungeduld kaum zügeln und telegrafierte sofort nach England zu Carnarvon; und auch wenn es schwer fiel, so wurden doch die Arbeiten bis zu Eintreffen des Lords für knapp drei Wochen eingestellt. Nachdem die erste blockierte Tür und der anschließende Gang geöffnete waren, stand man endlich am 26. November 1922, dem "Tag aller Tage", vor einer zweiten versiegelten Mauer. Mit kaum zu übertreffender Spannung wurde ein Loch in die Wand geschlagen und Carter schaute im Kerzenlicht in die erste Kammer. Nervös fragte Carnarvon "Können sie etwas sehen" und Carter antwortete mit dem berühmt gewordenen Satz: " Ja, die wundervollsten Dinge!". Eine bisher nie geahnte Fülle von Schätzen und Beigaben stand vor ihnen, vergoldete Betten, Truhen aus Ebenholz, Alabastervasen, aufwendig geschnitzte Stühle, an die Wand gelehnte Streitwägen und andere Dinge, die nur so vor Gold und Einlagen glänzten. Die Sensation war perfekt: Carter hatte das Grab des jungen Pharao Tutanchamun gefunden, nachdem er so lange auf der Suche gewesen war!Später sollte Carter über diese überwältigende Stunde niederschreiben "wir hatten uns nie von etwas Ähnlichem träumen lassen, eine ganze Kammer voller Sachen, die teils bekannt, teils von einer Art, wie wir sie noch nie gesehen hatten, in scheinbar endlosem Überfluss aufeinander gehäuft war". Zwar war der Raum offenkundig von Grabräubern durchwühlt worden, wie sich aber später herausstellte, waren diese bei ihrer Arbeit gestört worden und hatten nur einen kleinen Teil der Beigaben aus dem Grab entfernen können. Was nun folgt, teilt sich in eine offizielle und eine inoffizielle Geschichte.

Am 29. November fand die feierliche Öffnung des Grabes für die geladenen Gäste der Antikenverwaltung, die berühmten Grabungskollegen und anderen Besuchern statt, draußen umlagerten bereits Menschentrauben das Felsgrab. Wie jedoch aus später bekannt gewordenen Briefen und Dokumenten hervorgeht, konnten Carter, Carnarvon wie auch dessen Tochter Lady Evelyn ihre Neugier nicht zügeln und betraten noch vor der offiziellen Öffnung heimlich die Sargkammer und den daran angrenzenden Raum. Das von ihnen in die versiegelte Wand geschlagene Loch wurde sorgsam mit einem Korb verdeckt und die berühmte Jagdtruhe so davor positioniert, wie es noch heute auf allen vorhandenen Photos zu sehen ist. Trotz dieser heimlichen Episode ist es Carters großem Verantwortungsbewusstsein zu verdanken, dass er nur wenige Tage nach der spektakulären Entdeckung im Metropolitan Museum New York um wissenschaftlich Hilfe bei der Fundaufnahme ersuchte. Weitere Kollegen aus England und Amerika folgten, die gemeinsam mit dem Entdecker die folgenden Jahre mit dem Studium, der Konservierung und Verpackung der einzigartigen Kostbarkeiten verbrachten. Diese wurden nach der ersten Versorgung im so genannten Laboratorium, den Grab des Pharao Sethos' II., sorgsam in Kisten verpackt, zum Nilufer transportiert und dann per Boot nach Kairo überführt. Nur der innere Goldsarg, die einzigartige Mumienmaske und wenige weitere Stücke reisten in einem Sonderzug unter Armeebewachung ins Museum. Nach fast drei Monaten anstrengender Arbeit, waren die Objekte der Vorkammer sorgsam verpackt und entfernt und die versiegelte Mauer zur Sargkammer konnte feierlich vor geladenen Gästen geöffnet werden. Wieder war es ein besonders spannender Moment bis der Blick freigegeben wurde auf den großen vergoldeten Schrein, in dem sich – geschützt durch weitere Schreine, den Sarkophag und drei ineinander geschachtelten Särge – die Mumie des Tutanchamun befand. Doch über allem schwebte die Frage: war der Pharao in seiner letzen Ruhe von den Grabräubern gestört worden? Erst als man den ersten der großen Schreine öffnete hatte man darüber Gewissheit und die Freude war einzigartig groß: die Türen des zweiten Schreins waren mit einem noch intakten Siegel verschlossen und all die darin befindlichen Schätze seit der Bestattung des Königs vor mehr als 3000 Jahren von keiner Menschenhand mehr berührt worden.

Ein weiterer, an die Sargkammer angrenzender Raum wurde von einer Figur des schakalköpfigen Totengottes Anubis bewacht und beherbergte den von vier Schutzgöttinnen umstandenen Kanopenschrein mit den Eingeweiden des Pharao, kostbare Truhen, kleine Boote und viele andere einzigartige Schätze. Für Lord Carnarvon sollte dieser 16. Februar 1923 zum letzten großen Tag in seinem Leben werden, denn bereits kurze Zeit später, als er zur Erholung nach Assuan aufbrach, entzündete sich ein Moskitostich durch einen Schnitt beim Rasieren. Am 5. April verstarb der Earl an einer Blutvergiftung, nur wenige Wochen nach der Öffnung der Sargkammer, und die Sage vom "Fluch des jungen Pharao" war geboren. Nach dem tragischen Tod des Earl lastete auf Carters Schultern die gesamte Verantwortung und Organisation der Grabung, insbesondere auch die Betreuung der auf alle Geschehnisse gespannten Presse. Immer wieder kam es zu Streitereien auch mit der Antikenverwaltung, was sogar bis zu einem einjährigen Arbeitstopp führte. Das Grab des Tutanchamun jedoch gab immer weitere seiner Geheimnisse preis und nach und nach kamen die kostbarsten und erstaunlichsten Grabbeigaben des jungen Königs zum Vorschein. Über zehn Jahre arbeitete Carter daran, alle Objekte zu erfassen und sie aus dem Grab zu bergen. Es ist als Glücksfall der Archäologie zu werten, dass gerade ihm, dem Autodidakten, dieser einzigartige Fund glückte, der noch heute alle Welt in Erstaunen zu versetzen vermag und dessen wissenschaftliche Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen ist.

Howard Carter - Der Ausgräber Tutanchamuns
5. November 2004 bis 1. Mai 2005
Ägyptisches Museum der Universität Bonn

Reduzierter Eintritt für Besucher der Tutanchamun-Ausstellung bei Vorlage ihrer Eintrittskarte
Geöffnet: Di-So von 12-18 Uhr, Mo geschlossen
Der spannenden Entdeckungsgeschichte des Grabschatzes von Tutanchamun und seinem Ausgräber Howard Carter widmet sich eine Sonderausstellung im Ägyptischen Museum Bonn. Neben dem handschriftlichen Tagebuch Carters geben zahlreiche seiner bisher nie gezeigten Zeichnungen und Funddokumentationen einen Einblick in die spannenden Tage und Wochen im Tal der Könige. Grabungsphotographien – die zum Teil bis heute unveröffentlicht sind – ergänzen den Einblick in diesen einzigartigen Fund und ermöglichen es dem Besucher, den Ausgrabungsprozess und das Bergen der einzelnen Objekte aus dem wohl berühmtesten Grabschatz Ägyptens nachzuvollziehen.




  DRUCKENVERSENDEN