|
Barock im Vatikan Kunst und Kultur im Rom der Päpste II 25. November 2005 bis 19. März 2006
![]() Eine Ausstellung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, in Kooperation mit den Musei Vaticani, der Fabrica di San Pietro und der Biblioteca Apostolica Vaticana Barock im Vatikan setzt die erfolgreiche Vorgängerausstellung Hochrenaissance
im Vatikan
Zentrum der Ausstellung ist das große, ca. 5 Meter hohe Holzmodell der Kuppel der Peterskirche von Michelangelo und Giacomo della Porta. Mit Michelangelos Kuppel entsteht nicht nur das Emblem des barocken Roms: die nach über hundertjähriger Baugeschichte vollendete Kirche mit Kuppel und Platzanlage versinnbildlicht wie kein anderes Kunstwerk den Anspruch der gegenreformatorischen Kirche auf Weltgeltung: ein Anspruch, der seinen Ausdruck - bei schwindender politischer Bedeutung - vor allem in einem geistigen und künstlerischen Führungsanspruch des päpstlichen Roms mit europäischer Ausstrahlung fand. Entsprechend zieht sich die Bau- und Ausstattungsgeschichte von St. Peter wie ein roter Faden durch die einzelnen Sektionen. Beteiligt waren die berühmtesten Künstler der Epoche, darunter nach Michelangelo Bernini, Borromini, Sacchi, Guercino und Reni. ![]() Carlo Maratta Madonna mit segnendem Christusknaben, 1693-1695 © Monumenti, Musei e Gallerie Pontificie ![]() Giovanni Lanfranco Madonna mit Kind und dem hl. Laurentius © Palazzo del Quirinale, Roma Barocke Kunst wirkt im Zusammenspiel von Architektur, Malerei und Skulptur, im wohlüberlegten Zusammenwirken von Licht, Material und Farbigkeit. Die Ausstellung unternimmt es, dies durch die Einbeziehung unterschiedlicher Medien wie Gemälde, Skulpturen, Bildteppiche, Paramente, Bücher, Stiche und Zeichnungen für den Besucher erlebbar zu machen. Dabei werden die großen Aufgaben päpstlichen Mäzenatentums, aber auch die Auftraggeberschaft von Kardinälen und Orden, konzentriert auf die wichtigsten (und schönsten) Beispiele, vorgestellt: Dazu zählte etwa der Bau und die Ausstattung von Familienpalast und Villa, die Errichtung einer Familienkapelle und vor allem auch die Errichtung und Ausstattung großer Ordenskirchen. Nicht nur römische Kunst fand europaweit Beachtung. Rom und der Vatikan waren, nicht zuletzt durch die weltweiten Beziehungen der Missionsorden, auch als Wissenschaftszentrum von Bedeutung. Die Biblioteca Apostolica Vaticana und der Kreis um Kardinal Cesar Baronius waren entscheidend für die Begründung der kritischen Kirchengeschichte und die Herausbildung der christlichen Archäologie. Eine Vorreiterrolle bei der Heranbildung unseres modernen Weltbildes hatte die römische Accademia dei Lincei, Vorbild aller modernen Wissenschaftsakademien. Benannt nach dem scharfäugigen Luchs (ital. lince) hatte sich die Accademia kein geringeres Ziel gesetzt als das Studium des theatrum totius naturae, der bildlichen Erfassung aller Naturerscheinungen. Den ‚Luchsäugigen’ ist die erste, mit Hilfe eines Mikroskops entstandene Abbildung zu verdanken: Dargestellt sind bezeichnenderweise die Wappentiere Papst Urbans VIII., die Bienen. ![]() Ercole Ferrata Terracotta-Modellino für Engel mit Kreuz, 1668 © Staatliche Eremitage, Sankt Petersburg Die in diesem Zusammenhang mit dem Hermann von Helmholtz-Zentrum für
Kulturtechnik der Humboldt-Universität Berlin konzipierte Ausstellungssektion
zeigt nicht nur zeitgenössische Dokumente, Instrumente und ‚Wundermaschinen’:
Nachbauten der wichtigsten Instrumente ermöglichen einen ungewöhnlichen
und oft erstaunlichen Einblick in die Wissenskultur des Barock in Rom,
ganz im Sinne der Zeit. Getreu der Kunsttheorie der Epoche wirken Wissenschaften
und Kunst ähnlich: Sie sollten bei dem Betrachter stupore, Erstaunen
und meraviglia, Verwunderung, erzeugen. So werde die Neugierde angeregt,
der Erkenntnisprozess ausgelöst und gleichzeitig das Vergnügen
gewahrt: Dies hat sich auch die Ausstellung Barock im Vatikan zum Ziel
gesetzt.
Innerhalb der Ausstellung werden in unterschiedlichsten Präsentationen Auswertungen der digitalen Bau- und Entwurfsgeschichte gezeigt. Im Rahmen eines Wissenschaftsateliers an der Technischen Universität Darmstadt die wichtigsten Bauphasen des Petersdoms dreidimensional mittels Computer (CAD) aus Plänen, Modellen und Beschreibungen „rekonstruiert“. weiter... Pressesprecherin |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||