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AUSSTELLUNGEN
  VENEZIA! - KUNST AUS VENEZIANISCHEN PALÄSTEN
Die Sammlungsgeschichte Venedigs vom 13. bis 19. Jahrhundert
Eine Einführung - Teil 6


1800: Niedergang und Verklärung

Während die venezianische Kunst der Selbstinszenierung letzte Triumphe feierte -- der Bucintoro, die Prachtgaleere des Dogen, war zuletzt unter der Last seiner luxuriösen Ausstattung fast seeuntüchtig --, standen Napoleons Truppen bereits vor den Toren der Stadt: Am 12. Mai 1797 trat der Maggior Consiglio zu seiner letzten Sitzung zusammen. Der Doge Lodovico Manin erklärte seinen Rücktritt, und die Stadt ergab sich kampflos.


Modell eines Vaporetto
Ende 19. Jahrhundert

Dank dieser letztendlich weitsichtigen Entscheidung, die zwar von vielen Zeitgenossen als feige gebrandmarkt wurde, blieb Venedigs einzigartiges Stadtbild erhalten, nicht jedoch seine zahllosen Sammlungen. Nach der Niederlage Napoleons wurde die Stadt 1815 dem habsburgischen Königreich Lombardo-Venetien zugeschlagen. Die Versuche der Österreicher, den wirtschaftlichen Niedergang durch Industrialisierung aufzuhalten, zeigten kaum Wirkung. Die meisten Sammler, Bürger wie Adlige, sahen sich gezwungen, ihre Besitztümer zu veräußern. Zeitgenössische Quellen beklagten, die Venezianer "würden, wenn dies möglich wäre, sogar die Kirche von San Marco an die Ausländer verkaufen".
  Sammlungsgeschichte
1200: La Serenissima
1300/1400: Stadt des Handels, der Antiken und der Bibliotheken
1500: Das goldene Zeitalter und die Sammlung Grimani
1600: Selbstdarstellung und Prachtentfaltung -- Sammel-und Bidungsanspruch
1700: Letzte Blüte und ausländische Sammler
1800: Niedergang und Verklärung

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Teodoro Correr

Nur wenige versuchten, den Exodus der venezianischen Kunstschätze zu verhindern, unter ihnen vor allem Teodoro Correr (1750-1830). Wie die über 20 Säle seines mit Kunst ‚vollgestopften' Palazzos am Canal Grande ausgesehen haben, zeigt der im Maßstab 1/1 rekonstruierte, Correr gewidmete Raum in der Bonner Ausstellung. Seine Sammlungen bilden den Grundstock des heutigen Museo Correr.
Cosme Tura
Pietà
Vincenzo Lazari
Ursprüngliche Anordnung der
Sammlung des Teodoro Correr

Kunstmarkt und Kunstproduktion
Die von Armut, Hungersnot und Typhus gezeichnete Stadt war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer noch ein interessanter Markt für Antiken und Alte Meister, die zeitgenössische Kunstproduktion wurde jedoch international kaum beachtet, trotz der Anstrengungen des Präsidenten der Akademie der Künste, Leopoldo Cicognaras. Dieser hatte anlässlich der vierten Heirat des österreichischen Kaisers 1816 als Geschenk der venezianischen Provinzen eine Leistungsschau der Künstler der Stadt überbringen lassen, mit dem auch in Bonn zu bewunderndem Hauptwerk Canovas, der Muse Polyhymnia, im Zentrum.

Antonio Canova
Die Muse Polyhymnia


Mariano Fortuny

Die Stadt wurde jetzt zunehmend als Reiseziel und Motiv von ausländischen Künstlern, insbesondere englischer Herkunft, entdeckt. Am erfolgreichsten ‚nutzte' eine der zentralen Figuren im Venedig um 1900, der Künstler, Designer, Erfinder und Bühnenbildner Mariano Fortuny (1871 - 1949) die Anregungen der venezianischen Kunst- und Kulturgeschichte. In seinem Palazzo sammelte er, neben eigenen Werken, nicht mehr die Originale, sondern Tausende von Reproduktionen und Abbildungen, fein säuberlich in selbstentworfenen Kladden aufbewahrt. Diese ‚Sammlung' lieferte ihm dann die Anregungen für seine eigenen Gemälde im Stil der venezianischen Renaissance und vor allem für seinen phantasievollen und international erfolgreichen Stoff- und Kostümkreationen. Fortuny und sein orientalisch-venezianisches Atelier stehen am Ende der Bonner Ausstellung, gab er doch modellhaft vor, wie venezianische Kunst zukünftig gesammelt und vor allem genutzt werden kann: als Projektionsfläche für zeitgenössische Stimmungen und Sehnsüchte und als Motivreservoir für die eigene Kunstproduktion.


Mariano Fortuny
Djellaba
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