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VON GERHARD RICHTER BIS REBECCA HORN |
Visite
Von Gerhard Richter bis Rebecca Horn
Werke aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland
Verlängerung: 11. April 2008 bis 31. August 2008
Eine Ausstellung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in
Zusammenarbeit mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)
Die Ausstellung der Sammlung zeitgenössische Kunst der Bundesrepublik Deutschland war
im Frühjahr 2007 anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in Brüssel zu Gast, bevor
sie nun in erweiterter Form in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik
Deutschland in Bonn zu sehen ist.
Gezeigt wird eine Schau zeitgenössischer Kunst entlang drei thematischer Schwerpunkte:
Existenz – Raum - Geschichte. Mit rund 60 hochkarätigen Positionen, darunter Werke von
Rebecca Horn, Katharina Sieverding, Gerhard Richter und Wolfgang Tillmans, stellt sie
künstlerische Reflexionen über die philosophischen Grundbedingungen des menschlichen
Daseins vor und präsentiert gleichzeitig eine große Bandbreite unterschiedlicher Medien –
von der Zeichnung und Malerei über Skulptur bishin zu Fotografie und Video.
Die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland wurde 1970
gegründet und hat das Ziel, die künstlerische Entwicklung in Deutschland zu
dokumentieren.

Wolfgang Tillmans: „Central Line, suit“
aus der 5teiligen Serie: „o.T“., 2000
© Wolfgang Tillmans
Foto: courtesy Galerie Daniel Buchholz
Existenz
Unter Existenz kann die Darstellung des menschlichen Subjekts verstanden werden, das in
unterschiedlichen Zusammenhängen, in seinen historischen, sozialen, psychologischen und
politischen Beziehungsfeldern künstlerisch erfasst wird. Hier sind solche Arbeiten, die sich
explizit mit den konkreten sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen des
menschlichen Dasein auseinandersetzen, wie die Zeichnung Joseph Beuys’, Martin
Kippenbergers ironisch-plakative Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner Rolle als
Künstler (‚Pop it out’, 1995) oder Wolfgang Tillmans Portraitserie in der Londoner U-Bahn
(2000) mit Werken konfrontiert, die sich indirekt mit der menschlichen Existenz
beschäftigen – wie beispielsweise Rebecca Horns ‚Paradieswitwe’ (1975) und
‚Erika’ (1992) oder die Videoinstallation ‚ohne Titel’ von Daniel Pflumm (2000).

Thomas Struth: „Berliner Dom (Am Kupfergraben),
Berlin 1992“ aus der 7teiligen Serie: „o.T“. 1991/92
© Thomas Struth
Raum
Die Darstellung des Raumes als architektonisches und schwerer zu erfassendes zeitliches
Gebilde ist eines der Hauptthemen der bildenden Kunst. Raum wird sowohl architektonisch
umbauter Ort wie in Wohn- und Gesellschaftsbauten wie auch als geistige Sphäre
verstanden; immer ist die psychosoziale Dimension des Raumbegriffs erfahrbar. Mögliche
und reale Orte stehen im Mittelpunkt der Skulptur von Thomas Schütte (‚Parkhaus’, 2003)
und den Fotografien von Thomas Struth (‚o.T.’, 1991/1992). Die psychologische Aufladung
konkreter Raumverhältnisse, ihr Projektionspotential unserer Ängste und Wünsche
stimuliert Gregor Schneider in seinen Rauminszenierungen (‚Der deutsche Beitrag –
Venedig, Totes Haus u r’, 2001). Michael Wesely lässt durch seine Schlitzkamera den
konkreten Ort des ‚Wrigley’s Building’ (1995) zu einem abstrakten Streifenbild werden, das
an die Malereien von Barnett Newman erinnert. Heidi Specker arbeitet ebenfalls mit der
Verfremdung von Fotografien. Anders als Wesely benutzt sie zur Manipulation Berliner
Fassaden den Computer (‚Teilchentheorie’, 1998).

Jörg Immendorff: „Pass (Deutsche Farben)“, 1965
© Jörg Immendorff, courtesy Galerie Michael Werner
Berlin Köln und New York
Foto: courtesy Galerie Michael Werner
Geschichte
Die Geschichte ist als Hinterlassenschaft aller Bewegungsformen der Existenz im Raum ist
das dritte Thema dieser Ausstellung. Der Geschichtsbegriff ist ebenso wie der Existenz- und
der Raumbegriff in der Kunst vielschichtig erfahrbar: Es geht um politische
Geschichtsschreibung ebenso wie um das persönliche Erzählen; um das Erfinden von
Geschichten und das Interpretieren historischer Fakten.
Ein Teil der Arbeiten setzt sich mit deutscher Geschichte, dem Gedanken des ‚Nationalen’
auseinander, ohne auf diesen Aspekt beschränkt zu bleiben. Dazu gehören Arbeiten wie das
von Georg Herold aus Dachlatten konstruierte ‚Deutschland in den Umrissen von
1937’ (1985) oder Jörg Immendorffs Malerei ‚Pass’ (1965). Katharina Sieverdings
‚Deutschland wird deutscher’ (1993) ist ein hervorragendes Beispiel für die politisch
motivierten Arbeiten der deutschen Fotokünstlerin.
Inwiefern sich Geschichte und Erinnerung in architektonischen Konstellationen und
räumlichen Sehgewohnheiten manifestiert, untersucht Thomas Demand in seinen
Fotografien (‚Drei Garagen’, 1995).
Alle drei Themen, Existenz – Raum – Geschichte, sind miteinander eng verwoben. Diese
Korrespondenzen werden entlang der gewählten Werke deutlich und zeigen gleichzeitig,
inwiefern konkrete Ereignisse, historische Fakten, kollektive Sehgewohnheiten und
gesellschaftliche Codes in diese künstlerischen Arbeiten Eingang finden, diese jedoch
zugleich überschreiten.
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