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Klaus
vom Bruch
8.9. - 29.10.1995
Klaus vom Bruch wurde 1952 in Köln geboren. Er studierte 1975
bis 1976 am California Institute of the Arts, Valencia. Seit Ende
der 70er Jahre wurden seine Videobänder, Skulpturen und Installationen
auf zahlreichen Festivals weltweit ausgestellt. Darunter Einzelausstellungen
im Städtischen Museum Abteiberg, Mönchengladbach. Moderna
Museet, Stockholm und der Kestner Gesellschaft, Hannover. Er war Teilnehmer
der documenta 8 und hat derzeit eine Professur an der Hochschule für
Gestaltung in Karlsruhe.
In der Reihe der raumbezogenen Installationen im MedienKunstRaum der
Kunst-und Ausstellungshalle verwandelt Klaus vom Bruch den hier im
Keller gelegenen Ausstellungsraum in ein Dach, aus dem ein Glasgiebel
herausragt. Er gewährt uns damit einen Einblick in eine Ateliersituation,
als ob man von oben in einen gläsernen Ateliergiebel hineinsieht
und sich fragt: Was macht der Künstler?
Das Glashaus ist gleichzeitig als Symbol für die Aufarbeitung
zu verstehen, als ein "Herd", ein Energiezentrum, aus dessen kultureller
Tiefe die Lichtprojektionen auf und durch die Fenster hindurch gestrahlt
werden. Eine szenische Inszenierung, die an ein Filmset oder an eine
Theaterbühne erinnert. Zugleich aber auch eine Skulptur, deren
Fensterprojektionen sich in immer neuen Varianten verändern können.
Es bleibt abzuwarten, ob er ähnlich wie in seiner Reihe von Radarinstallationen
hiermit eine neue Reihe beginnt.
Titel und Untertitel der Installation beziehen sich auf den französischen
Dichter Antonin Artaud und dessen Werk "Schluß mit dem
Gottesgericht". Der Dichter ist mehrfach nach Mexiko gereist
und hat dort die Ekstasetechniken der Tarahumara Indianer studiert,
die sich im Peyotlrausch in Trance versetzen, um den Ritus der Schwarzen
Sonne zu zelebrieren. So ist auch die Arbeit Artaud spricht vor den
Soldaten als ein Diskurs über Intensität-Wahnsinn-Zerstörung-
und Wahnvorstellung zu verstehen.
In einer Kollage aus filmischen Kriegsdokumenten, Musik und ekstatischem
Dichterschrei inszeniert vom Bruch diesen Diskurs. Es stehen sich
vier verschiedene Videoprojektionen gegenüber.
Befreite Kinder aus dem KZ Dachau, drei Wehrmachtssoldaten, die sich
den Amerikanern ergeben, eine Tätowierungsszene aus einem KZ,
und ein sich bewegendes Gummiskelett.
Die Gegensätze prallen in einer Intensität aufeinander,
die nur durch Artauds Schriften noch übertroffen wird.
Das scheinbar lustige Spielen mit dem Gummiskellet als makabre Allegorie
zur Todessehnsucht, die lachenden Kinder aus dem KZ und die besiegten
verzweifelten Soldaten. Die Tätowierung, die sowohl Lust als
auch Tod verinnerlicht. Und schließlich der Gegensatz von Bildebene
zu Tonebene, der Kontrast zwischen Todesängsten und Liebessehnsucht
wird durch romantisch verklärte mexikanische Liebeslieder, Mariachas
und Rumbas aus den 30er und 50er Jahren, untermalt. Ein Karneval des
Todes, zu dem man versucht ist, mit dem Fuß zu wippen.
Die Realität des Krieges steht dabei im krassen Gegensatz zu
sentimentalen oder heroisierenden Vorstellungen des Soldatenlebens.
Der Krieg als ritualisierter Männlichkeitswahn ist ein Thema,
das sich als roter Faden durch die Videoarbeiten und Installationen
Klaus vom Bruchs spinnt. Das Duracellband, Der Westen lebt oder die
Reihe von Radar-Installationen seien hier beispielhaft genannt.
Klaus vom Bruch macht es sich und den Besuchern mit dieser Thematik
nicht einfach. Auf dem Hintergrund der sich ständig aktualisierenden
Kriegsberichterstattung aus verschiedensten Teilen der Welt veranlaßt
er uns, über die tiefergehenden Hintergründe der oft nicht
logisch nachvollziehbaren Kriegsgelüste nachzudenken. Bei aller
inszenierter Dramatik hat er dabei kein konkretes politisches Ziel,
sondern zielt auf die Verfeinerung der Sinne ab. |
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