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AUSSTELLUNGEN
  BERNHARD HEILIGER

Bernhard Heiliger
Retrospektive 1945 bis 1995

19. Mai bis 22. Oktober 1995

Bernhard Heiliger, Jahrgang 1915 - verstorben 25. Oktober 1995 - , gehörte zu den Künstlern jener Generation, die 1945 am Punkt Null zu neuen künstlerischen Horizonten aufgebrochen ist. Heiliger, der gleich nach seiner Soldatenzeit mit der Arbeit als freier Bildhauer begann, gilt heute als einer der Wegbereiter deutscher Plastik nach 1945. Bereits seine ersten Arbeiten weckten eine so starke Aufmerksamkeit, dass er 1952 von Karl Hofer an die Hochschule für Bildende Künste nach Berlin berufen wurde. Im selben Jahr wurde Heiliger auch durch den Preis des Londoner Institute of Contemporary Art für seinen Entwurf zum Mahnmal des unbekannten politischen Gefangenen international bekannt. In den folgenden Jahrzehnten stand der Name Bernhard Heiligers auch im internationalen Kontext für die neue deutsche Plastik: Wie kaum ein anderer Künstler repräsentiert er gleichsam die Geschichte der Bundesrepublik bis in die 70er Jahre. Bernhard Heiliger ist auf originäre Weise einer der ganz großen Protagonisten westdeutscher Bildender Kunst.

Die nach dem Kriege geführte, harte Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der Abstraktion und den Befürworten der Gegenständlichkeit hat das Werk von Bernhard Heiliger kaum berührt. Dafür standen von Beginn an andere essentielle bildhauerische Fragen, vor allem die nach Trennung bzw. Durchdringung von Volumen und Raum, im Vordergrund. Seine figürlichen Arbeiten überschritten schon bald und immer häufiger die Grenzen zur freien Form und strebten zu einer Dynamisierung des Raumes. Im Rückblick lassen sich die einzelnen Werkphasen innerhalb seiner künstlerischen Arbeit deutlich herausstellen. Im Wechsel der Jahrzehnte vollzog sich die Entwicklung von den noch ans Figurative anschließenden Skulpturen der 50er Jahre über die expandierenden vegetativen, im wörtlichen Sinne groß werdenden Bronze-Arbeiten der 60er und 70er Jahre sowie die daran anschließende Zeit der Umorientierung, des Experimentierens mit neuen Materialien und der offenen Form bis hin zu den Eisenplastiken, die seit den 80er Jahren einen neuen Abschnitt prägen.

Neben den Skulpturen ist von früh an gleichgewichtig ein umfangreiches zeichnerisches Werk entstanden. Zeichnung war für Heiliger nie Skizze im Sinne von Entwurf Dennoch nahm er in seinen Zeichnungen häufig Probleme vorweg, die er später unter den Bedingungen der Skulptur wieder aufgriff und weiterdachte.

Heiliger selbst hat "Natur und Technik" als sein Thema genannt und meint dieses nicht lediglich als Addition, sondern als permanente Herausforderung, beide Aspekte miteinander zu verbinden. Im Ringen darum ist ein umfangreiches Oeuvre entstanden, das in dieser Retrospektive in seinen wichtigen Abschnitten und Zeugnissen vorgestellt wird. Mehr als 20 Großplastiken im Außenbereich, auf dem Platz vor der Kunst- und Ausstellungshalle sowie auf dem Dach, bezeugen die bis heute ungebrochene Kraft und Dynamik des Künstlers ebenso wie rund 30 mittlere und kleinere Skulpturen im Innenbereich. Dazu kommen große Reliefarbeiten und Assemblagen sowie eine Auswahl aus dem zeichnerischen Werk. Ein zentrales Werk der Ausstellung ist der kleinere Teil der zweiteiligen Hängeskulptur Kosmos 70, die Bernhard Heiliger 1970/71 für den Berliner Reichstag geschaffen hat und die zur Zeit wegen des dortigen Umbaus vorübergehend abgehängt wurde.

Lothar Romain geboren 1944, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Köln. Er arbeitete als verantwortlicher Redakteur beim Südwestfunk und dem WDR, war Feuilletonchef des "Vorwärts" und Chefredakteur im Carl Hanser Verlag. Als Kunstkritiker trat er mit zahlreichen Veröffentlichungen hervor ("Über Beuys", "Positionen - Malerei aus der Bundesrepublik Deutschland", "Bernhard Heiliger", "Bemard Schultze", "Andy Warhol" u.a.). 1977 und 1987 gehörte Romain dem Documenta-Komitee an. Von 1989 bis 1994 war er Kurator des Projektes "Kunst im öffentlichen Raum", u.a. mit den weithin bekannt gewordenen neun "Busstops". Er lehrt Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts an der Akademie der Bildenden Künste, München, und ist Begründer und Mitherausgeber des Lexikons "Künstler".



  Ausstellungskurator
Lothar Romain
Projektleitung
Agnieszka Lulinska

Katalog

  Link
externer Link in neuem Browserfenster"Bernhard Heiliger (1915-1995): Kosmos eines Bildhauers"
Retrospektive im Martin-Gropius-Bau
5. November 2005 bis 15. Januar 2006


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