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Gary
Hill
Circular Breathing
1.3. - 12.5.1996
Fünf vertikal positionierte und aneinandergereihte Videoprojektionen
bilden ein ca. zehn Meter langes Panorama, das in einer rhythmischen
Reihenfolge die Besucher mit einer von links nach rechts wandernden
Bildermaschinerie konfrontiert. Die flackernden projizierten Bild-,
Tonfragmente bestehen aus cineastischen Szenenbildern, Detailaufhahmen
von Innenräumen und Körperstudien.
Gary Hill kombiniert in dieser Installation fünf Detailaufhahmen
mit fünf Fragmenten zu sieben Kapiteln. Die Bilder bewegen sich
in mathematisch strukturierten Sequenzen über die Wand; je mehr
Bilder auf den fünf Projektionsflächen zu sehen sind, desto
mehr verlangsamt sich die Bildgeschwindigkeit, sie wird zur Zeitlupe,
um dann in ein nahezu stehendes Bild überzugehen. Die Bildsequenzen
und der synchrone Ton verschmelzen und separieren sich zugleich, suggerieren
Elemente einer Geschichte, bilden intuitive Allegorien, ohne jedoch
zu einer linearen Erzählstrukur zu gelangen.
Im Kontext der Arbeiten über Wahrnehmung, Bewußtsein und
Kommunikation ist Circular Breathing die herausragende Arbeit Gary
Hills. Der Titel verweist auf eine spezielle Atemtechnik, wie sie
beim Spiel von Blasinstrumenten und im chinesischen Tai-Chi praktiziert
wird.
Circular Breathing symbolisiert den Wahrnehmungsvorgang im Gedächtnis
und ist eine Einübung auf den Verzicht von Bedeutung. Vorstrukturierte
Kapitel wie "Straßenszene", "Baustelle"
oder "Klavierspiel" animieren die Wahrnehmung, eine Erzählstruktur
zu formulieren, doch im Wettlauf mit dem Verschwinden der Bild-Tonfragmente
versiegt der lineare Erzählversuch. Die Kontinuität des
Sehens trifft auf die Instabilität der flackernden Bilder und
die Diskontinuität der Erzähltechnik.
Dem Bilderrhythmus folgend muß das Auge im Installationsraum
ein- und ausatmen, zwischen Aufblende an der linken Seite und Abblende
auf der rechten Seite. Das Auftauchen und Verschwinden der Bilder
und Geräusche entspricht dabei dem Vorgang des Erinnerns und
Vergessens. Die Bilder tauchen wie aus einem Strom des Vergessens
auf und verschwinden wieder in ihm.
Circular Breathing,1994 Single-channel Video/Sound Installation: Fünf
Videoprojektoren, Bildplatte und Bildplattenspieler, Computer-controlled
Video-switcher, Verstärker, Lautsprecher
Gary Hill Biographie:
Gary Hill wurde 1951 in Santa Monica, Kalifornien, geboren. 1969 siedelte
er nach Woodstock, New York, über und begann Anfang der 70er
Jahre in der dort neugegründeten Woodstock Community Video mit
dem neuen elektronischen Medium zu arbeiten. Die Bekanntschaft zu
den beiden Poeten George Quasha und Charles Stein hat nachdrücklich
sein Interesse an der Sprache und an den Strukturen des Verstehens
geprägt. In den 80er Jahren begann Hill seine Videoarbeiten räumlich
zu erweitern und verstärkt Video-installationen zu realisieren.
Durch die Teilnahme an der documenta 9 und die 1993 anschließende
retrospektive Wanderausstellung durch europäische Museen erreichte
Gary Hill eine breitere, nicht nur auf das Medium "Video"
spezialisierte Öffentlichkeit. 1995 war er Teilnehmer der Biennale
in Venedig und erhielt dort den Preis "Leone d'Oro". Seit
1985 lebt und arbeitet Gary Hill in Seattle, Washington. |
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